Protective Put
Strategie-Steckbrief · Die Versicherung für deine Aktien
Optionen verstehen › Strategien › Absichern
- Ich kaufe mir das Recht zu verkaufen. Also kaufe ich einen Put, um meine Aktien abzusichern.
- Wenn der Kurs fällt, kann ich die Option nutzen und darf zum vereinbarten Preis verkaufen – hier 480 USD, egal wie tief die Aktie fällt.
- Wenn der Kurs steigt, lasse ich die Option verfallen. Die Prämie ist weg, der Kursgewinn gehört mir.
- Mehr als 28 USD pro Aktie (Kurs 500 − Strike 480 + Prämie 8) kann ich in der Laufzeit nicht verlieren.
- Was kostet dich die Absicherung insgesamt?
- Wie viel kannst du höchstens verlieren?
- Die Aktie fällt nach den Zahlen auf 420. Wie viel verlierst du ohne Put, wie viel mit Put?
- Die Aktie steigt auf 540. Wie viel bleibt dir mit Put?
Die Antworten stehen in dieser Lektion – zum Nachrechnen im Abschnitt „Rechne mit“.
So ist ein Protective Put aufgebaut
| Baustein | Was du tust | Im Beispiel |
|---|---|---|
| 1. Aktien | 100 Aktien halten (schon im Depot oder neu gekauft) | 100 Microsoft-Aktien, Kurs 500 USD = 50.000 USD |
| 2. Long Put | 1 Put kaufen, Strike meist etwas unter dem Kurs | Put 480, 30 Tage, Prämie 8 USD = 800 USD |
Zum ersten Mal in diesem Kurs bist du nicht Stillhalter, sondern Käufer einer Option (Lektion 1). Beim Covered Call, beim Cash Secured Put und beim Bull Put Spread hast du Prämie bekommen. Jetzt zahlst du sie – und die Zeit arbeitet gegen dich.
Wann nutzt man den Protective Put – und wann macht er Sinn?
1. Vor einem großen Termin. Quartalszahlen, eine Gerichtsentscheidung, eine Zulassung: Die Aktie kann danach 10 oder 20 % springen – in beide Richtungen. Mit dem Put fängst du den Absturz ab und bist beim Sprung nach oben trotzdem dabei.
2. Gewinne sichern, ohne zu verkaufen. Eine Aktie ist stark gestiegen, du willst sie langfristig halten, aber den Gewinn nicht wieder hergeben. Ein Verkauf würde ihn außerdem sofort steuerpflichtig machen. Der Put sichert einen Mindestverkaufspreis, die Aktie bleibt im Depot.
3. Wenn die Unruhe noch nicht da ist. Versicherungen kauft man, bevor es brennt. Ist der Markt ruhig, ist die implizite Volatilität niedrig und der Put günstig. Nach einem Kursrutsch kostet derselbe Schutz oft das Doppelte.
4. Für schlaflose Nächte. Wenn eine Position so groß geworden ist, dass ein Absturz dich ernsthaft treffen würde, kann der Put die Zeit überbrücken, bis du in Ruhe umgeschichtet hast.
Besser lassen solltest du den Protective Put,
- als Dauerzustand – jeden Monat neu abgesichert kostet er schon im ruhigen Markt rund 15 % im Jahr (Modellpreis, siehe Tabelle unten), mehr als die Aktie im Schnitt bringt;
- wenn die Angst schon im Preis ist – nach einem Crash mit hoher IV zahlst du für den Schutz am meisten;
- wenn du die Aktie eigentlich loswerden willst – dann verkauf sie, das ist billiger als jede Versicherung;
- bei kleinen Positionen – Gebühren und Geld-Brief-Spanne fressen den Nutzen auf.
Das Gewinn-Verlust-Diagramm
Gewinn und Verlust am Verfalltag für 100 Aktien, gerechnet ab dem Kurs heute (500). Orange: Aktie mit Put 480, grau gestrichelt: Aktie ohne Absicherung. Unter 480 ist die orange Linie flach – tiefer geht es nicht. Darüber liegt sie immer 8 USD pro Aktie unter der grauen Linie: Das ist der Versicherungsbeitrag.
- Unter 480: Der Put gleicht jeden weiteren Dollar aus. Dein Verlust bleibt bei 2.800 USD, egal ob die Aktie auf 450 oder auf 0 fällt.
