Hermès Aktie (RMS) – Analyse & fairer Wert
Ticker: RMS (Euronext Paris) ISIN: FR0000052292 WKN: 886670
Hermès ist das profitabelste reine Luxushaus der Welt. Das französische Familienunternehmen fertigt Lederwaren und Sattlerei, Seidentücher, Mode, Parfum, Uhren und Wohnaccessoires – fast alles in eigenen Manufakturen. Die berühmtesten Produkte, die Taschen Birkin und Kelly, sind bewusst knapp: Oft warten Kunden jahrelang. Diese Knappheit ist der Kern des Geschäfts.
Fakten (Stand: 11. Oktober 2026):
- Gründung: 1837 in Paris durch den Sattler Thierry Hermès
- Börsengang: 1993 in Paris
- Executive Chairman: Axel Dumas (seit 2013, sechste Generation der Gründerfamilie)
- Hauptsitz: Paris, Frankreich
- Mitarbeiter: rund 27.000, ein großer Teil davon Kunsthandwerker
- Branche/Sektor: Luxusgüter
- Marktkapitalisierung: ca. 134,4 Mrd. €
- Kurs: 1 283,00 € (10.10.2026), rund 40 % unter dem Jahresanfang
- Familie: hält rund 67 % der Aktien und 78,6 % der Stimmrechte
Zyklik: Luxus gilt als konjunkturabhängig. Hermès ist die Ausnahme: Weil das Haus die vermögendste Kundschaft bedient und das Angebot knapp hält, fiel der Umsatz selbst 2020 nur leicht. In Abschwüngen wächst Hermès langsamer, schrumpft aber kaum.
| Geschäft | Lederwaren, Seide, Mode und Schmuck im Ultra-Luxus – fast alles in eigenen Manufakturen gefertigt und in eigenen Boutiquen verkauft |
| Charakter | Qualitätswert · Umsatz je Aktie +13,3 % pro Jahr seit 2016 · operative Marge über 40 % · praktisch schuldenfrei |
| Besonderheit | Gewinn je Aktie 2025 trotz Umsatzplus leicht gesunken (43,15 € nach 43,93 €) – wegen höherer Steuern in Frankreich |
| Lage 2026 | Wachstum +6 %, aber unter den Erwartungen; die Aktie fiel um rund 40 %, das KGV liegt mit rund 30 weit unter dem eigenen Schnitt |
| Einordnung | Außergewöhnliches Unternehmen, nach unserer Methode unterbewertet – fairer Wert im Basisfall 1 569,89 €, 22 % über dem Kurs |
Podcast zur Analyse
Die Hermès-Analyse zum Hören (ca. 12 Min.): warum Hermès absichtlich weniger verkauft, als es könnte, wie aus Wartelisten Preissetzungsmacht und über 40 % operative Marge werden – und warum die Bewertung mit der Rückkehr des hohen KGV steht und fällt.
Zur Einordnung: 25,81 € (2024) und 26,67 € (2025) sind die gesamten Dividenden je Aktie einschließlich Sonderdividende, nicht die Sonderdividende allein. Die 15 % im Modell sind die geforderte Rendite (Abzinsung); die Sicherheitsmarge kommt getrennt dazu und führt zum Kaufziel von 1.334,41 €. Pessimistisch ergibt der Rechner 1.091,26 €, optimistisch 2.044,88 €. Die Familie hält 78,6 % der Stimmrechte.
Geschäftsmodell
Hermès verkauft nicht Menge, sondern Knappheit. Das Haus erweitert seine Fertigung bewusst langsam – die Ausbildung eines Sattlers dauert Jahre, jede Tasche entsteht von Hand. Die Nachfrage übersteigt das Angebot dauerhaft. Das erlaubt Preiserhöhungen von meist 6 bis 9 % pro Jahr, ohne dass Kunden abspringen.
Die sechs Geschäftsbereiche („Métiers“):
- Leder & Sattlerei – Handtaschen, Reiseartikel, Kleinlederwaren, Reitsport. Der größte und am schnellsten wachsende Bereich.
- Mode & Accessoires – Damen- und Herrenmode, Gürtel, Schuhe, Handschuhe, Hüte.
