Copart Aktie (CPRT) – Analyse & fairer Wert

Ticker: CPRT (NASDAQ Global Select)   ISIN: US2172041061

Copart, Inc. versteigert beschädigte, gestohlene und zum Totalschaden erklärte Fahrzeuge online – im Auftrag von Versicherern, Banken, Flottenbetreibern und Privatpersonen. Das Unternehmen ist damit die Drehscheibe zwischen Versicherungen, die ein Wrack loswerden müssen, und Verwertern, Werkstätten und Exporteuren, die es kaufen wollen.

Gründung: 17. Juni 1982 in Vallejo, Kalifornien

Gründer: Willis J. Johnson

Hauptsitz: Dallas, Texas

Beschäftigte: rund 11.600 (Geschäftsjahresende Juli 2025)

Börsengang: 17. März 1994 an der NASDAQ zu 12 USD

Branche: Online-Fahrzeugauktionen und Wiedervermarktung

Marktkapitalisierung: rund 25 Mrd. USD (Stand 23.07.2026)

Auf einen Blick

Ein Marktführer mit Margen von über 35 %, so gut wie ohne Schulden – der aber gerade gleichzeitig Wachstum, Marktanteile und seinen Vorstandschef verliert. Die Aktie hat sich vom Hoch fast halbiert und wird mit einem KGV von rund 17 bewertet, halb so hoch wie im Zehnjahresschnitt.

Kurs (21.07.2026)27,17 $
52-Wochen-Spanne26,85 – 50,11 $
KGV aktuell / Ø 10 Jahrerund 17 / 30,5
Fairer Wert (Basisszenario)31,66 $ (+16,5 %)
Dividendekeine

Geschäftsmodell

Copart verdient nicht am Auto, sondern am Vorgang. Für jedes Fahrzeug fallen Gebühren an – beim Einliefern, beim Transport, beim Zuschlag, bei der Zahlungsabwicklung und bei der Titelübertragung. Rund vier von fünf Fahrzeugen kommen von Versicherungen, die einen Totalschaden abwickeln müssen. Copart nimmt das Wrack meist gar nicht in die eigenen Bücher, sondern versteigert es als Dienstleister für den Eigentümer.

Die Plattform

Herzstück ist die eigene Auktionsplattform VB3 (Virtual Bidding Third Generation), über die täglich mehr als 125.000 Fahrzeuge zum Gebot stehen. Rund um die Auktion liegt die eigentliche Arbeit: Abholung, Einlagerung auf eigenen Flächen, Fotodokumentation, Schadensbewertung, Zuschlag, Bezahlung, Papiere, Abtransport.

Investiert wird vor allem in Daten und Automatisierung: hochauflösende Fahrzeugbilder und -videos, KI-gestützte Schadensanalyse, Werkzeuge wie IntelliSeller für die Preisstrategie der Verkäufer sowie Logistik- und Titelverarbeitungssysteme. Der Vorsprung liegt weniger in einzelner Technik als in jahrzehntelang gesammelten Transaktionsdaten.

Weitere Standbeine neben dem Kerngeschäft

  • CashForCars.com – Direktankauf von Fahrzeugen bei Privatpersonen
  • Purple Wave – Auktionen für Bau- und Landmaschinen
  • Powersports – Motorräder, Boote, Freizeitfahrzeuge
  • Blue Car / Non-Insurance – Fahrzeuge von Banken, Finanzierern, Flotten- und Mietwagenbetreibern

Wer verkauft, wer kauft

Verkäuferseite: Versicherungskonzerne (rund 81 % der Fahrzeuge), dazu Banken, Leasinggesellschaften, Flottenbetreiber, Behörden und Privatpersonen. Betreut über eigene Vertriebsteams und die Plattform Copart.com.

Käuferseite: ein weltweites Netz aus lizenzierten Verwertern, Aufbereitern, Reparaturbetrieben, Händlern und Exporteuren. Genau diese internationale Käuferbasis federt derzeit ab, dass die Nachfrage in den USA schwächelt.

Wie konjunkturabhängig ist das Geschäft?
Kaum. Ob ein Auto zum Totalschaden wird, hängt an Unfallzahlen und an der Total-Loss-Frequenz – dem Anteil der Schäden, bei denen sich eine Reparatur nicht mehr lohnt. Dieser Anteil lag zuletzt bei rund 23,6 % (1. Quartal 2026) und steigt langfristig, weil moderne Fahrzeuge teurer zu reparieren sind. Beides folgt nicht dem Konjunkturzyklus. Leicht zyklisch ist nur die Nachfrageseite: Was Ersatzteile und Exportfahrzeuge einbringen, schwankt mit der Weltwirtschaft. Mehr als 200 Standorte in 11 Ländern verteilen dieses Risiko zusätzlich.

