Bull Put Spread

Strategie-Steckbrief · Prämie kassieren mit begrenztem Risiko

Optionen verstehen › Strategien › Spreads

Marktmeinungseitwärts bis steigend
NiveauFortgeschritten (erster Spread)
AufbauPut mit höherem Strike verkaufen + Put mit tieferem Strike kaufen
Du bekommstdie Nettoprämie, sofort
Maximaler Gewinndie Nettoprämie
Maximaler VerlustSpread-Breite − Nettoprämie
Break-evenoberer Strike − Nettoprämie
Kapitalgesperrt wird nur der maximale Verlust
In 30 Sekunden
  • Ich verkaufe den Put mit dem höheren Strike und kaufe den Put mit dem tieferen Strike. Der gekaufte Put ist meine Absicherung.
  • Die Nettoprämie – hier 0,20 USD je Aktie, also 20 USD – ist zugleich mein maximaler Gewinn.
  • Steht die Aktie kurz vor dem Verfall zwischen den Strikes, schließe ich den Spread, realisiere den Verlust und minimiere das Risiko.
  • Werden mir doch Aktien eingebucht, muss ich den vollen Preis haben, sonst habe ich ein Margin-Problem.
Erst raten, dann lesen: Copart steht bei 27,32 USD. Du verkaufst einen Put 25 für 0,30 USD und kaufst einen Put 23 für 0,10 USD, beide mit 30 Tagen Laufzeit.
  1. Wie hoch sind Nettoprämie, maximaler Gewinn und maximaler Verlust?
  2. Wo liegt dein Break-even?
  3. Was passiert, wenn Copart am Verfalltag bei 24 steht?

Die Antworten stehen in dieser Lektion – zum Nachrechnen im Abschnitt „Rechne mit“. Copart ist hier ein Rechenbeispiel aus unserer Analyse, keine Empfehlung.

So ist ein Bull Put Spread aufgebaut

Definition: Ein Bull Put Spread (auch Put Credit Spread) besteht aus zwei Puts mit demselben Verfall: Du verkaufst einen Put mit höherem Strike und kaufst einen Put mit tieferem Strike. Weil der verkaufte Put teurer ist, bekommst du unterm Strich Geld – die Nettoprämie. „Bull“ heißt: Du setzt darauf, dass die Aktie nicht fällt.
BausteinWas du tustIm Beispiel
1. Short PutPut mit höherem Strike verkaufenPut 25, Prämie +0,30 USD
2. Long PutPut mit tieferem Strike kaufen – die AbsicherungPut 23, Prämie −0,10 USD
Unterm StrichNettoprämie0,30 − 0,10 = 0,20 USD = 20 USD
⚠️ Häufiger Irrtum: „Ich verkaufe einen Put bei 25 und einen Call bei 23.“ – Nein. Beide Teile sind Puts. Der zweite wird gekauft, nicht verkauft: Er gibt dir das Recht, bei einem Absturz zu 23 zu verkaufen, und deckelt so deinen Verlust. Ein Call bei 23 wäre eine völlig andere Wette.

Verglichen mit dem Cash Secured Put aus Lektion 8 gibst du einen Teil der Prämie ab – dafür ist das Risiko nach unten begrenzt, und du musst nicht 25 × 100 = 2.500 USD bereithalten.

Bild aus dem Alltag – die Versicherung mit Rückversicherung: Du versicherst ein Auto und kassierst die Prämie. Damit dich ein Totalschaden nicht ruiniert, schließt du selbst eine günstigere Rückversicherung ab. Dein Gewinn ist kleiner, aber dein größter möglicher Schaden steht von Anfang an fest.

Wie viel Geld du brauchst

Definition: Beim Bull Put Spread sperrt der Broker nur deinen maximalen Verlust: Spread-Breite × 100 − Nettoprämie. Die Spread-Breite ist der Abstand der beiden Strikes.
Cash Secured Put 25Bull Put Spread 25/23
Gebundenes Geld25 × 100 = 2.500 USD(25 − 23) × 100 − 20 = 180 USD
Prämie30 USD20 USD
Maximaler Verlust2.470 USD (Aktie fällt auf 0)180 USD
⚠️ Häufiger Irrtum: „Gesperrt wird der Spreadpreis.“ – Nein. Der Spreadpreis ist, was der Spread gerade an der Börse kostet; er ändert sich täglich. Gesperrt wird die Spread-Breite minus Prämie – der Betrag, den du im schlimmsten Fall verlierst. Ebenso beim maximalen Verlust: Er ist nicht die Breite von 200 USD, sondern 200 − 20 = 180 USD, weil du die Prämie schon bekommen hast.

