Laufzeiten und Ausübung

Lektion 4 · Wie lange eine Option gilt – und wann du sie einlösen darfst

Optionen verstehen › Grundlagen › Lektion 4

In 30 Sekunden
  • Optionen verfallen meist an einem Freitag. Der klassische Monatsverfall ist der dritte Freitag im Monat.
  • Bei viel gehandelten Aktien gibt es mehr Verfallstermine – auch wöchentliche.
  • Eine längere Laufzeit ist teurer, weil das Recht länger besteht – und das lässt sich der Stillhalter bezahlen.
  • Amerikanische Optionen kann der Käufer jederzeit ausüben, europäische nur am Verfalltag.
  • Wer vorzeitig ausübt, bekommt nur den inneren Wert – der Zeitwert geht verloren. Verkaufen ist fast immer besser.

In Lektion 3 ging es darum, wo der Strike liegt. Jetzt geht es um die Zeit: Wie lange gilt eine Option, wann darf man sie ausüben – und was passiert dann eigentlich?

Lieber zuhören und zuschauen? Laufzeiten und Ausübung als Erklärvideo in 100 Sekunden.

Zum Nachlesen: der gesprochene Text

Hier ist eure Kurzanalyse zum Thema Optionslaufzeiten und Ausübungsregeln. Wir schauen uns heute an, wie valueforge.de diese Mechanik komplett entschlüsselt und zeigt, wie ihr als Anfänger durch richtiges Timing bares Geld spart. Und totale Crashes vermeidet. Also, erstens zu den Laufzeiten. Stellt euch Optionen einfach wie ein Ticket vor, das jeden Tag ein bisschen an Gültigkeit, dem Zeitwert, verliert. Die Langstrecke von neun Monaten bis zu drei Jahren nennt man LEAPs, was ein echter Aktienersatz mit kaum täglichem Wertverlust ist. Der Standard für die meisten Strategien sind aber Monatsoptionen, die meist am dritten Freitag verfallen. Der Clou an der Sache? Lange Laufzeiten sind pro Tag gerechnet wirklich drastisch billiger. Zweitens die absolute Gefahr von Wochenoptionen. Die laufen nur ein paar Tage und locken mit extrem günstigen Preisen. Aber ganz ehrlich, warum solltet ihr freiwillig einen Eiswürfel kaufen, der in der prallen Sonne sofort schmilzt? Ohne Kursbewegung verliert so ein Ticket mal eben 7 % Wert pro Tag. Ein Totalverlust in wenigen Tagen ist hier der Normalfall. Weshalb sich das wirklich nur für extrem kurzfristige Wetten auf Quartalszahlen eignet. Drittens klären wir die Frage, amerikanisch oder europäisch? Vergesst die Geografie, das hat absolut nichts mit Kontinenten zu tun. Amerikanisch heißt einfach, ihr dürft jederzeit einlösen. Das ist typisch für US-Aktien. Europäisch erlaubt das nur exakt am Verfallstag, wie oft bei Indizes. Und hier ist unser wichtigster Tipp. Die Option fast nie selbst einlösen, sondern weiterverkaufen. Beim Einlösen bekommt ihr nur den inneren Wert, aber beim Verkaufen rettet ihr euren restlichen Zeitwert, was laut der Quelle schnell mal hunderte Dollar Unterschied macht. Egal, ob ihr also den Marathon mit Langzeitoptionen oder den Sprint mit Wochenoptionen wagt, verkauft eure Optionen am Ende einfach, anstatt sie auszuüben, damit ihr auch wirklich keinen einzigen Cent verschenkt.

Laufzeiten: von einer Woche bis zu drei Jahren

Jede Option hat einen festen Verfalltag. Für eine Aktie gibt es aber viele Termine nebeneinander – von wenigen Tagen bis zu mehreren Jahren. Grob unterscheidet man drei Gruppen:

ArtLaufzeitTypisch für
Wochenoptionen (Weeklies)wenige Tage bis 5 WochenWetten auf einzelne Ereignisse, schnelle Stillhalter-Geschäfte
Monatsoptionen (Monthlies)Verfall am dritten Freitag, gehandelt meist 30–60 Tage vorherder Standard für die meisten Strategien
LEAPs9 Monate bis 2–3 Jahrelangfristige Ideen, Aktienersatz, lange Absicherung
2026-10-03T22:49:09.927981 image/svg+xml Matplotlib v3.11.1, https://matplotlib.org/ 7 14 30 60 90 180 365 730 Laufzeit in Tagen (logarithmische Achse) 0.0 2.5 5.0 7.5 10.0 12.5 15.0 17.5 20.0 Prämie je Aktie (USD) Wochen- optionen Monats- optionen LEAPs 7 Tage: 1,66 USD = 0,237 je Tag 45 Tage: 4,20 USD = 0,093 je Tag 365 Tage: 11,92 USD = 0,033 je Tag 730 Tage: 16,80 USD = 0,023 je Tag Call am Geld: Strike 100, Aktie 100