Umsatzverteilung

Im Geschäftsjahr 2025 (Ende 31. Juli 2025) setzte Copart 4.646,96 Mio. USD um, ein Plus von 9,7 % gegenüber dem Vorjahr. Berichtet wird in zwei Segmenten.

Segmente im Geschäftsjahr 2025

United States 83 %International 17 %
SegmentAnteilUmsatz (Mrd. USD)
United Statesrund 83 %rund 3,86
Internationalrund 17 %rund 0,79

Die USA bleiben mit Abstand das Rückgrat, wachsen aber am langsamsten. Das internationale Geschäft – Kanada, Großbritannien, Deutschland, Spanien, Irland, Brasilien, Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain, Oman und Indien – legt prozentual deutlich stärker zu und trägt inzwischen spürbar zum Wachstum bei.

Innerhalb der Umsätze verschiebt sich der Mix zugunsten der margenstärkeren Servicegebühren und weg vom margenschwachen Weiterverkauf eigener Fahrzeuge. Das hebt die Ertragsqualität, auch wenn die Umsatzzahl selbst kaum wächst.

Der laufende Verlauf im Geschäftsjahr 2026

QuartalUmsatzggü. VorjahrGewinn je Aktie
Q1 (bis 31.10.2025)1,16 Mrd. $+0,7 %0,41 $
Q2 (bis 31.01.2026)1,10 Mrd. $−3,6 %0,36 $
Q3 (bis 30.04.2026)rund 1,24 Mrd. $wieder positiv0,43 $

Nach neun Monaten liegt der Umsatz mit rund 3,5 Mrd. USD praktisch auf Vorjahresniveau. Vom zweistelligen Wachstum des Geschäftsjahres 2025 ist damit vorerst nichts übrig. Auffällig ist, wie das zustande kommt: Im dritten Quartal sanken die weltweit versteigerten Versicherungsfahrzeuge um 2,7 % (USA: −4,2 %), gleichzeitig stiegen die durchschnittlichen Verkaufspreise um 4,6 %. Der Preis gleicht die fehlende Menge derzeit gerade so aus.

Quartalszahlen laut Unternehmensmeldungen; Q4 des Geschäftsjahres 2026 endet am 31. Juli 2026 und lag zum Analysezeitpunkt noch nicht vor.

Burggraben (Wettbewerbsvorteil)

Coparts Vorteil ist ungewöhnlich handfest: Er besteht zu einem guten Teil aus Grund und Boden. Wer Wracks versteigern will, braucht große, genehmigte Flächen in der Nähe von Ballungsräumen – und die sind knapp, teuer und politisch schwer neu zu erschließen. Copart besitzt über 10.000 Acre an mehr als 200 Standorten in 11 Ländern.

Quellen des Burggrabens

QuelleStärkeWorauf sie beruht
Skalen- und Kostenvorteile● starkÜber 200 Standorte, hohe Fixkostendegression, kaum kurzfristig kopierbar
Grundbesitz an den Standorten● starkEigene Flächen statt Miete; Genehmigungen sind die eigentliche Eintrittshürde
Netzwerkeffekte◐ mittelMehr Käufer → höhere Erlöse → mehr Verkäufer; wirkt, aber je Region
Wechselkosten◐ mittelLangfristige Verträge mit Versicherern, die rund 81 % der Fahrzeuge liefern
Technologie und Daten◐ mittelVB3-Plattform und jahrzehntelange Transaktionsdaten

● stark ausgeprägt · ◐ vorhanden, aber angreifbar · ○ kaum vorhanden

Einstufung: eher schmaler als breiter Burggraben. Real und strukturell, aber nicht uneinnehmbar. Die operative Marge von über 35 % zeigt, dass der Vorteil noch trägt. Dass die Kapitalrendite seit 2019 von 28,9 % auf 16,2 % gefallen ist – zeitgleich mit dem Wiedererstarken des Wettbewerbers IAA unter dem Dach von RB Global – zeigt aber auch, dass er nicht mehr wächst. Copart steht heute in einem Duopol, nicht mehr allein auf dem Feld.

Was den Burggraben angreifen kann
  • Konsolidierung auf der Gegenseite: RB Global hat mit IAA einen Wettbewerber in vergleichbarer Größenordnung geformt.
  • Regulatorische Eingriffe bei Titelübertragung, Umweltauflagen oder Flächennutzung.
  • Langfristig: weniger Unfälle durch Fahrassistenz und autonomes Fahren. Gegenläufig wirkt, dass genau diese Technik Reparaturen verteuert und damit mehr Fahrzeuge zum Totalschaden macht.

