Was ist eine Option?

Lektion 1 · Call und Put – die zwei Bausteine aller Strategien

Optionen verstehen › Grundlagen › Lektion 1

In 30 Sekunden
  • Wer einen Call kauft, zahlt eine Prämie und bekommt das Recht, den Basiswert zu einem festgelegten Preis zu kaufen.
  • Wer einen Put kauft, zahlt eine Prämie und bekommt das Recht, den Basiswert zu einem festgelegten Preis zu verkaufen.
  • Der Käufer hat ein Recht, aber keine Pflicht. Die Pflicht trägt der Verkäufer – dafür bekommt er die Prämie.

Lieber zuhören und zuschauen? Die ganze Lektion als Erklärvideo in 2 Minuten.

Zum Nachlesen: der gesprochene Text

Hier ist euer kompakter Überblick zum Thema Optionen für Finanzanfänger. Optionen wirken oft total einschüchternd, sind im Kern aber simple Wenn-Dann-Verträge, mit denen ihr euer Portfolio clever absichern oder sogar mit Hebelwirkung investieren könnt. Erstens klären wir kurz die Vokabeln, okay? Es geht immer um ein zugrunde liegendes Wertpapier, also den Basiswert. Ihr vereinbart eine fixe Deadline, den Verfalltag, und einen Zielpreis, den Strike. Der Preis für dieses Ticket ist die sogenannte Prämie. Ein Call ist ein Kaufrecht, quasi wie eine Reservierung. Ein Put ist ein Verkaufsrecht, also eher wie eine Versicherung. Aber hey, warum macht jemand sowas freiwillig? Hier kommt der Stillhalter ins Spiel. Als Käufer zahlt ihr die Prämie und habt nur das Recht, aber null Pflicht. Der Verkäufer, also der Stillhalter, streicht die Prämie fest ein, muss dann aber liefern, falls ihr euer Recht einfordert. Zweitens schauen wir auf das echte Gewinnpotenzial, am Beispiel Microsoft. Die Aktie steht gerade bei gut 517 US-Dollar. Ein Call mit einem Strike von 440 Dollar ist mit über 82 Dollar extrem teuer, da ihr das Recht kauft, massiv unterm Wert zuzuschlagen. Ein Put für 440 Dollar kostet dagegen nur 1,65 Dollar. Logisch, die Aktie müsste ja krass abstürzen, damit sich das lohnt. Ganz wichtiges Praxisdetail. Ein Kontrakt bündelt immer 100 Aktien. Aus 1,65 Dollar Prämie werden beim Kauf also direkt echte 165 Dollar. Drittens, das absolute Risiko des Totalverlusts. Wo ist der Haken für Käufer? Ganz einfach. Erreicht die Aktie bis zum Verfalltag nicht den Zielkurs, lasst ihr die Option einfach wertlos verfallen. Eure gezahlte Prämie ist dann zu 100 % futsch, denn die Zeit tickt gnadenlos gegen euch und für den Stillhalter. Optionen bieten echt faszinierende Möglichkeiten, erfordern aber ein glasklares Verständnis, ob ihr gerade Geld für ein Recht bezahlt oder als Stillhalter für eine Pflicht entlohnt werdet.

Ein Recht, keine Pflicht

Eine Option ist ein Derivat: Ihr Wert hängt von einem anderen Wertpapier ab, dem Basiswert – zum Beispiel einer Aktie, einem ETF oder einem Index. Und sie ist ein Termingeschäft: Heute wird ein Preis vereinbart, das Geschäft selbst kann aber erst später stattfinden.

Das Besondere steckt in einem Wort: Eine Option ist ein bedingtes Termingeschäft. Der Käufer darf das Geschäft ausführen, er muss aber nicht. Er entscheidet, ob es sich für ihn lohnt – und lässt die Option sonst einfach verfallen.

⚠️ Häufiger Irrtum: „Der Käufer einer Option verpflichtet sich, die Aktie zu kaufen.“ – Nein. Der Käufer hat nur ein Recht. Verpflichtet ist allein der Verkäufer (auch Stillhalter genannt). Ein Termingeschäft, bei dem beide Seiten verpflichtet sind, heißt Future.
OptionFuture
Käuferhat ein Recht, keine Pflichtmuss kaufen
Verkäufermuss liefern oder abnehmen, wenn der Käufer es verlangtmuss verkaufen
Preis für das RechtKäufer zahlt eine Prämiekeine Prämie

Der Call – das Recht zu kaufen

Der Call ist das Recht zu kaufen. Du zahlst eine Prämie und darfst die Aktie bis zum Verfalltag zum vereinbarten Preis – dem Strike – kaufen. Das lohnt sich, wenn die Aktie über den Strike gestiegen ist.

Beispiel: Die Aktie steht bei 100 USD. Du kaufst einen Call mit Strike 100 für 4,20 USD je Aktie. Ein Kontrakt umfasst 100 Aktien, du zahlst also 420 USD.