Derselbe Call am Geld mit unterschiedlicher Laufzeit (Modell: Aktie 100, 30 % Volatilität). Die Zeitachse ist logarithmisch gestaucht, damit Tage und Jahre in ein Bild passen.

Mehr Zeit kostet mehr – aber nicht im gleichen Verhältnis. Die 730-Tage-Option läuft gut 100-mal so lange wie die 7-Tage-Option, kostet aber nur rund 10-mal so viel. Pro Tag ist lange Zeit also viel billiger: 0,023 USD statt 0,237 USD. Deshalb kaufen Käufer lieber längere Laufzeiten, und Stillhalter verkaufen lieber kurze – dort schmilzt der Zeitwert am schnellsten (siehe den Eiswürfel in Lektion 2).

Monatsoptionen – der Standard

Definition: Monatsoptionen sind die klassischen Standardoptionen. In den USA verfallen sie am dritten Freitag eines Monats.
  • Am meisten gehandelt: Deshalb sind die Spannen zwischen Geld- und Briefkurs hier meist am engsten.
  • Monatlich heißt nicht „einen Monat lang“: Man kann auch die Option kaufen, die erst in drei oder sechs Monaten verfällt. „Monatlich“ beschreibt den Rhythmus der Verfallstermine.
  • Der Standard für Strategien: 30 bis 60 Tage Laufzeit sind ein guter Kompromiss – genug Zeit für eine Kursbewegung, aber schon spürbarer Zeitwertverfall für Stillhalter.
🧹 Der Hexensabbat – der große Verfallstag

Viermal im Jahr wird der Monatsverfall besonders groß: am dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember. An diesen Tagen verfallen gleichzeitig Aktienoptionen, Indexoptionen und Index-Futures (Terminkontrakte, bei denen beide Seiten verpflichtet sind). Im Englischen heißt das „Triple Witching“ – dreifacher Hexentanz –, im Deutschen Hexensabbat oder großer Verfall.

  • Was passiert: Sehr hohe Umsätze, oft gebündelt in der letzten Handelsstunde. Große Marktteilnehmer schließen ihre Positionen oder verlängern sie in den nächsten Termin.
  • Die Folge: Die Kurse können kurzfristig ungewöhnlich schwanken – manchmal werden sie sogar in Richtung von Strikes gezogen, an denen besonders viele Optionen offen sind.
  • Die nächsten Termine: 18. Dezember 2026, 19. März 2027, 18. Juni 2027.

Praxistipp: Wer Optionen hält, die an einem Hexensabbat verfallen, wartet besser nicht bis zur letzten Stunde. Dann sind die Kurse oft unruhig und die Spannen zwischen Geld- und Briefkurs breiter.

Wochenoptionen – der Sprint

Definition: Wochenoptionen (Weeklies) haben sehr kurze Laufzeiten und verfallen jede Woche. Bei sehr liquiden Werten gibt es sogar Termine unter der Woche, bei großen Indizes täglich.
  • Billig – in absoluten Zahlen: Der 7-Tage-Call am Geld kostet nur 1,66 USD.
  • Teuer – pro Tag: Er verliert jeden Tag rund 7 % seines Werts, wenn sich nichts bewegt.
  • Nervös: Kleine Kursbewegungen entscheiden über alles. Ein Totalverlust in wenigen Tagen ist bei Wochenoptionen der Normalfall.
⚠️ Häufiger Irrtum: „Optionen verfallen immer freitags.“ – Fast. Freitag ist der klassische Tag. Bei sehr viel gehandelten Werten wie Microsoft gibt es aber auch Termine unter der Woche – in der Kette unten ist der 14. Oktober ein Mittwoch.