Quantitative Faktoren (2016–2025)

Zehn Geschäftsjahre im Überblick. Das Geschäftsjahr endet jeweils am 31. Juli, „TTM“ steht für die letzten zwölf Monate. Datenbasis: roic.ai.

Übersicht der Kennzahlen

Kennzahl201620202025TTM
Umsatz je Aktie1,39 $2,36 $4,81 $4,83 $
Gewinn je Aktie (Basic, GAAP)0,30 $0,75 $1,61 $1,62 $
Operative Marge32,04 %37,00 %36,51 %36,57 %
Free Cashflow je Aktie0,17 $0,35 $1,27 $1,40 $
Buchwert je Aktie0,54 $2,08 $8,38 $7,98 $
ROIC18,28 %27,35 %16,21 %
Verschuldung / FCF3,63x1,51x0,07x
Aktienanzahl915 Mio.933 Mio.965 Mio.960 Mio.
KGV22,6931,8228,51rund 17
Dividende0 $0 $0 $0 $

1. Umsatz je Aktie (USD)

Copart Umsatz je Aktie 2016 bis TTM: Anstieg von 1,39 auf 4,83 US-Dollar, zuletzt flacher verlaufend

Von 1,39 auf 4,83 USD – mehr als eine Verdreifachung in zehn Jahren, im Schnitt rund 15 % pro Jahr. Weil die Aktienanzahl dabei fast unverändert blieb, stammt dieser Zuwachs praktisch vollständig aus dem operativen Geschäft und nicht aus Aktienrückkäufen. Ab 2023 flacht die Kurve sichtbar ab, im TTM-Wert steht sie faktisch still.

2. Operative Marge (%)

Copart operative Marge 2016 bis TTM: Anstieg von 32,04 auf den Höchstwert 42,21 Prozent im Jahr 2021, danach Rückgang auf 36,57 Prozent

Das ist die eindrucksvollste Zahl im ganzen Katalog. Eine operative Marge, die in zehn Jahren nie unter 32 % gefallen ist, findet man bei Dienstleistern praktisch nicht. Sie ist der zahlenmäßige Beleg für den Burggraben: eigene Flächen statt Miete, ein Fixkostenblock, der sich auf immer mehr Fahrzeuge verteilt, und Gebühren, die nicht am Fahrzeugwert hängen.

Der Verlauf hat zwei Phasen. Bis 2021 klettert die Marge von 32,04 % auf den Höchstwert von 42,21 % – die Jahre, in denen gebrauchte Fahrzeuge weltweit knapp und teuer waren und jede Auktion Rekorderlöse brachte. Seither geht es Schritt für Schritt zurück auf zuletzt 36,57 %.

Wichtig für die Einordnung: Das ist keine Erosion des Geschäftsmodells, sondern die Normalisierung eines Ausnahmezustands – das Niveau liegt immer noch über allen Jahren vor 2020. Bemerkenswert ist vor allem, dass die Marge im laufenden Jahr trotz stagnierender Umsätze und sinkender Stückzahlen praktisch stabil bleibt. Copart gibt also keine Preise her, um Volumen zu halten.

3. Free Cashflow je Aktie (USD)

Copart Free Cashflow je Aktie 2016 bis TTM: Anstieg von 0,17 auf 1,40 US-Dollar

Von 0,17 auf 1,40 USD – der stärkste Anstieg aller Kennzahlen. Die Delle 2018/2019 war eine Investitionsphase, in der Copart massiv Flächen zukaufte. Danach wird das Unternehmen zu einer verlässlichen Cash-Maschine. Bemerkenswert: Auch im laufenden Jahr mit stagnierendem Umsatz steigt der Cashflow je Aktie weiter.

4. Buchwert je Aktie (USD)

Copart Buchwert je Aktie 2016 bis TTM: Anstieg von 0,54 auf 8,38 US-Dollar, im TTM Rückgang auf 7,98 US-Dollar durch Aktienrückkäufe

Von 0,54 auf 8,38 USD, auf mehr als das Fünfzehnfache – neun Jahre lang ohne eine einzige Unterbrechung. Der Grund war simpel: Copart zahlt keine Dividende, also blieb praktisch jeder verdiente Dollar im Unternehmen.

Im laufenden Jahr kippt dieses Muster erstmals: Der Buchwert je Aktie sinkt auf 7,98 USD. Das ist kein Verlust, sondern eine bewusste Entscheidung – Copart hat begonnen, in großem Stil eigene Aktien zurückzukaufen (siehe Punkt 7). Eigenkapital wandert damit von der Bilanz zurück zu den Aktionären.

