Bull Put Spread
Strategie-Steckbrief · Prämie kassieren mit begrenztem Risiko
Optionen verstehen › Strategien › Spreads
- Ich verkaufe den Put mit dem höheren Strike und kaufe den Put mit dem tieferen Strike. Der gekaufte Put ist meine Absicherung.
- Die Nettoprämie – hier 0,20 USD je Aktie, also 20 USD – ist zugleich mein maximaler Gewinn.
- Steht die Aktie kurz vor dem Verfall zwischen den Strikes, schließe ich den Spread, realisiere den Verlust und minimiere das Risiko.
- Werden mir doch Aktien eingebucht, muss ich den vollen Preis haben, sonst habe ich ein Margin-Problem.
- Wie hoch sind Nettoprämie, maximaler Gewinn und maximaler Verlust?
- Wo liegt dein Break-even?
- Was passiert, wenn Copart am Verfalltag bei 24 steht?
Die Antworten stehen in dieser Lektion – zum Nachrechnen im Abschnitt „Rechne mit“. Copart ist hier ein Rechenbeispiel aus unserer Analyse, keine Empfehlung.
So ist ein Bull Put Spread aufgebaut
| Baustein | Was du tust | Im Beispiel |
|---|---|---|
| 1. Short Put | Put mit höherem Strike verkaufen | Put 25, Prämie +0,30 USD |
| 2. Long Put | Put mit tieferem Strike kaufen – die Absicherung | Put 23, Prämie −0,10 USD |
| Unterm Strich | Nettoprämie | 0,30 − 0,10 = 0,20 USD = 20 USD |
Verglichen mit dem Cash Secured Put aus Lektion 8 gibst du einen Teil der Prämie ab – dafür ist das Risiko nach unten begrenzt, und du musst nicht 25 × 100 = 2.500 USD bereithalten.
Wie viel Geld du brauchst
| Cash Secured Put 25 | Bull Put Spread 25/23 | |
|---|---|---|
| Gebundenes Geld | 25 × 100 = 2.500 USD | (25 − 23) × 100 − 20 = 180 USD |
| Prämie | 30 USD | 20 USD |
| Maximaler Verlust | 2.470 USD (Aktie fällt auf 0) | 180 USD |
Wann nutzt man den Bull Put Spread – und wann macht er Sinn?
1. Wenig Kapital, klares Risiko. Für einen Cash Secured Put auf Copart bräuchtest du 2.500 USD. Der Spread kommt mit 180 USD aus. So kannst du die Idee „Copart fällt nicht unter 25“ handeln, ohne eine große Summe zu binden – und weißt vorher, was du schlimmstenfalls verlierst.
2. Die Aktie ist aus deiner Sicht eher günstig. Liegt der Kurs unter dem fairen Wert – bei Copart laut unserer Analyse 31,66 USD gegen 27,32 USD Kurs –, ist ein weiterer starker Rückgang weniger wahrscheinlich. Ein Spread, dessen oberer Strike deutlich unter dem Kurs liegt, bringt dann Prämie mit Abstand.
3. Die implizite Volatilität ist hoch. Nach einem Kursrutsch oder vor Quartalszahlen sind Puts teuer (Lektion 6). Der Spread verkauft diese teure Volatilität, der gekaufte Put schützt vor dem Ausreißer.
4. Du willst die Aktie eigentlich gar nicht. Anders als beim Cash Secured Put ist das Ziel kein günstiger Einstieg, sondern die Prämie. Kommt es knapp, schließt du – statt Aktien zu übernehmen.
Besser lassen solltest du den Bull Put Spread,
- wenn du einen Absturz erwartest – dann verlierst du fast sicher den Maximalbetrag;
- wenn die Prämie im Verhältnis zum Risiko winzig ist: 20 USD Chance gegen 180 USD Risiko heißt, dass du etwa neun von zehn Malen gewinnen musst, um nicht draufzuzahlen – Gebühren für zwei Optionen noch nicht eingerechnet;
- wenn du die Position nicht beobachten kannst – kurz vor dem Verfall muss man bei Kursen nahe dem oberen Strike handeln;
- wenn es für die Aktie wenig gehandelte Optionen gibt – breite Spannen zwischen Kauf- und Verkaufskurs fressen die kleine Prämie auf (siehe die Optionen-Spalte unserer Watchlist).
