Im, am oder aus dem Geld?

Lektion 3 · Moneyness – wo der Strike zum Kurs liegt

Optionen verstehen › Grundlagen › Lektion 3

In 30 Sekunden
  • Eine Option ist im Geld, wenn sie einen inneren Wert größer null hat.
  • Sie ist am Geld, wenn Strike und Aktienkurs gleich hoch sind – in der Praxis: der Strike, der dem Kurs am nächsten liegt.
  • Sie ist aus dem Geld, wenn sie keinen inneren Wert hat und nur aus Zeitwert besteht.

In Lektion 2 hast du die Prämie zerlegt: innerer Wert plus Zeitwert. Diese Lektion gibt dem Ganzen Namen. Die drei Begriffe – im, am und aus dem Geld – begegnen dir bei jeder Strategie und in jeder Optionskette. Zusammen heißen sie Moneyness, auf Deutsch etwa „Geldnähe“.

Lieber zuhören und zuschauen? Moneyness als Erklärvideo in 100 Sekunden.

Zum Nachlesen: der gesprochene Text

Hier ist dein wirklich kompakter Überblick zu den absoluten Grundbegriffen der Moneyness bei Optionen. Die sogenannte Geldnähe beschreibt nämlich einfach nur das simple Verhältnis zwischen dem Basispreis deiner Option und dem aktuellen Aktienkurs. Und glaub mir, das ist dein wichtigstes Werkzeug, um Risiko und Wert eines Trades auf einen Blick richtig einzuschätzen. Also erstens, um das Konzept mal richtig greifbar zu machen, stell dir die drei Zustände der Moneyness einfach wie beim Hochsprung vor. Bist du im Geld, liegt die Latte unter deiner Sprunghöhe. Du schaffst das ganz locker, denn die Option hat bereits einen echten inneren Wert. Am Geld markiert dann exakt deine Sprunghöhe, also quasi eine reine Fifty-fifty-Chance. Liegt die Latte aber viel zu hoch, bist du aus dem Geld und hast überhaupt keinen inneren Wert. Jetzt fragst du dich sicher, wenn aus dem Geld so unrealistisch ist, warum kauft man das dann überhaupt? Naja, weil es einfach extrem billig ist, quasi wie so ein kleines Lotterielos. Zweitens, wie sieht das in der Praxis auf deinem Bildschirm aus? Du liest den aktuellen Aktienkurs ab und suchst in der Optionskette den Basispreis, der am nächsten dran ist. Das ist exakt am Geld. Bei Calls, also Kaufoptionen, sind alle Preise darunter im Geld und damit teurer, während alle darüber billig und aus dem Geld sind. Und bei Puts drehst du das Ganze einfach komplett spiegelverkehrt um. Schließlich brauchen wir noch einen wichtigen Realitätscheck für deinen Kontostand. Denn im Geld zu sein, bedeutet leider nicht automatisch, dass du auch im Gewinn bist. Du musst ja immer erst die Anschaffungskosten, also die Prämie der Option, komplett abziehen, bevor du wirklich echten Profit machst. Die Moneyness ist letztlich einfach dein Kompass, um bei jedem Trade die perfekte Balance zwischen Preis und Wahrscheinlichkeit zu finden. Wähle deine Sprunghöhe also weise, bevor du anläufst.

Die drei Lagen auf einen Blick

Die Moneyness beschreibt, wo der Strike im Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs liegt – und damit, ob die Option schon inneren Wert hat. Wichtig: Für Calls und Puts ist sie spiegelverkehrt.

2026-10-03T22:12:00.664072 image/svg+xml Matplotlib v3.11.1, https://matplotlib.org/ 80 85 90 95 100 105 110 115 120 Strike Call im Geld am Geld aus dem Geld Put aus dem Geld am Geld im Geld Aktie 100

Aktie bei 100 USD. Ein Strike unter dem Kurs ist für den Call im Geld, für den Put aus dem Geld – und umgekehrt.