Für sich genommen sagt der Buchwert ohnehin wenig über die Qualität aus; erst zusammen mit der Kapitalrendite wird daraus eine Aussage – und genau dort liegt der wunde Punkt.

5. ROIC – Kapitalrendite (%)

Copart ROIC 2016 bis 2025: Hoch bei 28,85 Prozent im Jahr 2019, danach Rückgang auf 16,21 Prozent im Jahr 2025

Hier zeigt sich die eigentliche Entwicklung der letzten Jahre: vom Hoch bei 28,85 % (2019) stetig hinunter auf 16,21 % (2025). Bei Kapitalkosten von grob 7–9 % verdient Copart damit immer noch deutlich mehr, als das eingesetzte Kapital kostet – das Unternehmen bleibt klar in der Qualitätsklasse.

Die Ursache ist zum Teil harmlos: Wer alle Gewinne einbehält, vergrößert den Nenner der Rechnung, und neue Standorte verdienen erst nach Jahren. Zum Teil ist sie es aber nicht – der Rückgang fällt zeitlich mit dem verschärften Wettbewerb zusammen. Ob sich die Kurve wieder fängt, ist der wichtigste Prüfstein der kommenden Quartale.

6. Verschuldung / Free Cashflow

Copart Verschuldung im Verhältnis zum Free Cashflow 2016 bis 2025: Rückgang von 3,63 auf 0,07

Von 3,63x auf 0,07x – Copart könnte seine gesamten Schulden aus wenigen Wochen Cashflow tilgen. Das Unternehmen ist faktisch schuldenfrei. In einer Phase mit Wachstumsdelle, Führungswechsel und Klagen ist das die beruhigendste Zahl der ganzen Analyse: Von der Bilanzseite droht kein Zwang zum Handeln.

7. Aktienanzahl (Mio. Stück)

Copart Aktienanzahl 2016 bis TTM: Anstieg von 915 auf 965 Millionen, im TTM erstmals rückläufig auf 960 Millionen Stück

Neun Jahre lang stieg die Aktienzahl langsam von 915 auf 965 Millionen – rund 5,5 %, also unter 0,6 % pro Jahr, im Wesentlichen aus Mitarbeiterprogrammen. Die Aktionäre wurden also leicht verwässert, statt dass Rückkäufe ihre Anteile verdichteten.

Im Geschäftsjahr 2026 ändert sich das grundlegend. Bis zum dritten Quartal hat Copart 43,4 Millionen eigene Aktien für mehr als 1,6 Mrd. USD zurückgekauft – allein zwischen Februar und April 2026 rund 38 Millionen Stück für 1,42 Mrd. USD. Das sind etwa 4,5 % aller Anteile, und es ist der mit Abstand größte Rückkauf der Unternehmensgeschichte.

Im Diagramm ist davon erst ein kleiner Teil zu sehen (965 auf 960 Mio.), weil die Kennzahl den gewichteten Jahresdurchschnitt zeigt und der Rückkauf überwiegend spät im Jahr stattfand. Die Botschaft ist aber deutlich: Ein Management, das über zwei Jahrzehnte kaum eigene Aktien gekauft hat, tut es ausgerechnet jetzt – beim niedrigsten Bewertungsniveau seit Jahren.

8. KGV – Kurs-Gewinn-Verhältnis

Copart KGV 2016 bis 2025: Bandbreite von 18,96 bis 37,89 bei einem Zehnjahresschnitt von 30,5

Zehn Jahre lang bezahlte der Markt zwischen dem 19- und dem 38-Fachen des Gewinns, im Schnitt das 30,5-Fache. Heute sind es rund 17. So niedrig war die Bewertung im gesamten Betrachtungszeitraum nie.

Das ist der Kern des Investmentfalls: Operativ ist wenig zusammengebrochen – Marge, Cashflow und Bilanz stehen. Was gefallen ist, ist die Bereitschaft des Marktes, für dieses Geschäft eine Wachstumsprämie zu zahlen. Wer heute kauft, wettet darauf, dass diese Prämie zurückkommt.

Dividende: keine
Copart hat seit dem Börsengang 1994 nie eine Dividende gezahlt, die Ausschüttungsquote liegt konstant bei 0 %. Der gesamte Ertrag muss aus dem Kurs kommen – für Anleger, die laufende Erträge suchen, ist die Aktie ungeeignet.

Gesamtfazit Kennzahlen

Über zehn Jahre ergibt sich das Bild eines außergewöhnlich profitablen, konservativ finanzierten Unternehmens: Umsatz, Cashflow und Buchwert je Aktie stiegen ohne Bruch, die operative Marge fiel nie unter 32 %, die Verschuldung ist praktisch verschwunden.