Das Gewinn-Verlust-Diagramm
Gewinn und Verlust am Verfalltag für einen Kontrakt (100 Aktien). Orange: Bull Put Spread, grau gestrichelt: nur der verkaufte Put 25 ohne Absicherung (Prämie 0,30 USD). Unter 23 ist die orange Linie wieder flach – die graue Fläche ist der Verlust, vor dem dich der gekaufte Put bewahrt.
- Über 25: Beide Puts verfallen, du behältst 20 USD.
- Zwischen 24,80 und 25: noch ein kleiner Gewinn.
- Zwischen 23 und 24,80: Verlust, der mit jedem Cent wächst.
- Unter 23: Verlust bleibt bei −180 USD stehen, egal wie tief die Aktie fällt.
Rechne mit: Break-even, maximaler Gewinn und Verlust
Nettoprämie 0,20 − (25 − Kurs, falls darunter) + (23 − Kurs, falls darunter) = Ergebnis pro Aktie
Dann × 100 für den Kontrakt.
| Kurs am Verfall | Short Put 25 | Long Put 23 | pro Aktie | × 100 | |
|---|---|---|---|---|---|
| 20,00 | −5,00 | +3,00 | −1,80 | −180 USD | Absturz |
| 23,00 | −2,00 | verfällt | −1,80 | −180 USD | unterer Strike |
| 24,00 | −1,00 | verfällt | −0,80 | −80 USD | Rechentest |
| 24,80 | −0,20 | verfällt | +0,00 | +0 USD | Break-even |
| 25,00 | verfällt | verfällt | +0,20 | +20 USD | oberer Strike |
| 27,32 | verfällt | verfällt | +0,20 | +20 USD | Kurs heute |
| Kennzahl | Formel | Im Beispiel |
|---|---|---|
| Nettoprämie = maximaler Gewinn | Prämie verkauft − Prämie gekauft | 0,30 − 0,10 = 0,20 USD → 20 USD |
| Maximaler Verlust | Spread-Breite − Nettoprämie | 2,00 − 0,20 = 1,80 USD → 180 USD |
| Break-even | oberer Strike − Nettoprämie | 25 − 0,20 = 24,80 USD |
| Chance : Risiko | Gewinn : Verlust | 20 : 180 = 1 : 9 |
Trefferquote und Checkliste: Wann lohnt sich das überhaupt?
| Beispiel | Gewinn je Treffer | Verlust je Fehlschlag | nötige Trefferquote |
|---|---|---|---|
| Lektion: 25/23 für 0,20 | 20 USD | 180 USD | 90 % |
| 2er-Breite für 0,30 | 30 USD | 170 USD | 85 % |
| 3er-Breite für 0,30 | 30 USD | 270 USD | 90 % |
| Prämie = ⅓ der Breite (2er für 0,67) | 67 USD | 133 USD | 66 % |
Der unangenehme Teil: Der Markt preist das ziemlich fair ein. Beim Spread 25/23 auf Copart liegt die Chance, dass alles wertlos verfällt, im Modell bei rund 86 % – nötig wären 90 %. Wer wahllos solche Spreads verkauft, verliert auf Dauer eher, Gebühren noch nicht eingerechnet. Einen Vorteil gibt es nur, wenn du bessere Trades auswählst und Verluste vor dem Maximum begrenzt.
| Mit Regeln (Spread 25/23 für 0,20) | Gewinn je Treffer | Verlust je Fehlschlag | nötige Trefferquote |
|---|---|---|---|
| bis zum Verfall halten, nichts tun | 20 USD | 180 USD | 90 % |
| Stopp: schließen, wenn der Spread das Doppelte kostet (0,40) | 20 USD | 20–40 USD* | 50–67 % |
| Stopp + Gewinn bei 50 % mitnehmen (0,10) | 10 USD | 20–40 USD* | 67–80 % |
* Mit Stopp verlierst du seltener viel, aber öfter etwas – der Stopp wird auch ausgelöst, wenn sich die Aktie danach wieder erholt hätte. Springt der Kurs über Nacht (etwa nach Quartalszahlen), greift kein Stopp: Dann kann es trotzdem der volle Verlust werden.
Checkliste für einen Bull Put Spread
Eine Checkliste kann Verluste nicht verhindern – aber dafür sorgen, dass sie seltener und kleiner ausfallen.
- Prämie mindestens ⅓ der Breite. Dann reichen etwa zwei von drei Treffern (rund 66 %). Darunter liegen lassen – Copart 25/23 für 0,16 USD (Modell) fällt hier schon durch.