Wann nutzt man den Bull Put Spread – und wann macht er Sinn?

Kurz gesagt: Der Bull Put Spread lohnt sich, wenn du erwartest, dass eine Aktie in den nächsten Wochen nicht unter den verkauften Strike fällt, du aber nicht das Geld für einen Cash Secured Put hast – oder dein Risiko von Anfang an genau begrenzen willst.

1. Wenig Kapital, klares Risiko. Für einen Cash Secured Put auf Copart bräuchtest du 2.500 USD. Der Spread kommt mit 180 USD aus. So kannst du die Idee „Copart fällt nicht unter 25“ handeln, ohne eine große Summe zu binden – und weißt vorher, was du schlimmstenfalls verlierst.

2. Die Aktie ist aus deiner Sicht eher günstig. Liegt der Kurs unter dem fairen Wert – bei Copart laut unserer Analyse 31,66 USD gegen 27,32 USD Kurs –, ist ein weiterer starker Rückgang weniger wahrscheinlich. Ein Spread, dessen oberer Strike deutlich unter dem Kurs liegt, bringt dann Prämie mit Abstand.

3. Die implizite Volatilität ist hoch. Nach einem Kursrutsch oder vor Quartalszahlen sind Puts teuer (Lektion 6). Der Spread verkauft diese teure Volatilität, der gekaufte Put schützt vor dem Ausreißer.

4. Du willst die Aktie eigentlich gar nicht. Anders als beim Cash Secured Put ist das Ziel kein günstiger Einstieg, sondern die Prämie. Kommt es knapp, schließt du – statt Aktien zu übernehmen.

Besser lassen solltest du den Bull Put Spread,

  • wenn du einen Absturz erwartest – dann verlierst du fast sicher den Maximalbetrag;
  • wenn die Prämie im Verhältnis zum Risiko winzig ist: 20 USD Chance gegen 180 USD Risiko heißt, dass du etwa neun von zehn Malen gewinnen musst, um nicht draufzuzahlen – Gebühren für zwei Optionen noch nicht eingerechnet;
  • wenn du die Position nicht beobachten kannst – kurz vor dem Verfall muss man bei Kursen nahe dem oberen Strike handeln;
  • wenn es für die Aktie wenig gehandelte Optionen gibt – breite Spannen zwischen Kauf- und Verkaufskurs fressen die kleine Prämie auf (siehe die Optionen-Spalte unserer Watchlist).
Faustregel: Rechne vor jedem Trade das Verhältnis aus: maximaler Verlust geteilt durch maximaler Gewinn. Je größer die Zahl, desto öfter musst du richtig liegen. Bei 180 : 20 = 9 : 1 reicht ein einziger Fehlgriff, um neun Gewinne aufzuzehren.

Das Gewinn-Verlust-Diagramm

2026-10-11T19:39:08.626746 image/svg+xml Matplotlib v3.11.1, https://matplotlib.org/ 20 22 24 26 28 30 Kurs von Copart am Verfalltag (USD) −600 −500 −400 −300 −200 −100 0 100 Gewinn / Verlust je Kontrakt (USD) Break-even 24,80 Maximaler Gewinn +20 USD Maximaler Verlust −180 USD Schutz durch den gekauften Put Put 23 gekauft Put 25 verkauft Kurs 27,32 Bull Put Spread: Put 25 verkauft, Put 23 gekauft, Nettoprämie 0,20 USD nur Put 25 verkauft (ohne Absicherung) Bull Put Spread 25/23

Gewinn und Verlust am Verfalltag für einen Kontrakt (100 Aktien). Orange: Bull Put Spread, grau gestrichelt: nur der verkaufte Put 25 ohne Absicherung (Prämie 0,30 USD). Unter 23 ist die orange Linie wieder flach – die graue Fläche ist der Verlust, vor dem dich der gekaufte Put bewahrt.