  • Aktie steigt auf 120 USD: Du darfst für 100 kaufen, was 120 wert ist. Dein Recht ist 20 USD je Aktie wert – abzüglich der Prämie bleiben +1.580 USD.
  • Aktie fällt auf 90 USD: Für 100 kaufen, was an der Börse 90 kostet? Das ergibt keinen Sinn. Du lässt den Call verfallen – verloren sind nur die 420 USD Prämie.
  • Break-even: Erst ab 104,20 USD (Strike + Prämie) bist du im Gewinn.
2026-10-01T17:23:45.091760 image/svg+xml Matplotlib v3.11.1, https://matplotlib.org/ 70 80 90 100 110 120 130 Aktienkurs am Verfalltag (USD) −2000 −1000 0 1000 2000 Gewinn / Verlust (USD) Break-even 104,20 Strike 100 Long Call: Strike 100, Prämie 4,20 USD Käufer (du zahlst die Prämie) Verkäufer / Stillhalter

Orange: dein Ergebnis als Käufer. Grau gestrichelt: das Ergebnis des Verkäufers – genau spiegelbildlich. Was der eine gewinnt, verliert der andere.

Der Put – das Recht zu verkaufen

Der Put ist das Recht zu verkaufen. Du zahlst eine Prämie und darfst die Aktie bis zum Verfalltag zum Strike verkaufen. Das lohnt sich, wenn die Aktie unter den Strike gefallen ist. Deshalb wirkt ein Put wie eine Versicherung gegen Kursverluste.

Beispiel: Aktie bei 100 USD, Put mit Strike 100 für 4,20 USD je Aktie – also wieder 420 USD je Kontrakt.

  • Aktie fällt auf 90 USD: Du verkaufst für 100, was nur 90 wert ist. Dein Recht ist 10 USD je Aktie, also 1.000 USD wert – abzüglich Prämie bleiben +580 USD.
  • Aktie steigt auf 120 USD: Für 100 verkaufen, was 120 wert ist? Nein – der Put verfällt, −420 USD.
  • Break-even: Unter 95,80 USD (Strike − Prämie) beginnt der Gewinn.
2026-10-01T17:23:45.167022 image/svg+xml Matplotlib v3.11.1, https://matplotlib.org/ 70 80 90 100 110 120 130 Aktienkurs am Verfalltag (USD) −2000 −1000 0 1000 2000 Gewinn / Verlust (USD) Break-even 95,80 Strike 100 Long Put: Strike 100, Prämie 4,20 USD Käufer (du zahlst die Prämie) Verkäufer / Stillhalter

Der Put gewinnt, wenn der Kurs fällt. Nach unten ist der Gewinn begrenzt: Tiefer als auf 0 kann eine Aktie nicht fallen.

In der Praxis: die Optionskette

So viel zur Theorie – und so sieht es aus, wenn man tatsächlich Optionen handelt. Das Bild zeigt die Optionskette von Microsoft in der Handelsplattform TWS von Interactive Brokers. Andere Broker sehen ähnlich aus: Calls links, Puts rechts, die Basispreise in der Mitte.

Optionskette von Microsoft in der TWS: Calls links, Puts rechts, Basispreise in der Mitte
du verkaufst
du kaufst
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Momentaufnahme vom 30.09.2026, Microsoft bei 517,32 USD. Markierungen von valueforge.

  1. Basiswert und aktueller Kurs: Microsoft (MSFT) steht bei 517,32 USD.
  2. Multiplikator 100: Ein Kontrakt umfasst 100 Aktien. Jeder Preis in der Tabelle gilt je Aktie – bezahlt wird das Hundertfache.
  3. CALLS: die ganze linke Seite – das Recht zu kaufen.
  4. PUTS: die ganze rechte Seite – das Recht zu verkaufen.
  5. Verfalltermine: jede Zeile ein Termin, dahinter die Resttage. Aufgeklappt ist hier der 30. Oktober 2026 (30 Tage).
  6. Basispreis (Strike): die Mitte. Jede Zeile ist ein Strike – links der Call, rechts der Put dazu.
  7. Geldkurs (Bid): der Preis, den du bekommst, wenn du verkaufst.
  8. Briefkurs (Ask): der Preis, den du zahlst, wenn du kaufst. Er liegt immer etwas höher – die Differenz ist die Spanne des Marktes.
  9. Delta: wie stark die Option dem Kurs folgt (0 bis 1 bei Calls, 0 bis −1 bei Puts). Kommt in einer späteren Lektion ausführlich.
  10. IV am Geld: die implizite Volatilität – wie stark der Markt Microsoft schwanken sieht. Auch sie hat später eine eigene Lektion.
So liest du eine Zeile – Strike 440, Verfall 30. Oktober 2026:
Call 440Put 440
Geldkurs – das bekommst du beim Verkauf79,50 USD1,49 USD
Briefkurs – das zahlst du beim Kauf82,90 USD1,65 USD
Ein Kontrakt kostet beim Kauf8.290 USD165 USD

Warum ist der Call so teuer und der Put so billig? Microsoft steht bei 517 USD. Das Recht, für 440 zu kaufen, ist schon heute 77 USD je Aktie wert – der Call liegt tief im Geld. Das Recht, für 440 zu verkaufen, lohnt sich nur, wenn Microsoft in 30 Tagen um fast 15 % fällt – der Put liegt weit aus dem Geld und kostet nur ein paar Dollar. Warum genau, ist das Thema der nächsten Lektionen.