- Qualität und Bewertung stimmen: Qualität „stark“ oder „Spitze“, Ampel Kaufzone oder unterbewertet in unserer Watchlist. Gute Firmen unter dem fairen Wert stürzen seltener ab.
- Keine Quartalszahlen in der Laufzeit. Die meisten Totalverluste entstehen durch Kurslücken nach Zahlen.
- Abstand: verkaufter Put mit Delta höchstens 0,20 bis 0,30, unter einer Marke, die dir etwas bedeutet – etwa dem Kaufziel.
- Hohe implizite Volatilität (Lektion 6) – nur dann ist die Prämie das Risiko wert.
- Liquide Optionen: viele offene Kontrakte, kleiner Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs im Verhältnis zur Prämie.
- Stopp vorher festlegen: schließen, wenn der Spread das Doppelte der Prämie kostet oder der Kurs den verkauften Strike berührt.
- Gewinn mitnehmen bei 50 bis 75 % der Prämie – der Rest bringt wenig, das Risiko bleibt voll.
- Nie zwischen den Strikes in den Verfall gehen – sonst droht die Einbuchung der Aktien.
- Positionsgröße: maximaler Verlust je Trade höchstens 1 bis 2 % des Depots, nicht mehrere Spreads auf ähnliche Werte gleichzeitig.
- Trade-Tagebuch: echte Trefferquote, durchschnittlicher Gewinn und Verlust. Erst nach 20 bis 30 Trades zeigt sich, ob du über der nötigen Quote liegst.
Drei Zonen am Verfalltag
| Kurs am Verfall | Was passiert | Du hast danach |
|---|---|---|
| über 25, z. B. 27 | beide Puts verfallen wertlos | 20 USD Prämie, gesperrtes Geld wieder frei |
| zwischen 23 und 25, z. B. 24 | nur der verkaufte Put 25 wird ausgeübt, der gekaufte 23 verfällt | 100 Aktien zu 25 = 2.500 USD eingebucht – Verkauf sofort zu 24: −100 + 20 = −80 USD |
| unter 23, z. B. 20 | beide Puts werden ausgeübt: Kauf zu 25, Verkauf zu 23 | keine Aktien, Verlust −180 USD |
Weil Aktienoptionen in den USA amerikanisch sind, kann der verkaufte Put sogar vorher ausgeübt werden, wenn er tief im Geld liegt. Dein gekaufter Put schützt dich trotzdem: Du kannst ihn selbst ausüben oder verkaufen.
Schließen, rollen, Gewinne mitnehmen
Steht Copart eine Woche vor dem Verfall bei 24,50, liegt der Spread zwischen den Strikes. Er kostet im Modell dann etwa 0,70 bis 0,80 USD – je nachdem, wie unruhig der Markt ist. Schließt du, verlierst du also rund 50 bis 60 USD (nach Abzug der erhaltenen 20 USD) statt bis zu 180 USD – und vor allem bekommst du keine Aktien eingebucht.
- Schließen realisiert den Verlust, aber begrenzt das Risiko und vermeidet die Einbuchung. Für Anleger ohne Cash-Reserve meist der richtige Weg.
- Rollen heißt: schließen und gleichzeitig einen neuen Spread mit späterem Verfall oder tieferen Strikes verkaufen. Das verschiebt das Problem nur und kostet oft zusätzlich – rechne es vorher durch.
- Gewinne mitnehmen: Viele schließen schon, wenn sie 50 bis 75 % der Prämie verdient haben. Der letzte Rest bringt wenig, das Risiko bis zum Verfall bleibt aber voll bestehen.
Die Griechen beim Bull Put Spread
Die Griechen aus Lektion 5 für den ganzen Spread – verkaufter Put 25 plus gekaufter Put 23. Modellwerte für Copart bei 27,32 USD, 30 Tage, IV 30 % (Annahme), je Kontrakt:
| Grieche | Bull Put Spread | Was das heißt |
|---|---|---|
| Delta | positiv: 0,14 − 0,02 = +0,12 | Steigt Copart um 1 USD, gewinnt der Spread etwa 12 USD. |
| Theta | positiv: rund +0,68 USD pro Tag | Die Zeit arbeitet für dich – aber in kleinen Schritten, weil die Prämie klein ist. |
| Vega | negativ: rund −1,37 USD je IV-Punkt | Steigt die Unruhe, wird der Spread teurer – schlecht für dich, solange du ihn hältst. |
| Gamma | negativ | Fällt die Aktie Richtung 25, wächst das Delta schnell – der Spread reagiert dann viel stärker. |
Der gekaufte Put nimmt dem Spread einen Teil von Theta und Vega weg – das ist der Preis der Absicherung.