- Zwischen 480 und 508: Der Put verfällt, du verlierst etwas: den Kursrückgang plus die Prämie.
- Über dem Break-even (508): Gewinn ohne Obergrenze, nur immer 800 USD weniger als ohne Put.
Rechne mit: Kosten, maximaler Verlust und Break-even
(Kurs am Verfall − Kurs heute) − Prämie + (Strike − Kurs am Verfall, nur wenn der Kurs darunter liegt) = Ergebnis pro Aktie
Dann × 100 für den Kontrakt.
| Kurs am Verfall | Rechnung | pro Aktie | × 100 | zum Vergleich: ohne Put | |
|---|---|---|---|---|---|
| 0 | (0 − 500) − 8 + (480 − 0) | −28 | −2.800 USD | −50.000 USD | Totalverlust |
| 420 | (420 − 500) − 8 + (480 − 420) | −28 | −2.800 USD | −8.000 USD | Rechentest |
| 480 | (480 − 500) − 8 | −28 | −2.800 USD | −2.000 USD | Strike |
| 500 | (500 − 500) − 8 | −8 | −800 USD | 0 USD | Kurs heute |
| 508 | (508 − 500) − 8 | 0 | 0 USD | +800 USD | Break-even |
| 540 | (540 − 500) − 8 | +32 | +3.200 USD | +4.000 USD | Rechentest |
| Kennzahl | Formel | Im Beispiel |
|---|---|---|
| Kosten der Absicherung | Prämie × 100 | 8 × 100 = 800 USD = 1,6 % des Aktienwerts |
| Maximaler Verlust | Kurs heute − Strike + Prämie | 500 − 480 + 8 = 28 USD → 2.800 USD |
| Break-even | Kurs heute + Prämie | 500 + 8 = 508 USD |
| Maximaler Gewinn | Kursgewinn − Prämie | unbegrenzt |
| Ab wann lohnt sich der Put? | Strike − Prämie | Erst unter 480 − 8 = 472 USD am Verfall hat der Put mehr eingebracht, als er gekostet hat |
Ausüben oder verkaufen?
| Microsoft bei 420 | Was du tust | Du hast danach |
|---|---|---|
| Ausüben | Du verkaufst 100 Aktien zu 480 | 48.000 USD in bar, keine Aktien mehr |
| Put verkaufen | Du verkaufst den Put für mindestens seinen inneren Wert: 480 − 420 = 60 USD | 6.000 USD in bar + 100 Aktien im Wert von 42.000 USD – zusammen ebenfalls 48.000 USD |
Steigt die Aktie über den Strike, verfällt der Put am Ende wertlos – oder du verkaufst ihn vorher, solange er noch etwas Zeitwert hat. Nach den Quartalszahlen bringt er oft noch ein paar Dollar zurück, weil die IV zwar fällt, aber nicht auf null.
Die Griechen beim Protective Put
Die Griechen aus Lektion 5 für den gekauften Put – diesmal mit umgekehrten Vorzeichen als bei den Stillhalter-Strategien. Modellwerte für Kurs 500 USD, Put 480, 30 Tage, IV 25 %, je Kontrakt (100 Aktien):
| Grieche | Protective Put | Was das heißt |
|---|---|---|
| Delta | Aktie +1, Put −0,27 → zusammen +0,73 | Steigt Microsoft um 1 USD, gewinnst du etwa 73 statt 100 USD. Fällt die Aktie, wird das Put-Delta immer negativer und bremst den Verlust – unter dem Strike fast vollständig. |
| Theta | negativ: rund −20 USD pro Tag | Die Zeit arbeitet gegen dich – jeden Tag verliert deine Versicherung an Wert, auch wenn nichts passiert. |
| Vega | positiv: rund +48 USD je IV-Punkt | Steigt die Unruhe, wird dein Put mehr wert. Fällt die IV nach den Quartalszahlen, verliert er – selbst bei gleichem Kurs. |
| Gamma | positiv | Je tiefer die Aktie fällt, desto schneller wächst der Schutz. |
Das ist das Spiegelbild des Cash Secured Put: Dort bekommst du Theta und zahlst mit Gamma und Vega. Hier zahlst du Theta und bekommst Gamma und Vega – genau die Eigenschaften, die man im Absturz braucht.