Zwei Zahlen trüben das Bild. Die Kapitalrendite fällt seit 2019 kontinuierlich, und das Wachstum ist im laufenden Jahr zum Stillstand gekommen. Auch die Marge liegt seit dem Ausnahmejahr 2021 wieder niedriger, wenn auch immer noch über dem Niveau vor der Pandemie. Zusammen erklärt das, warum der Markt die Aktie inzwischen wie ein normales Dienstleistungsunternehmen bewertet und nicht mehr wie einen Wachstumswert.

Neu ist die Reaktion des Managements: Statt weiter jeden Dollar einzubehalten, kauft Copart seit 2026 im großen Stil eigene Aktien zurück. Wer die Kennzahlen der kommenden Quartale liest, sollte deshalb im Blick behalten, dass Gewinn und Cashflow je Aktie künftig auch dann steigen können, wenn das Geschäft selbst nur seitwärts läuft.

Qualitative Faktoren & Wettbewerb

Kurzfazit

Ein qualitativ starkes Unternehmen in einer unbequemen Phase. Der Marktanteil bröckelt zugunsten von RB Global/IAA, das US-Kerngeschäft schrumpft, und mit dem überraschenden Rücktritt des Vorstandschefs sowie mehreren Anlegeruntersuchungen kommt ein Vertrauensproblem hinzu. Dem stehen ein intaktes Geschäftsmodell, eine makellose Bilanz und neue Wachstumsfelder gegenüber.

1. Wettbewerbsumfeld

Der Markt für Salvage-Auktionen ist ein Duopol. Copart führt, der relevante Gegenspieler ist Insurance Auto Auctions (IAA), seit der Übernahme Teil von RB Global (Ritchie Bros. Auctioneers).

CopartRB Global / IAA
RolleMarktführerHerausforderer
Geschätzter US-Marktanteilrund 65 %rund 35 %
Entwicklung der Stückzahlen (2026)−2,8 %+4,7 %
Operative Margeüber 35 %deutlich niedriger

Die Richtung ist eindeutig: Copart verliert Stückzahlen, der Wettbewerber gewinnt sie. Analysten der Bank of America sehen die Verteilung derzeit bei etwa 65 zu 35 mit Tendenz zu einem ausgeglicheneren Verhältnis. Beide Seiten profitieren strukturell vom selben Rückenwind – mehr gefahrene Kilometer, komplexere Fahrzeuge, teurere Reparaturen und damit mehr Totalschäden. Der Unterschied liegt darin, wer die Fahrzeuge bekommt.

2. Management & Governance

Zum 31. Juli 2026 wechselt die Führung: Vorstandschef Jeff Liaw tritt zurück und verlässt auch den Verwaltungsrat. Seine Rolle übernimmt erneut A. Jayson „Jay“ Adair – bislang Executive Chairman, von 2010 bis 2022 bereits Vorstandschef und als Ehemann von Willis Johnsons Tochter der Schwiegersohn des Firmengründers. Liaw, der zuvor Finanzchef und Präsident war, begleitet den Übergang als Sonderberater.

PersonRolleHintergrund
A. Jayson AdairCEO ab 31.07.2026seit 1989 im Unternehmen, CEO 2010–2022, zuletzt Executive Chairman
Jeff LiawCEO bis 31.07.2026rund ein Jahrzehnt im Unternehmen, zuvor CFO und President
Willis J. JohnsonGründergründete Copart 1982, langjähriger Chairman

Kapitalallokation: Über zwei Jahrzehnte lautete die Linie: keine Dividende, kaum Rückkäufe, praktisch der gesamte freie Cashflow fließt in organisches Wachstum, neue Standorte und gelegentliche Zukäufe wie Purple Wave – und das alles ohne Schulden.

2026 kommt ein zweiter Baustein dazu: Copart hat bis zum dritten Quartal 43,4 Mio. eigene Aktien für über 1,6 Mrd. USD zurückgekauft – der größte Rückkauf der Firmengeschichte, den die Finanzchefin ausdrücklich als Vertrauensbeweis in die eigenen Aussichten begründet. Spielraum bleibt reichlich: rund 5,5 Mrd. USD Liquidität, davon 4,2 Mrd. USD Bargeld und Wertpapiere, bei null Schulden. Für passende Zukäufe würde das Management auch Fremdkapital aufnehmen.