Strikes und Breite wählen
| Spread (30 Tage) | Nettoprämie (Modell) | Max. Verlust | Chance : Risiko | Delta oberer Put ≈ Gefahr |
|---|---|---|---|---|
| 26/24 | 0,34 USD = 34 USD | 166 USD | 1 : 5 | 0,27 ≈ 27 % |
| 25/23 | 0,16 USD = 16 USD | 184 USD | 1 : 12 | 0,14 ≈ 14 % |
| 24/22 | 0,06 USD = 6 USD | 194 USD | 1 : 33 | 0,06 ≈ 6 % |
| 25/24 | 0,11 USD = 11 USD | 89 USD | 1 : 8 | 0,14 ≈ 14 % |
| 25/22 | 0,17 USD = 17 USD | 283 USD | 1 : 16 | 0,14 ≈ 14 % |
Black-Scholes-Modell ohne Zinsen und Dividenden, Copart bei 27,32 USD, IV 30 % angenommen. Echte Prämien siehst du in deiner Optionskette – bei wenig gehandelten Optionen liegen Kauf- und Verkaufskurs oft weit auseinander. Im Rechenbeispiel oben stehen bewusst die runden Übungszahlen 0,30 und 0,10 USD (Modell: 0,16 USD).
- Näher am Kurs (26/24): mehr Prämie, besseres Verhältnis – aber deutlich öfter wird es eng.
- Weiter weg (24/22): selten Ärger, aber kaum Prämie. Ab einem gewissen Punkt fressen Gebühren alles auf.
- Schmaler (25/24): weniger Risiko pro Kontrakt, aber ähnlich schlechtes Verhältnis.
- Üblich: oberer Strike mit Delta 0,15 bis 0,30, Laufzeit 30 bis 45 Tage, Nettoprämie mindestens ein Drittel der Breite – bei Copart wäre dafür eher ein Spread nahe am Kurs oder eine höhere IV nötig.
Auf einen Blick: passt, passt nicht, Vorteile, Risiken
Zum Abhaken noch einmal kurz:
| Passt gut, wenn … | Passt nicht, wenn … |
|---|---|
| du erwartest, dass die Aktie nicht unter den oberen Strike fällt | du einen Absturz erwartest |
| du wenig Kapital binden und das Risiko genau kennen willst | die Prämie im Verhältnis zum Risiko winzig ist |
| die Optionen rege gehandelt werden | du die Position kurz vor dem Verfall nicht beobachten kannst |
- Risiko von Anfang an begrenzt und bekannt
- Viel weniger Kapital als beim Cash Secured Put
- Gewinnt auch, wenn die Aktie seitwärts läuft
- Kleiner Gewinn, großer möglicher Verlust (hier 1 : 9)
- Einbuchung, wenn die Aktie zwischen den Strikes endet
- Zwei Optionen = zweimal Gebühren und Spannen
Verwandte Strategien: Cash Secured Put (ohne Absicherung, mit vollem Bargeld), Bear Call Spread (dasselbe mit Calls, wenn du nicht an steigende Kurse glaubst), Iron Condor (Bull Put Spread plus Bear Call Spread). Sie folgen in den nächsten Steckbriefen.
- Bull Put Spread / Put Credit Spread: Put mit höherem Strike verkaufen, Put mit tieferem Strike kaufen.
- Nettoprämie (Credit): erhaltene minus bezahlte Prämie – der maximale Gewinn.
- Spread-Breite: Abstand der Strikes; Breite × 100 − Nettoprämie = maximaler Verlust = gesperrtes Geld.
- Spreadpreis: was der Spread gerade an der Börse kostet – der Betrag, den du beim Schließen zahlst.
- Schließen: beide Teile in einem Auftrag zurücktauschen.
- Margin Call: Aufforderung des Brokers, Geld nachzuschießen – sonst schließt er Positionen zwangsweise.
Quiz: Hast du es verstanden?
Teste dich selbst – erst überlegen, dann aufklappen. Alle Fragen mit Put 25 verkauft für 0,30, Put 23 gekauft für 0,10 USD.
