Laufzeiten und Ausübung
Lektion 4 · Wie lange eine Option gilt – und wann du sie einlösen darfst
Optionen verstehen › Grundlagen › Lektion 4
- Optionen verfallen meist an einem Freitag. Der klassische Monatsverfall ist der dritte Freitag im Monat.
- Bei viel gehandelten Aktien gibt es mehr Verfallstermine – auch wöchentliche.
- Eine längere Laufzeit ist teurer, weil das Recht länger besteht – und das lässt sich der Stillhalter bezahlen.
- Amerikanische Optionen kann der Käufer jederzeit ausüben, europäische nur am Verfalltag.
- Wer vorzeitig ausübt, bekommt nur den inneren Wert – der Zeitwert geht verloren. Verkaufen ist fast immer besser.
In Lektion 3 ging es darum, wo der Strike liegt. Jetzt geht es um die Zeit: Wie lange gilt eine Option, wann darf man sie ausüben – und was passiert dann eigentlich?
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Zum Nachlesen: der gesprochene Text
Hier ist eure Kurzanalyse zum Thema Optionslaufzeiten und Ausübungsregeln. Wir schauen uns heute an, wie valueforge.de diese Mechanik komplett entschlüsselt und zeigt, wie ihr als Anfänger durch richtiges Timing bares Geld spart. Und totale Crashes vermeidet. Also, erstens zu den Laufzeiten. Stellt euch Optionen einfach wie ein Ticket vor, das jeden Tag ein bisschen an Gültigkeit, dem Zeitwert, verliert. Die Langstrecke von neun Monaten bis zu drei Jahren nennt man LEAPs, was ein echter Aktienersatz mit kaum täglichem Wertverlust ist. Der Standard für die meisten Strategien sind aber Monatsoptionen, die meist am dritten Freitag verfallen. Der Clou an der Sache? Lange Laufzeiten sind pro Tag gerechnet wirklich drastisch billiger. Zweitens die absolute Gefahr von Wochenoptionen. Die laufen nur ein paar Tage und locken mit extrem günstigen Preisen. Aber ganz ehrlich, warum solltet ihr freiwillig einen Eiswürfel kaufen, der in der prallen Sonne sofort schmilzt? Ohne Kursbewegung verliert so ein Ticket mal eben 7 % Wert pro Tag. Ein Totalverlust in wenigen Tagen ist hier der Normalfall. Weshalb sich das wirklich nur für extrem kurzfristige Wetten auf Quartalszahlen eignet. Drittens klären wir die Frage, amerikanisch oder europäisch? Vergesst die Geografie, das hat absolut nichts mit Kontinenten zu tun. Amerikanisch heißt einfach, ihr dürft jederzeit einlösen. Das ist typisch für US-Aktien. Europäisch erlaubt das nur exakt am Verfallstag, wie oft bei Indizes. Und hier ist unser wichtigster Tipp. Die Option fast nie selbst einlösen, sondern weiterverkaufen. Beim Einlösen bekommt ihr nur den inneren Wert, aber beim Verkaufen rettet ihr euren restlichen Zeitwert, was laut der Quelle schnell mal hunderte Dollar Unterschied macht. Egal, ob ihr also den Marathon mit Langzeitoptionen oder den Sprint mit Wochenoptionen wagt, verkauft eure Optionen am Ende einfach, anstatt sie auszuüben, damit ihr auch wirklich keinen einzigen Cent verschenkt.