Call (Recht zu kaufen)Put (Recht zu verkaufen)
Im Geld (in the money, ITM)Strike unter dem KursStrike über dem Kurs
Am Geld (at the money, ATM)Strike ≈ KursStrike ≈ Kurs
Aus dem Geld (out of the money, OTM)Strike über dem KursStrike unter dem Kurs
Rechne mit – Aktie bei 100 USD:
StrikeCallPut
90im Geld (innerer Wert 10)aus dem Geld (innerer Wert 0)
100am Geldam Geld
110aus dem Geld (innerer Wert 0)im Geld (innerer Wert 10)
Bild aus dem Alltag – der Hochsprung: Liegt die Latte unter deiner Sprunghöhe, schaffst du es sicher (im Geld). Liegt sie genau auf Höhe, ist es fifty-fifty (am Geld). Liegt sie deutlich darüber, brauchst du einen Glückstag (aus dem Geld).

Im Geld (ITM) – du liegst schon vorne

Definition: Eine Option ist im Geld, wenn sie inneren Wert hat. Beim Call liegt die Aktie über dem Strike, beim Put darunter.
  • Teuer: Die Prämie besteht zum größten Teil aus innerem Wert. Der Call 90 kostet 10,83 USD, davon sind 10 USD innerer Wert.
  • Wenig Zeitwert: Deshalb verliert sie durch das Abschmelzen der Zeit vergleichsweise wenig.
  • Fast wie die Aktie: Je tiefer im Geld, desto mehr bewegt sich die Option wie die Aktie selbst – steigt die Aktie um 1 USD, steigt ein tief im Geld liegender Call um fast 1 USD.
⚠️ Häufiger Irrtum: „Im Geld heißt im Gewinn.“ – Nein. Du hast für einen Call mit Strike 100 eine Prämie von 4,20 USD bezahlt. Am Verfalltag steht die Aktie bei 103 USD: Der Call ist im Geld (innerer Wert 3 USD), aber du liegst mit 3 − 4,20 = −1,20 USD je Aktie im Minus. Gewinn gibt es erst ab dem Break-even von 104,20 USD.

Am Geld (ATM) – alles offen

Definition: Eine Option ist am Geld, wenn ihr Strike dem aktuellen Aktienkurs entspricht – oder ihm von allen verfügbaren Strikes am nächsten liegt.

Warum „am nächsten“? Strikes gibt es nur in festen Stufen, bei Microsoft zum Beispiel in Schritten von 5 USD. Steht die Aktie bei 517,32 USD, gibt es keinen Strike 517,32. Am Geld sind dann die Strikes 515 und 520 – „am Geld“ heißt in der Praxis „ungefähr gleich“.

  • Kein innerer Wert, aber der höchste Zeitwert: Der Call 100 kostet bei Kurs 100 genau 4,20 USD – reiner Zeitwert, und mehr Zeitwert als jeder andere Strike (siehe das Balkendiagramm in Lektion 2).
  • Fifty-fifty: Ob die Option am Ende im oder aus dem Geld landet, ist völlig offen – wie bei einem Münzwurf. Genau diese Unsicherheit lässt sich der Stillhalter am teuersten bezahlen.
  • Am empfindlichsten: Am Geld reagiert eine Option am stärksten auf Kursbewegungen und auf die Zeit. Viele Strategien werden deshalb genau hier aufgebaut.

Aus dem Geld (OTM) – das Lotterielos

Definition: Eine Option ist aus dem Geld, wenn sie keinen inneren Wert hat. Beim Call liegt die Aktie unter dem Strike, beim Put darüber. Ihre Prämie ist reiner Zeitwert.
  • Billig: Der Call 110 kostet bei Kurs 100 nur 1,10 USD.
  • Großer Hebel: Steigt die Aktie bis zum Verfall auf 120 USD, ist der Call 10 USD wert – das Neunfache des Einsatzes.
  • Meist eine Niete: Bleibt die Aktie unter 110 USD, verfällt der Call wertlos, und die ganze Prämie ist weg.
Bild aus dem Alltag – das Lotterielos: billig, meist eine Niete, selten ein großer Gewinn. Und genau deshalb verkaufen Stillhalter gern Optionen aus dem Geld: Sie kassieren die Prämie und hoffen, dass die Option – wie die meisten Lose – wertlos verfällt.
⚠️ Häufiger Irrtum: „Billig heißt günstig.“ – Eine Option für 1,10 USD ist nicht automatisch ein Schnäppchen. Gemessen an ihrer kleinen Chance kann sie sogar teuer sein.

In der Praxis: Moneyness in der Microsoft-Kette

Zurück zur Optionskette von Microsoft (Aktie bei 517,32 USD). Alle Strikes im Bild liegen zwischen 385 und 440 – also deutlich unter dem Aktienkurs.

