Im, am oder aus dem Geld?
Lektion 3 · Moneyness – wo der Strike zum Kurs liegt
Optionen verstehen › Grundlagen › Lektion 3
- Eine Option ist im Geld, wenn sie einen inneren Wert größer null hat.
- Sie ist am Geld, wenn Strike und Aktienkurs gleich hoch sind – in der Praxis: der Strike, der dem Kurs am nächsten liegt.
- Sie ist aus dem Geld, wenn sie keinen inneren Wert hat und nur aus Zeitwert besteht.
In Lektion 2 hast du die Prämie zerlegt: innerer Wert plus Zeitwert. Diese Lektion gibt dem Ganzen Namen. Die drei Begriffe – im, am und aus dem Geld – begegnen dir bei jeder Strategie und in jeder Optionskette. Zusammen heißen sie Moneyness, auf Deutsch etwa „Geldnähe“.
Lieber zuhören und zuschauen? Moneyness als Erklärvideo in 100 Sekunden.
Zum Nachlesen: der gesprochene Text
Hier ist dein wirklich kompakter Überblick zu den absoluten Grundbegriffen der Moneyness bei Optionen. Die sogenannte Geldnähe beschreibt nämlich einfach nur das simple Verhältnis zwischen dem Basispreis deiner Option und dem aktuellen Aktienkurs. Und glaub mir, das ist dein wichtigstes Werkzeug, um Risiko und Wert eines Trades auf einen Blick richtig einzuschätzen. Also erstens, um das Konzept mal richtig greifbar zu machen, stell dir die drei Zustände der Moneyness einfach wie beim Hochsprung vor. Bist du im Geld, liegt die Latte unter deiner Sprunghöhe. Du schaffst das ganz locker, denn die Option hat bereits einen echten inneren Wert. Am Geld markiert dann exakt deine Sprunghöhe, also quasi eine reine Fifty-fifty-Chance. Liegt die Latte aber viel zu hoch, bist du aus dem Geld und hast überhaupt keinen inneren Wert. Jetzt fragst du dich sicher, wenn aus dem Geld so unrealistisch ist, warum kauft man das dann überhaupt? Naja, weil es einfach extrem billig ist, quasi wie so ein kleines Lotterielos. Zweitens, wie sieht das in der Praxis auf deinem Bildschirm aus? Du liest den aktuellen Aktienkurs ab und suchst in der Optionskette den Basispreis, der am nächsten dran ist. Das ist exakt am Geld. Bei Calls, also Kaufoptionen, sind alle Preise darunter im Geld und damit teurer, während alle darüber billig und aus dem Geld sind. Und bei Puts drehst du das Ganze einfach komplett spiegelverkehrt um. Schließlich brauchen wir noch einen wichtigen Realitätscheck für deinen Kontostand. Denn im Geld zu sein, bedeutet leider nicht automatisch, dass du auch im Gewinn bist. Du musst ja immer erst die Anschaffungskosten, also die Prämie der Option, komplett abziehen, bevor du wirklich echten Profit machst. Die Moneyness ist letztlich einfach dein Kompass, um bei jedem Trade die perfekte Balance zwischen Preis und Wahrscheinlichkeit zu finden. Wähle deine Sprunghöhe also weise, bevor du anläufst.
Die drei Lagen auf einen Blick
Die Moneyness beschreibt, wo der Strike im Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs liegt – und damit, ob die Option schon inneren Wert hat. Wichtig: Für Calls und Puts ist sie spiegelverkehrt.
Aktie bei 100 USD. Ein Strike unter dem Kurs ist für den Call im Geld, für den Put aus dem Geld – und umgekehrt.
| Call (Recht zu kaufen) | Put (Recht zu verkaufen) | |
|---|---|---|
| Im Geld (in the money, ITM) | Strike unter dem Kurs | Strike über dem Kurs |
| Am Geld (at the money, ATM) | Strike ≈ Kurs | Strike ≈ Kurs |
| Aus dem Geld (out of the money, OTM) | Strike über dem Kurs | Strike unter dem Kurs |
| Strike | Call | Put |
|---|---|---|
| 90 | im Geld (innerer Wert 10) | aus dem Geld (innerer Wert 0) |
| 100 | am Geld | am Geld |
| 110 | aus dem Geld (innerer Wert 0) | im Geld (innerer Wert 10) |
Im Geld (ITM) – du liegst schon vorne
- Teuer: Die Prämie besteht zum größten Teil aus innerem Wert. Der Call 90 kostet 10,83 USD, davon sind 10 USD innerer Wert.