Laufzeiten: von einer Woche bis zu drei Jahren
Jede Option hat einen festen Verfalltag. Für eine Aktie gibt es aber viele Termine nebeneinander – von wenigen Tagen bis zu mehreren Jahren. Grob unterscheidet man drei Gruppen:
| Art | Laufzeit | Typisch für |
|---|---|---|
| Wochenoptionen (Weeklies) | wenige Tage bis 5 Wochen | Wetten auf einzelne Ereignisse, schnelle Stillhalter-Geschäfte |
| Monatsoptionen (Monthlies) | Verfall am dritten Freitag, gehandelt meist 30–60 Tage vorher | der Standard für die meisten Strategien |
| LEAPs | 9 Monate bis 2–3 Jahre | langfristige Ideen, Aktienersatz, lange Absicherung |
Derselbe Call am Geld mit unterschiedlicher Laufzeit (Modell: Aktie 100, 30 % Volatilität). Die Zeitachse ist logarithmisch gestaucht, damit Tage und Jahre in ein Bild passen.
Monatsoptionen – der Standard
- Am meisten gehandelt: Deshalb sind die Spannen zwischen Geld- und Briefkurs hier meist am engsten.
- Monatlich heißt nicht „einen Monat lang“: Man kann auch die Option kaufen, die erst in drei oder sechs Monaten verfällt. „Monatlich“ beschreibt den Rhythmus der Verfallstermine.
- Der Standard für Strategien: 30 bis 60 Tage Laufzeit sind ein guter Kompromiss – genug Zeit für eine Kursbewegung, aber schon spürbarer Zeitwertverfall für Stillhalter.
Viermal im Jahr wird der Monatsverfall besonders groß: am dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember. An diesen Tagen verfallen gleichzeitig Aktienoptionen, Indexoptionen und Index-Futures (Terminkontrakte, bei denen beide Seiten verpflichtet sind). Im Englischen heißt das „Triple Witching“ – dreifacher Hexentanz –, im Deutschen Hexensabbat oder großer Verfall.
- Was passiert: Sehr hohe Umsätze, oft gebündelt in der letzten Handelsstunde. Große Marktteilnehmer schließen ihre Positionen oder verlängern sie in den nächsten Termin.
- Die Folge: Die Kurse können kurzfristig ungewöhnlich schwanken – manchmal werden sie sogar in Richtung von Strikes gezogen, an denen besonders viele Optionen offen sind.
- Die nächsten Termine: 18. Dezember 2026, 19. März 2027, 18. Juni 2027.
Praxistipp: Wer Optionen hält, die an einem Hexensabbat verfallen, wartet besser nicht bis zur letzten Stunde. Dann sind die Kurse oft unruhig und die Spannen zwischen Geld- und Briefkurs breiter.
Wochenoptionen – der Sprint
- Billig – in absoluten Zahlen: Der 7-Tage-Call am Geld kostet nur 1,66 USD.
- Teuer – pro Tag: Er verliert jeden Tag rund 7 % seines Werts, wenn sich nichts bewegt.
- Nervös: Kleine Kursbewegungen entscheiden über alles. Ein Totalverlust in wenigen Tagen ist bei Wochenoptionen der Normalfall.
LEAPs – der Marathon
- Wenig Zeitverlust pro Tag: Der 730-Tage-Call verliert pro Tag nur ein Zehntel dessen, was der 7-Tage-Call verliert.
- Aktienersatz: Ein LEAP-Call tief im Geld verhält sich fast wie die Aktie, kostet aber nur einen Bruchteil.
- Lange Absicherung: Mit einem LEAP-Put lässt sich ein Depot für lange Zeit gegen Kursverluste schützen.
In der Praxis: die Termine in der Microsoft-Kette
So sehen Laufzeiten in der Optionskette von Microsoft aus. Die Verfallstermine stehen in der mittleren Spalte untereinander, mit den Resttagen in Klammern. Aufgeklappt ist der 30. Oktober.

Momentaufnahme vom 30.09.2026. Markierungen von valueforge.
- Vier Termine in einem Monat: Microsoft wird so viel gehandelt, dass es neben dem Monatstermin auch Wochenoptionen gibt. Bei weniger gehandelten Aktien findest du oft nur die Monatstermine.
- Der 16. Oktober ist der dritte Freitag – der klassische Monatsverfall.