  • Über 25: Beide Puts verfallen, du behältst 20 USD.
  • Zwischen 24,80 und 25: noch ein kleiner Gewinn.
  • Zwischen 23 und 24,80: Verlust, der mit jedem Cent wächst.
  • Unter 23: Verlust bleibt bei −180 USD stehen, egal wie tief die Aktie fällt.

Rechne mit: Break-even, maximaler Gewinn und Verlust

Das Rezept – funktioniert für jeden Kurs:
Nettoprämie 0,20 − (25 − Kurs, falls darunter) + (23 − Kurs, falls darunter) = Ergebnis pro Aktie
Dann × 100 für den Kontrakt.
Kurs am VerfallShort Put 25Long Put 23pro Aktie× 100
20,00−5,00+3,00−1,80−180 USDAbsturz
23,00−2,00verfällt−1,80−180 USDunterer Strike
24,00−1,00verfällt−0,80−80 USDRechentest
24,80−0,20verfällt+0,00+0 USDBreak-even
25,00verfälltverfällt+0,20+20 USDoberer Strike
27,32verfälltverfällt+0,20+20 USDKurs heute
KennzahlFormelIm Beispiel
Nettoprämie = maximaler GewinnPrämie verkauft − Prämie gekauft0,30 − 0,10 = 0,20 USD → 20 USD
Maximaler VerlustSpread-Breite − Nettoprämie2,00 − 0,20 = 1,80 USD → 180 USD
Break-evenoberer Strike − Nettoprämie25 − 0,20 = 24,80 USD
Chance : RisikoGewinn : Verlust20 : 180 = 1 : 9

Trefferquote und Checkliste: Wann lohnt sich das überhaupt?

Definition: Die Mindest-Trefferquote ist der Anteil an Gewinn-Trades, den du brauchst, um auf null zu kommen: Verlust ÷ (Verlust + Gewinn). Erst darüber verdienst du mit einer Strategie Geld.
Merksatz aus der Lernsitzung: „Ich verkaufe neun Spreads erfolgreich und kassiere jeweils 30 Dollar – dann geht einer komplett daneben, und mein ganzer Gewinn ist weg. Ich muss also eine Trefferquote von über 90 % haben, um Bull Put Spreads erfolgreich zu handeln.“ – Genau so ist es, wenn du jeden Fehlschlag bis zum Maximalverlust laufen lässt.
BeispielGewinn je TrefferVerlust je Fehlschlagnötige Trefferquote
Lektion: 25/23 für 0,2020 USD180 USD90 %
2er-Breite für 0,3030 USD170 USD85 %
3er-Breite für 0,3030 USD270 USD90 %
Prämie = ⅓ der Breite (2er für 0,67)67 USD133 USD66 %

Der unangenehme Teil: Der Markt preist das ziemlich fair ein. Beim Spread 25/23 auf Copart liegt die Chance, dass alles wertlos verfällt, im Modell bei rund 86 % – nötig wären 90 %. Wer wahllos solche Spreads verkauft, verliert auf Dauer eher, Gebühren noch nicht eingerechnet. Einen Vorteil gibt es nur, wenn du bessere Trades auswählst und Verluste vor dem Maximum begrenzt.

Mit Regeln (Spread 25/23 für 0,20)Gewinn je TrefferVerlust je Fehlschlagnötige Trefferquote
bis zum Verfall halten, nichts tun20 USD180 USD90 %
Stopp: schließen, wenn der Spread das Doppelte kostet (0,40)20 USD20–40 USD*50–67 %
Stopp + Gewinn bei 50 % mitnehmen (0,10)10 USD20–40 USD*67–80 %

* Mit Stopp verlierst du seltener viel, aber öfter etwas – der Stopp wird auch ausgelöst, wenn sich die Aktie danach wieder erholt hätte. Springt der Kurs über Nacht (etwa nach Quartalszahlen), greift kein Stopp: Dann kann es trotzdem der volle Verlust werden.

⚠️ Häufiger Irrtum: „Eine Trefferquote von 85 % klingt sicher.“ – Nicht, wenn du 90 % brauchst. Bei Strategien mit kleinem Gewinn und großem Verlust entscheidet nicht, wie oft du gewinnst, sondern ob deine Trefferquote über der nötigen Quote liegt.