- Wenig Zeitwert: Deshalb verliert sie durch das Abschmelzen der Zeit vergleichsweise wenig.
- Fast wie die Aktie: Je tiefer im Geld, desto mehr bewegt sich die Option wie die Aktie selbst – steigt die Aktie um 1 USD, steigt ein tief im Geld liegender Call um fast 1 USD.
Am Geld (ATM) – alles offen
Warum „am nächsten“? Strikes gibt es nur in festen Stufen, bei Microsoft zum Beispiel in Schritten von 5 USD. Steht die Aktie bei 517,32 USD, gibt es keinen Strike 517,32. Am Geld sind dann die Strikes 515 und 520 – „am Geld“ heißt in der Praxis „ungefähr gleich“.
- Kein innerer Wert, aber der höchste Zeitwert: Der Call 100 kostet bei Kurs 100 genau 4,20 USD – reiner Zeitwert, und mehr Zeitwert als jeder andere Strike (siehe das Balkendiagramm in Lektion 2).
- Fifty-fifty: Ob die Option am Ende im oder aus dem Geld landet, ist völlig offen – wie bei einem Münzwurf. Genau diese Unsicherheit lässt sich der Stillhalter am teuersten bezahlen.
- Am empfindlichsten: Am Geld reagiert eine Option am stärksten auf Kursbewegungen und auf die Zeit. Viele Strategien werden deshalb genau hier aufgebaut.
Aus dem Geld (OTM) – das Lotterielos
- Billig: Der Call 110 kostet bei Kurs 100 nur 1,10 USD.
- Großer Hebel: Steigt die Aktie bis zum Verfall auf 120 USD, ist der Call 10 USD wert – das Neunfache des Einsatzes.
- Meist eine Niete: Bleibt die Aktie unter 110 USD, verfällt der Call wertlos, und die ganze Prämie ist weg.
In der Praxis: Moneyness in der Microsoft-Kette
Zurück zur Optionskette von Microsoft (Aktie bei 517,32 USD). Alle Strikes im Bild liegen zwischen 385 und 440 – also deutlich unter dem Aktienkurs.

| Call 440 | Put 440 | |
|---|---|---|
| Lage | im Geld – das Recht, für 440 zu kaufen, was 517 kostet | aus dem Geld – das Recht, für 440 zu verkaufen, was 517 bringt, ist nichts wert |
| Innerer Wert | 77,32 USD | 0 |
| Prämie (Briefkurs) | 82,90 USD – teuer | 1,65 USD – billig |
| Delta (Spalte in der Kette) | 0,939 – folgt der Aktie fast 1:1 | −0,061 – reagiert kaum |
Und am Geld? Die Strikes 515 und 520 sind im Bild nicht zu sehen – in der TWS scrollst du dafür in der Kette nach oben. Das Delta zeigt dir dabei die Moneyness auf einen Blick: nahe 1 (bzw. −1) tief im Geld, um 0,5 am Geld, nahe 0 weit aus dem Geld. Was das Delta genau bedeutet, kommt in der Lektion zu den Griechen.
Wer nimmt welche Option?
| Wer? | Nimmt meist … | Warum? |
|---|---|---|
| Käufer, der die Aktie ersetzen will | im Geld | teurer, aber sicherer; folgt der Aktie fast 1:1, wenig Zeitwertverlust |
| Käufer mit kleinem Budget | aus dem Geld | großer Hebel – aber hohe Wahrscheinlichkeit für den Totalverlust |
| Stillhalter | aus dem Geld | die Option verfällt oft wertlos, die Prämie bleibt |
| Wer auf eine Bewegung setzt, egal in welche Richtung | am Geld | dort reagiert die Option am stärksten |
Die passenden Strategien – vom Covered Call bis zum Straddle – folgen im Strategie-Teil. Merke dir für jetzt: Die Wahl der Moneyness ist eine Abwägung zwischen Preis und Wahrscheinlichkeit.
- Moneyness (Geldnähe): wo der Strike im Verhältnis zum Aktienkurs liegt.
- Im Geld (ITM): innerer Wert größer null. Call: Strike unter Kurs, Put: Strike über Kurs.
- Am Geld (ATM): Strike gleich dem Kurs oder ihm am nächsten. Höchster Zeitwert.
- Aus dem Geld (OTM): kein innerer Wert, nur Zeitwert. Call: Strike über Kurs, Put: Strike unter Kurs.
Quiz: Hast du es verstanden?
Teste dich selbst – erst überlegen, dann aufklappen.