- Seide & Textilien – die bekannten Carré-Tücher und Krawatten.
- Parfum & Beauty, Uhren sowie andere Bereiche – Schmuck, Wohnaccessoires (Hermès Maison) und petit h, das Objekte aus Materialresten fertigt.
Fertigung: Hermès betreibt über 50 eigene Manufakturen, überwiegend in Frankreich, und kontrolliert mit eigenen Gerbereien einen großen Teil der Lederversorgung. 2025 eröffnete die 24. Lederwerkstatt, bis 2028 sind drei weitere geplant. Eigene Schulen bilden die Kunsthandwerker aus.
Vertrieb: Über 300 eigene Boutiquen weltweit und ein eigener Online-Shop. Kaum Fachhändler, keine Outlets, keine Rabatte – so behält Hermès die volle Kontrolle über Preis und Markenbild.
Umsatzverteilung
Anteil der Geschäftsbereiche am Umsatz 2025 in Prozent (angenähert aus Unternehmensmitteilungen; die exakten Werte stehen im Universal Registration Document 2025).
| Geschäftsbereich | Anteil am Umsatz | Wachstum 2025* |
|---|---|---|
| Leder & Sattlerei (Birkin, Kelly, Constance, Reiseartikel) | ≈ 44 % | +13 % |
| Mode & Accessoires (Kleidung, Gürtel, Schuhe) | ≈ 27 % | +6 % |
| Andere Bereiche (Schmuck, Hermès Maison, petit h) | ≈ 12 % | +11 % |
| Seide & Textilien (Carrés, Krawatten) | ≈ 6 % | +4 % |
| Parfum & Beauty | ≈ 4 % | –5 % |
| Uhren | ≈ 3–4 % | –3 % |
| Konzern | 16,0 Mrd. € | +9 % (berichtet +5,5 %) |
* bei konstanten Wechselkursen. Konzernumsatz laut Jahresabschluss 2025: 16,00 Mrd. € nach 15,17 Mrd. €.
Hermès ist im Kern ein Lederwarenhaus: Fast die Hälfte des Umsatzes stammt aus Taschen, Reiseartikeln und Sattlerei – und genau dieser Bereich wächst am schnellsten. Er hat die höchste Marge und die längsten Wartelisten.
Die beiden einzigen schrumpfenden Bereiche, Parfum und Uhren, sind klein. Sie dienen eher der Markenbreite als dem Gewinn. Die Verteilung verschiebt sich also weiter zum margenstärksten Geschäft.
Burggraben
Hermès hat nach unserer Einschätzung einen der breitesten Burggräben im gesamten Konsumgütersektor. Er beruht nicht auf Technik oder Größe, sondern auf Marke, Handwerk und Geduld.
- Marke und Preissetzungsmacht: Jährliche Preiserhöhungen von 6 bis 9 % ohne Nachfrageverlust
- Verknappung: Birkin und Kelly sind limitiert; auf dem Zweitmarkt kosten sie oft mehr als neu
- Eigene Lieferkette: Gerbereien und Zuchtbetriebe sichern seltene Leder
- Handwerk: Das Wissen der Sattler lässt sich nicht in wenigen Jahren kopieren
- Familienkontrolle: Langfristiges Denken statt Quartalsdruck
- Preise: Zu aggressive Erhöhungen könnten jüngere Kunden vergraulen
- Asien: Abhängigkeit von vermögenden Kunden in China und Reisenden
- Nachfolge: Die Familie ist in der sechsten Generation weit verzweigt
- Nebenbereiche: Bei Parfum und Uhren ist die Markenmacht deutlich schwächer
- Bewertung: Der Graben ist bekannt – und wird an der Börse teuer bezahlt
Der Beleg in Zahlen: Die operative Marge lag seit 2021 jedes Jahr über 40 %, die Kapitalrendite in zehn Jahren nie unter 16 % (siehe Kennzahlen). Zum Vergleich: Der größte Konkurrent LVMH erreicht rund 25 % operative Marge.