Strike und Laufzeit wählen
| Put | Prämie (Modell) | Kosten für 100 Aktien | Selbstbeteiligung | Maximaler Verlust | Kosten aufs Jahr gerechnet |
|---|---|---|---|---|---|
| Strike 500, 30 Tage | 14,29 USD | 1.429 USD | 0 USD | 1.429 USD | ≈ 34,8 % |
| Strike 480, 30 Tage | 6,22 USD | 622 USD | 2.000 USD | 2.622 USD | ≈ 15,1 % |
| Strike 450, 30 Tage | 1,07 USD | 107 USD | 5.000 USD | 5.107 USD | ≈ 2,6 % |
| Strike 480, 90 Tage | 15,55 USD | 1.555 USD | 2.000 USD | 3.555 USD | ≈ 12,6 % |
| Strike 450, 90 Tage | 6,48 USD | 648 USD | 5.000 USD | 5.648 USD | ≈ 5,3 % |
Black-Scholes-Modell ohne Zinsen und Dividenden, Kurs 500 USD, IV 25 %. „Aufs Jahr gerechnet“ heißt: so oft hintereinander gekauft, dass der Schutz ein ganzes Jahr hält. Im Rechenbeispiel oben steht bewusst die runde Übungszahl 8 USD – sie entspricht einer IV von knapp 29 %, wie sie vor Quartalszahlen üblich ist.
- Üblich: Strike 5 bis 10 % unter dem Kurs, Laufzeit so, dass sie den Anlass knapp abdeckt – bei Quartalszahlen also den Verfall kurz danach.
- Länger ist je Tag billiger: Der Zeitwertverfall (Theta) ist kurz vor dem Verfall am stärksten. Wer länger Schutz braucht, kauft lieber einmal 90 Tage als dreimal 30.
- Dauerschutz ist teuer: Der Put 480 über 30 Tage kostet aufs Jahr gerechnet rund 15 % des Aktienwerts – deutlich mehr, als eine Aktie im Schnitt bringt.
- Billiger machen – der Collar: Du kannst die Prämie für den Put teilweise oder ganz bezahlen, indem du gleichzeitig einen Covered Call über dem Kurs verkaufst. Dann ist der Verlust nach unten und der Gewinn nach oben begrenzt. Diese Kombination heißt Collar (Kragen).
Auf einen Blick: passt, passt nicht, Vorteile, Risiken
Zum Abhaken noch einmal kurz:
| Passt gut, wenn … | Passt nicht, wenn … |
|---|---|
| du die Aktie behalten, aber einen bestimmten Termin absichern willst | du ohne Anlass dauerhaft absichern willst |
| die IV noch niedrig ist und der Schutz günstig | die Angst schon im Preis ist (hohe IV nach einem Crash) |
| ein großer Gewinn im Depot steht, den du nicht verkaufen willst | du die Aktie eigentlich loswerden willst – dann verkaufen |
- Der Verlust ist bis zum Verfall fest begrenzt – auch bei einem Kurssturz über Nacht
- Der Kursgewinn nach oben bleibt dir (abzüglich Prämie)
- Du musst die Aktie nicht verkaufen
- Die Prämie ist meist verloren – die Zeit arbeitet gegen dich
- Der Schutz läuft ab; danach bist du wieder ungeschützt
- Die Selbstbeteiligung zwischen Kurs und Strike trägst du selbst
Verwandte Strategien: Long Put (nur der Put, ohne Aktie – eine Wette auf fallende Kurse), Collar (Protective Put + Covered Call), Covered Call (das Gegenstück: Prämie bekommen statt zahlen), Stop-Loss-Order (kostenlos, schützt aber nicht vor Kurslücken über Nacht und verkauft die Aktie).
- Protective Put (Married Put): 100 Aktien halten und 1 Put darauf kaufen.
- Long Put: ein gekaufter Put – du hast das Recht, zum Strike zu verkaufen.
- Selbstbeteiligung: Abstand zwischen Kurs heute und Strike – diesen Verlust trägst du selbst.
- Maximaler Verlust: Kurs heute − Strike + Prämie.
- Glattstellen: den Put vor dem Verfall verkaufen, statt ihn auszuüben.
- Collar: Protective Put + verkaufter Call – Schutz nach unten, Deckel nach oben.
Quiz: Hast du es verstanden?
Teste dich selbst – erst überlegen, dann aufklappen. Alle Fragen mit Kurs heute 500, Put 480, Prämie 8 USD.