LEAPs – der Marathon

Definition: LEAPs (Long-Term Equity AnticiPation Securities) sind ganz normale Optionen mit sehr langer Laufzeit – meist von 9 Monaten bis zu 2 oder 3 Jahren.
  • Wenig Zeitverlust pro Tag: Der 730-Tage-Call verliert pro Tag nur ein Zehntel dessen, was der 7-Tage-Call verliert.
  • Aktienersatz: Ein LEAP-Call tief im Geld verhält sich fast wie die Aktie, kostet aber nur einen Bruchteil.
  • Lange Absicherung: Mit einem LEAP-Put lässt sich ein Depot für lange Zeit gegen Kursverluste schützen.
⚠️ Häufiger Irrtum: „Lange Laufzeit heißt kein Risiko.“ – Auch LEAPs können wertlos verfallen. Sie haben nur länger Zeit, recht zu bekommen.

In der Praxis: die Termine in der Microsoft-Kette

So sehen Laufzeiten in der Optionskette von Microsoft aus. Die Verfallstermine stehen in der mittleren Spalte untereinander, mit den Resttagen in Klammern. Aufgeklappt ist der 30. Oktober.

Optionskette von Microsoft: vier Verfallstermine im Oktober 2026
14.10. – ein Mittwoch
16.10. – 3. Freitag: Monatsverfall
23. + 30.10. – Wochenoptionen
höhere IV – Quartalszahlen?

Momentaufnahme vom 30.09.2026. Markierungen von valueforge.

  • Vier Termine in einem Monat: Microsoft wird so viel gehandelt, dass es neben dem Monatstermin auch Wochenoptionen gibt. Bei weniger gehandelten Aktien findest du oft nur die Monatstermine.
  • Der 16. Oktober ist der dritte Freitag – der klassische Monatsverfall.
  • Der 30. Oktober ist teurer als der 16.: Das Recht gilt zwei Wochen länger – mehr Zeit, mehr Zeitwert.
  • Achte auf die IV links: Beim 30. Oktober steht „IV am Geld: 33,8 %“, bei den anderen Terminen rund 26 %. Der Markt erwartet in diesem Zeitraum mehr Schwankung – vermutlich, weil die Quartalszahlen von Microsoft hineinfallen. Das macht diese Optionen zusätzlich teurer. Mehr dazu in der Lektion zur Volatilität.

Ausübung: amerikanisch oder europäisch?

AmerikanischEuropäisch
Ausüben erlaubtan jedem Handelstag bis zum Verfallnur am Verfalltag
Verkaufen erlaubtjederzeitjederzeit
Typisch fürUS-Aktien- und ETF-Optionen, z. B. Microsoft oder SPYviele Indexoptionen, z. B. auf den S&P 500 (SPX)
Für den Stillhalter heißt daseine Zuteilung kann jederzeit kommenkeine Überraschung vor dem Verfalltag

Amerikanische Optionen – jederzeit

Definition: Amerikanische Optionen darf der Käufer an jedem Handelstag bis zum Verfall ausüben – sobald er meint, sein Recht nutzen zu wollen. Fast alle Optionen auf US-Aktien und ETFs sind amerikanisch.

Für Stillhalter bedeutet das: Die Pflicht kann jederzeit fällig werden, nicht erst am Verfalltag. In der Praxis passiert das aber selten – denn vorzeitiges Ausüben lohnt sich für den Käufer meist nicht (siehe unten).

Europäische Optionen – nur am Verfalltag

Definition: Europäische Optionen dürfen nur am Verfalltag ausgeübt werden. Verkaufen kann man sie trotzdem jederzeit.
⚠️ Häufiger Irrtum: „Europäische Optionen werden in Europa gehandelt.“ – Nein. Die Namen beschreiben nur die Ausübungsregel, nicht den Ort. Optionen auf den US-Index S&P 500 (SPX) sind europäisch, die Optionen auf den gleichnamigen ETF SPY dagegen amerikanisch. Und Aktienoptionen an der deutschen Terminbörse Eurex sind meist amerikanisch.

Ausüben oder verkaufen?

Du hältst eine amerikanische Option tief im Geld. Sollst du ausüben? Fast nie – verkaufen ist besser.

Rechne mit – Microsoft-Call 440, Aktie bei 517,32 USD, Geldkurs 79,50 USD:
AusübenVerkaufen
Du bekommst je Aktieden inneren Wert: 517,32 − 440 = 77,32 USDden Geldkurs: 79,50 USD
Je Kontrakt7.732 USD7.950 USD
Dafür nötig44.000 USD Kapital – und danach die Aktien verkaufenein Klick

Verkaufen bringt 218 USD mehr je Kontrakt – genau der Zeitwert, der beim Ausüben verloren geht.