Optionskette von Microsoft: Calls im Geld, Puts aus dem Geld
Calls: im Geld
Puts: aus dem Geld
Call 440Put 440
Lageim Geld – das Recht, für 440 zu kaufen, was 517 kostetaus dem Geld – das Recht, für 440 zu verkaufen, was 517 bringt, ist nichts wert
Innerer Wert77,32 USD0
Prämie (Briefkurs)82,90 USD – teuer1,65 USD – billig
Delta (Spalte in der Kette)0,939 – folgt der Aktie fast 1:1−0,061 – reagiert kaum

Und am Geld? Die Strikes 515 und 520 sind im Bild nicht zu sehen – in der TWS scrollst du dafür in der Kette nach oben. Das Delta zeigt dir dabei die Moneyness auf einen Blick: nahe 1 (bzw. −1) tief im Geld, um 0,5 am Geld, nahe 0 weit aus dem Geld. Was das Delta genau bedeutet, kommt in der Lektion zu den Griechen.

Wer nimmt welche Option?

Wer?Nimmt meist …Warum?
Käufer, der die Aktie ersetzen willim Geldteurer, aber sicherer; folgt der Aktie fast 1:1, wenig Zeitwertverlust
Käufer mit kleinem Budgetaus dem Geldgroßer Hebel – aber hohe Wahrscheinlichkeit für den Totalverlust
Stillhalteraus dem Gelddie Option verfällt oft wertlos, die Prämie bleibt
Wer auf eine Bewegung setzt, egal in welche Richtungam Gelddort reagiert die Option am stärksten

Die passenden Strategien – vom Covered Call bis zum Straddle – folgen im Strategie-Teil. Merke dir für jetzt: Die Wahl der Moneyness ist eine Abwägung zwischen Preis und Wahrscheinlichkeit.

Wichtige Begriffe
  • Moneyness (Geldnähe): wo der Strike im Verhältnis zum Aktienkurs liegt.
  • Im Geld (ITM): innerer Wert größer null. Call: Strike unter Kurs, Put: Strike über Kurs.
  • Am Geld (ATM): Strike gleich dem Kurs oder ihm am nächsten. Höchster Zeitwert.
  • Aus dem Geld (OTM): kein innerer Wert, nur Zeitwert. Call: Strike über Kurs, Put: Strike unter Kurs.

Quiz: Hast du es verstanden?

Teste dich selbst – erst überlegen, dann aufklappen.

1. Die Aktie steht bei 50 USD. Ein Put hat den Strike 55. Im, am oder aus dem Geld – und wie hoch ist der innere Wert? Im Geld. Beim Put zählt Strike − Aktie = 55 − 50 = 5 USD innerer Wert. Du darfst für 55 verkaufen, was nur 50 wert ist.
2. Gleiche Aktie bei 50 USD, aber ein Call mit Strike 55? Aus dem Geld. Für 55 kaufen, was 50 kostet, lohnt sich nicht – innerer Wert 0, die Prämie ist reiner Zeitwert.
3. Die Aktie steht bei 101,80 USD, Strikes gibt es in 5-Dollar-Schritten. Welcher Strike ist am Geld? Der Strike 100 – er liegt dem Kurs am nächsten. Einen Strike 101,80 gibt es nicht.
4. Du hast einen Call mit Strike 100 für 4,20 USD gekauft. Am Verfalltag steht die Aktie bei 103 USD. Im Geld? Im Gewinn? Im Geld ja, im Gewinn nein. Der innere Wert ist 3 USD, bezahlt hast du 4,20 USD – also −1,20 USD je Aktie, −120 USD je Kontrakt. Gewinn gibt es erst ab 104,20 USD.
Die Beispiele sind vereinfachte Modellrechnungen (Prämien nach dem Black-Scholes-Modell, 45 Tage Laufzeit, 30 % Volatilität, ohne Zinsen und Dividenden) ohne Gebühren und Steuern. Die Microsoft-Kurse sind eine Momentaufnahme vom 30.09.2026. Die Inhalte dienen der Bildung und sind keine Anlageberatung. Optionen sind Termingeschäfte mit hohem Risiko bis zum Totalverlust. Mehr im Haftungsausschluss.