Quantitative Faktoren
Alle Reihen umfassen die Geschäftsjahre 2016 bis 2025, alle Beträge in Euro. Datenquelle ist roic.ai (Datenstand 10.10.2026); Umsatz, Gewinn je Aktie und operatives Ergebnis der Jahre 2024 und 2025 haben wir mit dem offiziellen Jahresabschluss abgeglichen.
1. Umsatz je Aktie
Umsatz je Aktie in Euro, Geschäftsjahre 2016–2025.
Von 49,77 auf 152,63 € – mehr als verdreifacht, 13,3 % pro Jahr. Selbst 2020 ging der Wert nur von 66,04 auf 61,18 € zurück, während viele Konkurrenten deutlich stärker einbrachen. 2021 folgte ein Sprung um 40 %.
Seit 2024 wächst der Umsatz langsamer (+13 % und +5 %; bei konstanten Wechselkursen +9 % im Jahr 2025). Hermès wächst damit immer noch, während Wettbewerber wie Kering schrumpfen.
2. Operative Marge
Operative Marge in Prozent (roic.ai).
Zwischen 32 und 43 % – ein Niveau, das kaum ein anderes Konsumgüterunternehmen erreicht. Der Rückgang 2020 kam allein von den geschlossenen Boutiquen. Seit 2021 liegt die Marge jedes Jahr über 40 %.
Hermès selbst weist für 2025 eine operative Marge von 41,0 % aus (6,57 Mrd. € auf 16,0 Mrd. € Umsatz); roic.ai rechnet leicht abweichend mit 41,8 %.
3. Freier Cashflow je Aktie
Freier Cashflow je Aktie in Euro.
Von 11,59 auf 40,19 €, 14,8 % pro Jahr. Nach der Delle 2020 sprang der Wert 2021 um 140 % und liegt seither zwischen 33 und 40 €.
Die kleine Delle 2023 kam von hohen Investitionen in neue Lederwerkstätten – Geld für künftiges Wachstum. Anders als bei vielen Wachstumsunternehmen deckt der freie Cashflow den Gewinn fast vollständig: Hermès verdient sein Geld bar.
4. Buchwert je Aktie
Buchwert (Eigenkapital) je Aktie in Euro.
Von 41,94 auf 179,73 €, 17,5 % pro Jahr, ohne ein einziges Minusjahr. Hermès kauft keine eigenen Aktien zurück und behält einen großen Teil der Gewinne im Unternehmen – trotz hoher Sonderdividenden.
Laut Jahresabschluss stieg das Eigenkapital 2025 von 17,3 auf 18,8 Mrd. €.
5. Kapitalrendite (ROIC)
Return on Invested Capital in Prozent.
Zwischen 16 und 27 % – weit über den Kapitalkosten eines Luxusunternehmens. Der Tiefpunkt 2020 kam von der Pandemie, danach erholte sich die Rendite auf 24 bis 26 %.
Seit 2022 sinkt sie leicht auf 21,3 %. Das liegt vor allem am schnell wachsenden Eigenkapital und an der hohen Kassenhaltung, die das eingesetzte Kapital aufbläht – nicht an einem schwächeren Geschäft.
6. Verschuldung zu freiem Cashflow
Langfristige Schulden geteilt durch den freien Cashflow, in Jahren. Das letzte Jahr ist hervorgehoben.
Fast in jedem Jahr unter einem Jahr: Hermès könnte seine langfristigen Schulden binnen Monaten aus dem freien Cashflow tilgen. Selbst der höchste Wert, 1,23 Jahre im Pandemiejahr 2020, ist sehr niedrig.
Mitte 2026 hatte Hermès 12,9 Mrd. € mehr Kasse als Schulden. Verschuldung spielt hier praktisch keine Rolle.
7. Dividende je Aktie
Gezahlte Dividende je Aktie in Euro, inklusive Sonderdividenden.
Die ordentliche Dividende steigt stetig. Dazu kommen immer wieder Sonderdividenden, wenn sich zu viel Kasse angesammelt hat – 2018, 2022, 2024 und 2025. Deshalb springen die Werte: 9,19 € (2018), 25,81 € (2024) und 26,67 € (2025).