Checkliste für einen Bull Put Spread

Eine Checkliste kann Verluste nicht verhindern – aber dafür sorgen, dass sie seltener und kleiner ausfallen.

Vor dem Trade
  1. Prämie mindestens ⅓ der Breite. Dann reichen etwa zwei von drei Treffern (rund 66 %). Darunter liegen lassen – Copart 25/23 für 0,16 USD (Modell) fällt hier schon durch.
  2. Qualität und Bewertung stimmen: Qualität „stark“ oder „Spitze“, Ampel Kaufzone oder unterbewertet in unserer Watchlist. Gute Firmen unter dem fairen Wert stürzen seltener ab.
  3. Keine Quartalszahlen in der Laufzeit. Die meisten Totalverluste entstehen durch Kurslücken nach Zahlen.
  4. Abstand: verkaufter Put mit Delta höchstens 0,20 bis 0,30, unter einer Marke, die dir etwas bedeutet – etwa dem Kaufziel.
  5. Hohe implizite Volatilität (Lektion 6) – nur dann ist die Prämie das Risiko wert.
  6. Liquide Optionen: viele offene Kontrakte, kleiner Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs im Verhältnis zur Prämie.
Während des Trades und fürs Depot
  1. Stopp vorher festlegen: schließen, wenn der Spread das Doppelte der Prämie kostet oder der Kurs den verkauften Strike berührt.
  2. Gewinn mitnehmen bei 50 bis 75 % der Prämie – der Rest bringt wenig, das Risiko bleibt voll.
  3. Nie zwischen den Strikes in den Verfall gehen – sonst droht die Einbuchung der Aktien.
  4. Positionsgröße: maximaler Verlust je Trade höchstens 1 bis 2 % des Depots, nicht mehrere Spreads auf ähnliche Werte gleichzeitig.
  5. Trade-Tagebuch: echte Trefferquote, durchschnittlicher Gewinn und Verlust. Erst nach 20 bis 30 Trades zeigt sich, ob du über der nötigen Quote liegst.

Drei Zonen am Verfalltag

Definition: Am Verfalltag wird jeder Put ausgeübt, der im Geld ist – also wenn die Aktie unter seinem Strike steht. Beim Bull Put Spread gibt es deshalb drei Zonen, und die mittlere ist die gefährliche.
Kurs am VerfallWas passiertDu hast danach
über 25, z. B. 27beide Puts verfallen wertlos20 USD Prämie, gesperrtes Geld wieder frei
zwischen 23 und 25, z. B. 24nur der verkaufte Put 25 wird ausgeübt, der gekaufte 23 verfällt 100 Aktien zu 25 = 2.500 USD eingebucht – Verkauf sofort zu 24: −100 + 20 = −80 USD
unter 23, z. B. 20beide Puts werden ausgeübt: Kauf zu 25, Verkauf zu 23keine Aktien, Verlust −180 USD
⚠️ Häufiger Irrtum: „Beim Spread bekomme ich die Aktie nie eingebucht, das ist ja abgesichert.“ – Nicht ganz. Steht die Aktie am Verfalltag zwischen den Strikes, wird nur dein verkaufter Put ausgeübt. Dann liegen 100 Aktien zu 25 im Depot, und der Broker will 2.500 USD sehen. Hast du das Geld nicht, droht ein Margin Call oder ein Zwangsverkauf zu einem schlechten Kurs. Deshalb: Spreads nahe dem oberen Strike vor dem Verfall schließen.

Weil Aktienoptionen in den USA amerikanisch sind, kann der verkaufte Put sogar vorher ausgeübt werden, wenn er tief im Geld liegt. Dein gekaufter Put schützt dich trotzdem: Du kannst ihn selbst ausüben oder verkaufen.

Schließen, rollen, Gewinne mitnehmen

Definition: Schließen heißt, beide Teile zurückzutauschen: den verkauften Put zurückkaufen und den gekauften verkaufen – als ein Auftrag (Combo-Order). Du bezahlst dafür den aktuellen Spreadpreis.