Achte auf die Spanne: Beim Call liegen 3,40 USD zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Wer kauft und sofort wieder verkauft, hat schon 340 USD verloren. Deshalb nie „billigst“ kaufen, sondern immer mit Limit – am besten nahe der Mitte zwischen Geld- und Briefkurs.

Käufer oder Verkäufer?

Käufer (Long)Verkäufer / Stillhalter (Short)
Prämiezahlterhält – und behält sie in jedem Fall
Recht oder Pflicht?RechtPflicht, wenn der Käufer ausübt
Größtmöglicher Verlustdie gezahlte Prämiebeim Call unbegrenzt, beim Put bis Strike − Prämie
Größtmöglicher GewinnCall: unbegrenzt · Put: hochdie erhaltene Prämie
Die Zeit …arbeitet gegen ihnarbeitet für ihn

Warum sollte jemand die Pflicht übernehmen? Weil er dafür bezahlt wird. Die meisten Optionen, die aus dem Geld liegen, verfallen wertlos – dann behält der Stillhalter die Prämie komplett. Genau davon leben Strategien wie der Covered Call oder der Cash Secured Put, die später im Kurs folgen.

Ausüben oder verfallen lassen?

Am Verfalltag stellt sich der Käufer eine einzige Frage: Lohnt sich mein Recht?

Rechne mit: Strike 100 USD, am Verfalltag steht die Aktie bei 90 USD.
  • Call: „Ich lasse die Option verfallen, weil mein Recht, zu 100 zu kaufen, keinen Sinn macht. Ich kaufe lieber an der Börse zu 90.“
  • Put: „Ich übe die Option aus, weil es mehr Sinn macht, für 100 zu verkaufen als für 90.“ Das Recht ist 10 USD je Aktie wert, also 1.000 USD je Kontrakt.

Als Faustregel: Ein Call wird ausgeübt, wenn die Aktie über dem Strike steht, ein Put, wenn sie darunter steht. Optionen, die am Verfalltag im Geld liegen, übt der Broker meist sogar automatisch aus. Und in der Praxis wird selten ausgeübt: Meist verkauft man die Option vorher einfach wieder – dann bekommt man zusätzlich noch ihren restlichen Zeitwert.

Wichtige Begriffe
  • Basiswert: das Wertpapier, auf das sich die Option bezieht (Aktie, ETF, Index …).
  • Strike: der feste Preis, zu dem gekauft (Call) oder verkauft (Put) werden darf.
  • Prämie: der Preis der Option. Angegeben je Aktie, bezahlt je Kontrakt (meist × 100).
  • Verfalltag: der letzte Tag, an dem die Option gilt.
  • Long / Short: gekauft / verkauft.
  • Stillhalter: der Verkäufer einer Option. Er kassiert die Prämie und trägt die Pflicht.

Quiz: Hast du es verstanden?

Teste dich selbst – erst überlegen, dann aufklappen.

1. Du kaufst einen Put mit Strike 50. Welches Recht hast du? Du darfst die Aktie bis zum Verfalltag für 50 USD verkaufen – egal, wie tief sie an der Börse steht.
2. Wer trägt bei einer Option die Pflicht – und warum macht er das? Der Verkäufer (Stillhalter). Er muss liefern (Call) oder abnehmen (Put), wenn der Käufer ausübt. Dafür bekommt er die Prämie, die er in jedem Fall behält.
3. Call mit Strike 100, gezahlte Prämie 4,20 USD. Am Verfalltag steht die Aktie bei 103 USD. Übst du aus – und hast du Gewinn gemacht? Ja, ausüben: Das Recht ist 3 USD je Aktie wert, besser als nichts. Aber insgesamt ist es ein Verlust: 3 USD Wert minus 4,20 USD Prämie = −1,20 USD je Aktie, also −120 USD je Kontrakt. Gewinn gibt es erst ab dem Break-even von 104,20 USD. Merke: Im Geld heißt noch nicht im Gewinn.
4. Du willst in der Optionskette oben den Put 440 kaufen. Welchen Preis zahlst du – und was kostet dich ein Kontrakt? Beim Kauf zahlst du den Briefkurs: 1,65 USD je Aktie. Ein Kontrakt umfasst 100 Aktien, also 165 USD. Würdest du den Put verkaufen, bekämst du nur den Geldkurs von 1,49 USD.
Die Beispiele sind vereinfachte Modellrechnungen (Prämien nach dem Black-Scholes-Modell, 45 Tage Laufzeit, 30 % Volatilität) ohne Gebühren und Steuern. Die Inhalte dienen der Bildung und sind keine Anlageberatung. Optionen sind Termingeschäfte mit hohem Risiko bis zum Totalverlust. Mehr im Haftungsausschluss.