Einordnung: Operativ ist die Bilanz dieses Managements stark. Die Umstände des Wechsels sind es nicht. Der Rücktritt kam überraschend, die Aktie verlor am Tag der Ankündigung 8 %, und mehrere US-Kanzleien prüfen seither Ansprüche von Anlegern. Ob Adairs Rückkehr Kontinuität bedeutet oder ein Signal für ungelöste Probleme ist, lässt sich heute nicht entscheiden.

3. Wachstumstreiber

  • Internationale Expansion – neue Standorte in Großbritannien, Spanien und Kanada; im dritten Quartal 2026 das einzige klar wachsende Feld.
  • Blue Car / Non-Insurance – Fahrzeuge von Banken, Finanzierern und Flotten; laut Management über 20 % Wachstum pro Jahr.
  • Purple Wave – Bau- und Landmaschinen, zuletzt starkes zweistelliges Wachstum.
  • KI und Automatisierung – Schadensbewertung, Dokumentenverarbeitung und ein Werkzeug zur Totalschaden-Entscheidung.

Einordnung: Die Wachstumsgeschichte ist breiter geworden, aber sie trägt noch nicht. Die neuen Felder wachsen zweistellig, sind aber zu klein, um den Rückgang im US-Kerngeschäft auszugleichen – nach neun Monaten steht unter dem Strich ein Umsatz auf Vorjahresniveau. Der neue Vorstandschef hat einen stärkeren Fokus auf Zukäufe angekündigt.

4. Risiken

Die drei kritischsten Punkte
  1. Marktanteilsverluste an ein wiedererstarktes RB Global/IAA – bereits in den Stückzahlen messbar, nicht nur eine Befürchtung.
  2. Stagnation im US-Kerngeschäft – die neuen Wachstumsfelder müssen erst noch beweisen, dass sie das auffangen können.
  3. Vertrauensfrage – überraschender Führungswechsel, laufende Anlegeruntersuchungen und ein Kurs nahe dem Mehrjahrestief.

Weitere Risiken: Abhängigkeit von wenigen großen Versicherungspartnern; langfristig sinkende Unfallzahlen durch Fahrassistenzsysteme und autonomes Fahren; Währungsschwankungen durch das wachsende Auslandsgeschäft. Zölle sieht das Management derzeit nicht als nennenswertes Risiko, da die betroffenen Länder für Copart weder als Beschaffungs- noch als Absatzmärkte eine große Rolle spielen. Finanzielle Risiken sind angesichts der schuldenfreien Bilanz gering.

5. Branchentrends

Der strukturelle Rückenwind bleibt: Fahrzeuge werden technisch komplexer, Ersatzteile und Arbeitszeit teurer, und damit lohnt sich eine Reparatur immer seltener. Die Total-Loss-Frequenz steigt seit Jahren – jeder zusätzliche Prozentpunkt bedeutet mehr Fahrzeuge für die Auktionsplattformen.

Dagegen stehen zwei kurzfristige Gegenkräfte: In den USA melden die Versicherer weniger Schäden, und der Wettbewerb um die verbleibenden Fahrzeuge ist härter geworden. Der Branchentrend spricht also für das Geschäftsmodell, das aktuelle Marktumfeld gegen Copart.

6. Nachhaltigkeit (ESG)

  • Klimaziele: seit 2024 bei der Science Based Targets initiative validierte Ziele für Scope 1, 2 und 3, ergänzt um die Initiative „Plan-Net-Zero“.
  • Kennzahlen: rund 105.500 Tonnen CO₂-Äquivalent in Scope 1 und 2 (2024); über 12 Mio. Tonnen CO₂-Äquivalent vermieden durch längere Fahrzeuglebenszyklen und die Gewinnung gebrauchter Ersatzteile.
  • Kreislaufwirtschaft: über die britische Tochter „The Green Parts Specialists“ zuletzt rund 8.000 Fahrzeuge zerlegt; Reifen-Runderneuerung seit 2014.
  • Belegschaft: rund 11.600 Mitarbeitende; Auszeichnung „America’s Greatest Workplaces for Diversity 2024“.

Einordnung: Das Geschäftsmodell ist von Natur aus kreislaufwirtschaftlich – jedes weiterverwertete Fahrzeug ersetzt Neuproduktion. Die Klimaziele sind extern validiert, was in dieser Branche nicht selbstverständlich ist. Getrübt wird das Bild von der Governance-Seite: Solange die Anlegerverfahren rund um den Kursverfall laufen, ist Copart hier solider Durchschnitt statt Vorreiter.