Steht Copart eine Woche vor dem Verfall bei 24,50, liegt der Spread zwischen den Strikes. Er kostet im Modell dann etwa 0,70 bis 0,80 USD – je nachdem, wie unruhig der Markt ist. Schließt du, verlierst du also rund 50 bis 60 USD (nach Abzug der erhaltenen 20 USD) statt bis zu 180 USD – und vor allem bekommst du keine Aktien eingebucht.

  • Schließen realisiert den Verlust, aber begrenzt das Risiko und vermeidet die Einbuchung. Für Anleger ohne Cash-Reserve meist der richtige Weg.
  • Rollen heißt: schließen und gleichzeitig einen neuen Spread mit späterem Verfall oder tieferen Strikes verkaufen. Das verschiebt das Problem nur und kostet oft zusätzlich – rechne es vorher durch.
  • Gewinne mitnehmen: Viele schließen schon, wenn sie 50 bis 75 % der Prämie verdient haben. Der letzte Rest bringt wenig, das Risiko bis zum Verfall bleibt aber voll bestehen.

Die Griechen beim Bull Put Spread

Die Griechen aus Lektion 5 für den ganzen Spread – verkaufter Put 25 plus gekaufter Put 23. Modellwerte für Copart bei 27,32 USD, 30 Tage, IV 30 % (Annahme), je Kontrakt:

GriecheBull Put SpreadWas das heißt
Deltapositiv: 0,14 − 0,02 = +0,12 Steigt Copart um 1 USD, gewinnt der Spread etwa 12 USD.
Thetapositiv: rund +0,68 USD pro Tag Die Zeit arbeitet für dich – aber in kleinen Schritten, weil die Prämie klein ist.
Veganegativ: rund −1,37 USD je IV-Punkt Steigt die Unruhe, wird der Spread teurer – schlecht für dich, solange du ihn hältst.
GammanegativFällt die Aktie Richtung 25, wächst das Delta schnell – der Spread reagiert dann viel stärker.

Der gekaufte Put nimmt dem Spread einen Teil von Theta und Vega weg – das ist der Preis der Absicherung.

Strikes und Breite wählen

Definition: Beim Spread wählst du zwei Dinge: den Abstand des oberen Strikes zum Kurs (wie wahrscheinlich du gewinnst) und die Breite zwischen den Strikes (wie viel du riskierst). Das Delta des verkauften Puts zeigt grob die Chance, dass es eng wird.
Spread (30 Tage)Nettoprämie (Modell)Max. VerlustChance : RisikoDelta oberer Put ≈ Gefahr
26/240,34 USD = 34 USD166 USD1 : 50,27 ≈ 27 %
25/230,16 USD = 16 USD184 USD1 : 120,14 ≈ 14 %
24/220,06 USD = 6 USD194 USD1 : 330,06 ≈ 6 %
25/240,11 USD = 11 USD89 USD1 : 80,14 ≈ 14 %
25/220,17 USD = 17 USD283 USD1 : 160,14 ≈ 14 %

Black-Scholes-Modell ohne Zinsen und Dividenden, Copart bei 27,32 USD, IV 30 % angenommen. Echte Prämien siehst du in deiner Optionskette – bei wenig gehandelten Optionen liegen Kauf- und Verkaufskurs oft weit auseinander. Im Rechenbeispiel oben stehen bewusst die runden Übungszahlen 0,30 und 0,10 USD (Modell: 0,16 USD).

  • Näher am Kurs (26/24): mehr Prämie, besseres Verhältnis – aber deutlich öfter wird es eng.
  • Weiter weg (24/22): selten Ärger, aber kaum Prämie. Ab einem gewissen Punkt fressen Gebühren alles auf.
  • Schmaler (25/24): weniger Risiko pro Kontrakt, aber ähnlich schlechtes Verhältnis.
  • Üblich: oberer Strike mit Delta 0,15 bis 0,30, Laufzeit 30 bis 45 Tage, Nettoprämie mindestens ein Drittel der Breite – bei Copart wäre dafür eher ein Spread nahe am Kurs oder eine höhere IV nötig.