⚠️ Häufiger Irrtum: „Ausüben bringt mir den Geldkurs.“ – Nein, genau umgekehrt. Der Geldkurs ist das, was du beim Verkaufen bekommst. Ausüben bringt nur den inneren Wert.

Für Fortgeschrittene: Es gibt wenige Ausnahmen – etwa einen Call tief im Geld kurz vor einer Dividende, wenn die Dividende höher ist als der restliche Zeitwert. Für den Einstieg gilt: lieber verkaufen als ausüben.

Was bei Ausübung passiert: Lieferung oder Barausgleich

Definition: Bei der physischen Lieferung wechseln bei Ausübung echte Aktien den Besitzer. Beim Barausgleich wird nur die Differenz in Geld verrechnet.
Physische LieferungBarausgleich
Typisch fürAktien- und ETF-OptionenIndexoptionen (es gibt keinen „Index“, den man liefern könnte)
Call ausgeübtDu zahlst Strike × 100 und bekommst 100 Aktien.
Microsoft-Call 440: 44.000 USD gegen 100 MSFT-Aktien
Du bekommst (Index − Strike) × 100 gutgeschrieben.
SPX-Call 6.000, Index bei 6.100: 10.000 USD
Put ausgeübtDu gibst 100 Aktien ab und bekommst Strike × 100.Du bekommst (Strike − Index) × 100 gutgeschrieben.
⚠️ Häufiger Irrtum: „Am Verfalltag verfällt die Option einfach.“ – Nur, wenn sie aus dem Geld ist. Optionen im Geld werden am Verfalltag meist automatisch ausgeübt. Wer einen Call im Geld hält, braucht dann das Geld für 100 Aktien je Kontrakt – sonst schließt der Broker die Position oft vorher selbst. Wer keine Lieferung will, verkauft die Option rechtzeitig vor dem Verfall.
Wichtige Begriffe
  • Monatsoption: Standardoption mit Verfall am dritten Freitag im Monat.
  • Wochenoption (Weekly): Option mit Laufzeit von wenigen Tagen bis Wochen.
  • LEAP: Option mit sehr langer Laufzeit, meist 9 Monate bis 3 Jahre.
  • Amerikanisch / europäisch: jederzeit ausübbar / nur am Verfalltag ausübbar – unabhängig vom Handelsort.
  • Physische Lieferung / Barausgleich: Aktien wechseln den Besitzer / nur die Differenz wird in Geld verrechnet.
  • Zuteilung: Der Stillhalter wird zur Erfüllung herangezogen, weil ein Käufer ausgeübt hat.

Quiz: Hast du es verstanden?

Teste dich selbst – erst überlegen, dann aufklappen.

1. An welchem Tag ist der Monatsverfall im November 2026? Am Freitag, 20. November 2026 – dem dritten Freitag des Monats (6., 13., 20.).
2. Ein Call am Geld kostet mit 30 Tagen Laufzeit 3,43 USD. Kostet er mit 60 Tagen doppelt so viel? Nein – teurer ja, doppelt nein: Er kostet 4,85 USD. Mehr Zeit wird mit jedem zusätzlichen Tag relativ billiger.
3. Du hältst einen Put mit Strike 50, die Aktie steht bei 42 USD, der Put hat einen Geldkurs von 8,60 USD. Ausüben oder verkaufen? Verkaufen. Ausüben bringt nur den inneren Wert: 50 − 42 = 8,00 USD. Verkaufen bringt 8,60 USD – also 60 USD mehr je Kontrakt.
4. Du übst einen Call auf den S&P-500-Index (SPX) aus. Bekommst du Aktien? Nein. SPX-Optionen werden in bar abgerechnet (Barausgleich): Du bekommst die Differenz zwischen Index und Strike mal 100 gutgeschrieben. Außerdem sind SPX-Optionen europäisch – ausüben geht nur am Verfalltag.
Die Beispiele sind vereinfachte Modellrechnungen (Prämien nach dem Black-Scholes-Modell, 30 % Volatilität, ohne Zinsen und Dividenden) ohne Gebühren und Steuern. Die Microsoft-Kurse sind eine Momentaufnahme vom 30.09.2026. Regeln zu Ausübung und Abrechnung können je nach Börse, Produkt und Broker abweichen. Die Inhalte dienen der Bildung und sind keine Anlageberatung. Optionen sind Termingeschäfte mit hohem Risiko bis zum Totalverlust. Mehr im Haftungsausschluss.