Stärken
  • Marktführer mit Grundbesitz als kaum kopierbarer Hürde
  • Operative Marge seit zehn Jahren nie unter 32 %
  • Schuldenfrei, 5,5 Mrd. $ Liquidität
  • Free Cashflow je Aktie steigt auch in der Umsatzdelle weiter
  • Größter Rückkauf der Firmengeschichte: 43,4 Mio. Aktien für 1,6 Mrd. $
  • Neue Standbeine: Ausland, Blue Car, Purple Wave
  • Bewertung so niedrig wie nie im Zehnjahresvergleich
Schwächen und Risiken
  • Marktanteilsverluste an RB Global/IAA, messbar in den Stückzahlen
  • Kapitalrendite seit 2019 halbiert (28,9 % → 16,2 %)
  • Umsatz im laufenden Jahr auf Vorjahresniveau
  • Überraschender Führungswechsel, laufende Anlegeruntersuchungen
  • Operative Marge seit dem Hoch 2021 rückläufig (42,2 % → 36,6 %)
  • Keine Dividende – laufende Erträge gibt es nicht

Fairer Wert

Kurzfazit

Das Bewertungsmodell kommt auf einen fairen Wert von 31,66 USD gegenüber einem Kurs von 27,17 USD – ein Abschlag von rund 16,5 %. Das Ergebnis steht und fällt jedoch mit einer einzigen Annahme: dem künftigen Wachstum. Bei 10 % pro Jahr ist die Aktie unterbewertet, bei den derzeitigen Analystenschätzungen von 4,8 % deutlich überbewertet.

Methodik und Annahmen

Verwendet wird ein vereinfachtes Ertragswertmodell: Der heutige Gewinn je Aktie wird zehn Jahre fortgeschrieben, mit dem historischen Durchschnitts-KGV in einen künftigen Kurs übersetzt und anschließend auf heute abgezinst.

Fairer Wert = (EPS × (1+g)n × KGVhist) ÷ (1+d)n

ParameterWertHerkunft
Gewinn je Aktie (EPS)1,62 $Basic EPS, GAAP, letzte zwölf Monate (roic.ai)
Wachstum (g)10 % p. a.Mittelweg zwischen Analystenkonsens und historischem Tempo
Historisches KGV30,481Durchschnitt der Geschäftsjahre 2016–2025
Diskontrate (d)15 %fester Wert des Modells
Zeitraum (n)10 Jahrefester Wert des Modells
Referenzkurs27,17 $Stand 21./22. Juli 2026

Zur Wachstumsannahme: Der Umsatz je Aktie wuchs 2016 bis 2025 um rund 15 % pro Jahr. Die aktuellen Analystenschätzungen liegen bei 4,8 % und spiegeln die Gegenwinde der letzten Quartale – schwächere Schadensvolumina in den USA, Wettbewerb durch RB Global/IAA, den Führungswechsel. Die gewählten 10 % liegen bewusst dazwischen.

Rechenweg

4,20 $
Gewinn je Aktie in 10 Jahren
1,62 × 1,10¹⁰
128,08 $
Kurs in 10 Jahren
4,20 × 30,481
31,66 $
Fairer Wert heute
128,08 ÷ 1,15¹⁰
Ergebnis: moderat unterbewertet
Fairer Wert31,66 $
Aktueller Kurs27,17 $
Abweichung+16,5 %

Der faire Wert liegt mehr als 10 % über dem Kurs – nach der Systematik dieses Modells gilt die Aktie damit als unterbewertet.

Sensitivität: alles hängt am Wachstum

SzenarioWachstum p. a.Fairer Wertggü. Kurs
Analystenkonsens4,8 %19,51 $−28,2 %
Basisszenario10,0 %31,66 $+16,5 %
Historisches Tempo15,0 %49,38 $+81,7 %

Zwischen dem pessimistischen und dem optimistischen Rand liegen 30 USD – bei einem Kurs von 27 USD. Wer dieses Modell nutzt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er nicht Copart bewertet, sondern seine eigene Wachstumsannahme.

Der Kipppunkt: 8,3 %
Bei einem Wachstum von rund 8,3 % pro Jahr entspricht der faire Wert exakt dem heutigen Kurs. Alles darüber bedeutet nach diesem Modell Unterbewertung, alles darunter Überbewertung. Der Markt preist derzeit also ein Wachstum ein, das deutlich über den Analystenschätzungen (4,8 %), aber klar unter dem historischen Tempo (15 %) liegt.

Selbst nachrechnen

Der Rechner ist mit den Werten dieser Analyse vorbelegt und rechnet beim Laden. Wer eigene Annahmen prüfen will, ändert einfach Gewinn je Aktie, Wachstum oder KGV – das Ergebnis aktualisiert sich sofort. Über „↻ Kurs abrufen“ lässt sich der aktuelle Kurs laden.