Auf einen Blick: passt, passt nicht, Vorteile, Risiken

Zum Abhaken noch einmal kurz:

Passt gut, wenn …Passt nicht, wenn …
du erwartest, dass die Aktie nicht unter den oberen Strike fälltdu einen Absturz erwartest
du wenig Kapital binden und das Risiko genau kennen willstdie Prämie im Verhältnis zum Risiko winzig ist
die Optionen rege gehandelt werdendu die Position kurz vor dem Verfall nicht beobachten kannst
Vorteile
  • Risiko von Anfang an begrenzt und bekannt
  • Viel weniger Kapital als beim Cash Secured Put
  • Gewinnt auch, wenn die Aktie seitwärts läuft
Risiken
  • Kleiner Gewinn, großer möglicher Verlust (hier 1 : 9)
  • Einbuchung, wenn die Aktie zwischen den Strikes endet
  • Zwei Optionen = zweimal Gebühren und Spannen

Verwandte Strategien: Cash Secured Put (ohne Absicherung, mit vollem Bargeld), Bear Call Spread (dasselbe mit Calls, wenn du nicht an steigende Kurse glaubst), Iron Condor (Bull Put Spread plus Bear Call Spread). Sie folgen in den nächsten Steckbriefen.

Wichtige Begriffe
  • Bull Put Spread / Put Credit Spread: Put mit höherem Strike verkaufen, Put mit tieferem Strike kaufen.
  • Nettoprämie (Credit): erhaltene minus bezahlte Prämie – der maximale Gewinn.
  • Spread-Breite: Abstand der Strikes; Breite × 100 − Nettoprämie = maximaler Verlust = gesperrtes Geld.
  • Spreadpreis: was der Spread gerade an der Börse kostet – der Betrag, den du beim Schließen zahlst.
  • Schließen: beide Teile in einem Auftrag zurücktauschen.
  • Margin Call: Aufforderung des Brokers, Geld nachzuschießen – sonst schließt er Positionen zwangsweise.

Quiz: Hast du es verstanden?

Teste dich selbst – erst überlegen, dann aufklappen. Alle Fragen mit Put 25 verkauft für 0,30, Put 23 gekauft für 0,10 USD.

1. Copart steht am Verfalltag bei 26. Wie hoch ist dein Ergebnis? Beide Puts verfallen. Du behältst die Nettoprämie: +20 USD.
2. Copart fällt bis zum Verfall auf 18. Wie hoch ist dein Ergebnis – und wie wäre es ohne den gekauften Put? Mit Spread: −180 USD, mehr geht nicht. Nur mit dem verkauften Put: 0,30 − (25 − 18) = −6,70 USD je Aktie, also −670 USD. Die Absicherung hat 490 USD gespart.
3. Copart steht am Verfalltag bei 24,50, und du hast nichts getan. Was passiert? Nur der Put 25 wird ausgeübt: Dir werden 100 Aktien zu 25 = 2.500 USD eingebucht. Verkaufst du sie zu 24,50, bleibt −50 + 20 = −30 USD – aber nur, wenn du die 2.500 USD hast. Sonst droht ein Margin Call.
4. Warum ist ein Spread mit 20 USD Prämie und 180 USD Risiko nicht automatisch ein gutes Geschäft? Weil du etwa neun von zehn Malen gewinnen musst, nur um auf null zu kommen – und zwei Optionen doppelte Gebühren kosten. Ein einziger Verlust frisst neun Gewinne.
5. Was ist der wichtigste Unterschied zum Cash Secured Put? Beim Cash Secured Put willst du die Aktie notfalls kaufen und hältst das volle Geld bereit. Beim Bull Put Spread geht es nur um die Prämie; das Risiko ist begrenzt, das gebundene Geld klein – dafür schließt du, wenn es eng wird.
Die Beispiele sind vereinfachte Rechnungen am Verfalltag ohne Gebühren, Steuern, Zinsen und Dividenden. Die Prämien 0,30 und 0,10 USD sind runde Übungszahlen, die Modellpreise stammen aus dem Black-Scholes-Modell mit angenommener Volatilität, der Copart-Kurs ist eine Momentaufnahme vom 09.10.2026. Copart dient als Rechenbeispiel, nicht als Empfehlung. Die Inhalte dienen der Bildung und sind keine Anlageberatung. Optionen sind Termingeschäfte mit hohem Risiko. Mehr im Haftungsausschluss.