- Der 30. Oktober ist teurer als der 16.: Das Recht gilt zwei Wochen länger – mehr Zeit, mehr Zeitwert.
- Achte auf die IV links: Beim 30. Oktober steht „IV am Geld: 33,8 %“, bei den anderen Terminen rund 26 %. Der Markt erwartet in diesem Zeitraum mehr Schwankung – vermutlich, weil die Quartalszahlen von Microsoft hineinfallen. Das macht diese Optionen zusätzlich teurer. Mehr dazu in der Lektion zur Volatilität.
Ausübung: amerikanisch oder europäisch?
| Amerikanisch | Europäisch | |
|---|---|---|
| Ausüben erlaubt | an jedem Handelstag bis zum Verfall | nur am Verfalltag |
| Verkaufen erlaubt | jederzeit | jederzeit |
| Typisch für | US-Aktien- und ETF-Optionen, z. B. Microsoft oder SPY | viele Indexoptionen, z. B. auf den S&P 500 (SPX) |
| Für den Stillhalter heißt das | eine Zuteilung kann jederzeit kommen | keine Überraschung vor dem Verfalltag |
Amerikanische Optionen – jederzeit
Für Stillhalter bedeutet das: Die Pflicht kann jederzeit fällig werden, nicht erst am Verfalltag. In der Praxis passiert das aber selten – denn vorzeitiges Ausüben lohnt sich für den Käufer meist nicht (siehe unten).
Europäische Optionen – nur am Verfalltag
Ausüben oder verkaufen?
Du hältst eine amerikanische Option tief im Geld. Sollst du ausüben? Fast nie – verkaufen ist besser.
| Ausüben | Verkaufen | |
|---|---|---|
| Du bekommst je Aktie | den inneren Wert: 517,32 − 440 = 77,32 USD | den Geldkurs: 79,50 USD |
| Je Kontrakt | 7.732 USD | 7.950 USD |
| Dafür nötig | 44.000 USD Kapital – und danach die Aktien verkaufen | ein Klick |
Verkaufen bringt 218 USD mehr je Kontrakt – genau der Zeitwert, der beim Ausüben verloren geht.
Für Fortgeschrittene: Es gibt wenige Ausnahmen – etwa einen Call tief im Geld kurz vor einer Dividende, wenn die Dividende höher ist als der restliche Zeitwert. Für den Einstieg gilt: lieber verkaufen als ausüben.
Was bei Ausübung passiert: Lieferung oder Barausgleich
| Physische Lieferung | Barausgleich | |
|---|---|---|
| Typisch für | Aktien- und ETF-Optionen | Indexoptionen (es gibt keinen „Index“, den man liefern könnte) |
| Call ausgeübt | Du zahlst Strike × 100 und bekommst 100 Aktien. Microsoft-Call 440: 44.000 USD gegen 100 MSFT-Aktien |
Du bekommst (Index − Strike) × 100 gutgeschrieben. SPX-Call 6.000, Index bei 6.100: 10.000 USD |
| Put ausgeübt | Du gibst 100 Aktien ab und bekommst Strike × 100. | Du bekommst (Strike − Index) × 100 gutgeschrieben. |
- Monatsoption: Standardoption mit Verfall am dritten Freitag im Monat.
- Wochenoption (Weekly): Option mit Laufzeit von wenigen Tagen bis Wochen.
- LEAP: Option mit sehr langer Laufzeit, meist 9 Monate bis 3 Jahre.
- Amerikanisch / europäisch: jederzeit ausübbar / nur am Verfalltag ausübbar – unabhängig vom Handelsort.
- Physische Lieferung / Barausgleich: Aktien wechseln den Besitzer / nur die Differenz wird in Geld verrechnet.
- Zuteilung: Der Stillhalter wird zur Erfüllung herangezogen, weil ein Käufer ausgeübt hat.
Quiz: Hast du es verstanden?
Teste dich selbst – erst überlegen, dann aufklappen.