DCF-Rechner - Fairer Wert
Aktien Analyse · Fairer Wert

DCF-Rechner

Schätze den inneren Wert einer Aktie über Gewinnwachstum, historisches KGV und Diskontrate. Oben die Basis-Berechnung, darunter drei Varianten zum direkten Vergleich. Komma oder Punkt als Dezimaltrennzeichen sind beide erlaubt.

Eingaben (Basis)

Ticker eingeben, dann die Werte recherchieren. Die Links passen sich automatisch an.

USD
Aktueller EPS: roic.ai → Summary → Zeile „Basic EPS, GAAP“ (letztes Jahr).
%
Faustregel: alles über 15 % gilt als unseriös. Zacks → „Growth Estimates · Next 5 Years“ nutzen.
Bei roic.ai findest du die Werte unter Ratios → Abschnitt „Multiples“ → Zeile „Price/Earnings“ (10 Jahresspalten).
Die 10 „Price/Earnings“-Werte aus roic.ai (Ratios → Multiples) eintragen – der Durchschnitt wird sofort berechnet:
%
Standardwert 15 % (bewährte Renditeerwartung / Sicherheitsmarge).
Standard-Betrachtungshorizont: 10 Jahre.

Ergebnis (Basis)

Fairer Wert je Aktie (heutiger Barwert).

Werte eingeben und „Fairen Wert berechnen“ klicken.

Varianten im Vergleich

Drei Szenarien zum Durchspielen. Startwerte werden aus der Basis übernommen – jede Variante ist frei anpassbar. Ergebnisse aktualisieren sich sofort.

⚠️ Der DCF-Rechner ist ein Kompass, keine Garantie. Das Ergebnis hängt stark von den Annahmen (Wachstum, KGV, Diskontrate) ab und ist als grober Richtwert zu verstehen. Eine vollständige Fundamentalanalyse bleibt unerlässlich.

Fazit

Copart ist ein qualitativ starkes Unternehmen, das gerade eine unbequeme Phase durchläuft. Die Substanz ist intakt: eine operative Marge über 35 %, eine praktisch schuldenfreie Bilanz, ein Free Cashflow je Aktie, der selbst im schwachen Jahr weiter steigt, und ein Burggraben aus Grundbesitz und Versichererverträgen, den niemand kurzfristig nachbauen kann.

Was fehlt, ist Wachstum. Nach neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 liegt der Umsatz auf Vorjahresniveau, die Kapitalrendite hat sich seit 2019 halbiert, und der Wettbewerber IAA gewinnt Stückzahlen. Dazu kommt ein überraschender Führungswechsel mit anschließenden Anlegeruntersuchungen. Der Markt hat darauf deutlich reagiert: Die Aktie notiert fast die Hälfte unter ihrem Hoch und wird mit rund dem 17-Fachen des Gewinns bewertet – nach zehn Jahren, in denen im Schnitt das 30-Fache bezahlt wurde.

Damit lässt sich der Investmentfall auf eine Frage zuspitzen: Ist das Wachstum nur unterbrochen oder strukturell vorbei? Wer Ersteres glaubt, findet nach diesem Modell einen Abschlag von rund 16 % vor – und bei einer Rückkehr zum historischen Tempo deutlich mehr. Wer den Analystenschätzungen von 4,8 % folgt, hält die Aktie selbst auf diesem Niveau für zu teuer. Die Bilanz sorgt immerhin dafür, dass Copart Zeit hat, diese Frage zu beantworten.

Bemerkenswert ist, wie das Unternehmen selbst diese Frage beantwortet: Nach über zwei Jahrzehnten ohne nennenswerte Rückkäufe hat Copart im laufenden Geschäftsjahr eigene Aktien für mehr als 1,6 Mrd. USD gekauft – ausgerechnet auf dem tiefsten Bewertungsniveau seit Jahren. Ein Beleg ist das nicht, aber es ist das teuerste Signal, das ein Management geben kann.

Worauf es in den kommenden Quartalen ankommt: ob die versteigerten Stückzahlen in den USA wieder zulegen, ob die Kapitalrendite ihren Boden findet und welchen Kurs Jay Adair nach seiner Rückkehr einschlägt.

Quellen & Hinweis

Kennzahlen 2016–2025 und Bewertungsparameter: roic.ai. Quartalszahlen, Führungswechsel, Marktanteils- und Wettbewerbsangaben: Unternehmensmeldungen, Geschäftsberichte und Earnings Calls von Copart sowie öffentlich zugängliche Finanzmedien. Kurs- und Bewertungsdaten mit Stand 21.–23. Juli 2026. Geschäftsjahresende ist jeweils der 31. Juli.

Diese Analyse dient der Information und ist keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Keine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit. Angaben ohne Gewähr.