Die Dividendenrendite liegt beim aktuellen Kurs bei rund 2 % einschließlich Sonderdividende, ohne sie bei rund 1,4 %. Hermès gibt überschüssiges Geld lieber als Dividende zurück, als eigene Aktien zu kaufen – im Sinne der Familie, die ihren Anteil nicht verändern will.
8. Aktienanzahl
Durchschnittliche Aktienanzahl in Millionen Stück. Die Achse beginnt bei 100 Mio.
Seit zehn Jahren fast exakt gleich: 104 bis 105 Mio. Stück. Keine Rückkäufe, keine Verwässerung.
Das heißt: Das gesamte Wachstum der Kennzahlen je Aktie kommt aus dem Geschäft selbst, nicht aus einer kleineren Aktienzahl.
9. Kurs-Gewinn-Verhältnis
Kurs-Gewinn-Verhältnis je Geschäftsjahr; gestrichelt der Zehnjahresschnitt. 2016–2020 aus Jahresschlusskursen berechnet.
Zwischen 31,9 und 68,7 – über die ganze Dekade sehr hoch. Der Zehnjahresschnitt liegt bei 47,39, der Median bei 45,7. Die Spitzen 2020 und 2021 kamen vom eingebrochenen Gewinn bei schnell erholtem Kurs.
Heute liegt das KGV auf die letzten zwölf Monate bei rund 29,8 – so niedrig wie seit Jahren nicht. Ursache ist der Kursrückgang 2026 bei stabilem Gewinn.
Live-Finanzdaten von TradingView
Qualitative Faktoren
Wettbewerbsumfeld
| Wettbewerber | Wo er Hermès trifft |
|---|---|
| LVMH (Louis Vuitton, Dior, Céline) | Größter Luxuskonzern der Welt, breiter aufgestellt, aber stärker auf Menge ausgerichtet; operative Marge rund 25 % |
| Chanel (nicht börsennotiert) | Ähnlich exklusive Positionierung bei Taschen – der einzige echte Gegenspieler auf Augenhöhe |
| Kering (Gucci, Saint Laurent, Bottega Veneta) | Deutlich schwankungsanfälliger, die Gucci-Krise belastet seit 2023 |
| Richemont (Cartier, Van Cleef & Arpels) | Stärker bei Schmuck und Uhren, kaum bei Taschen |
Position: Bei Luxus-Lederwaren sind Hermès und Chanel die unangefochtene Spitze. Einen Preiswettbewerb gibt es nicht – begrenzt ist das Angebot, nicht die Nachfrage. Einordnung: dominant, in einer eigenen Liga oberhalb des übrigen Luxussektors.
Management und Kapitalallokation
Axel Dumas führt Hermès seit 2013, als Vertreter der sechsten Generation. Künstlerischer Direktor ist sein Cousin Pierre-Alexis Dumas. Die Rechtsform – eine Kommanditgesellschaft auf Aktien – sichert der Familie die Kontrolle: Sie hält rund 67 % der Aktien und 78,6 % der Stimmrechte.
Kapitalallokation: Keine Aktienrückkäufe, keine großen Zukäufe, stattdessen Investitionen in eigene Werkstätten und großzügige Dividenden samt Sonderausschüttungen.
Einordnung: Kontinuität und Langfristdenken sind herausragend. Die Kehrseite: Die Kontrollgremien sind weniger unabhängig als bei Konzernen ohne dominierenden Eigentümer – Minderheitsaktionäre haben wenig Einfluss.
Wachstumstreiber
- Preise: 6 bis 9 % Preiserhöhung pro Jahr bei gleichbleibender Nachfrage
- Kapazität: drei neue Lederwerkstätten bis 2028
- Schmuck und Hermès Maison: die am schnellsten wachsenden Nebenbereiche (+11 % 2025)
- Regionen: Amerika und Japan wachsen zweistellig; China bleibt langfristig unterdurchdrungen
Einordnung: Das Wachstum ist breit verteilt und fast vollständig aus eigener Kraft – kein Zukauf, keine einzelne Wette.
Risiken
- Bewertung. Selbst nach dem Kursrückgang zahlt der Markt rund das 30-Fache des Gewinns. Bleibt Luxus dauerhaft niedriger bewertet, fällt der faire Wert deutlich (siehe Szenario „KGV wie heute“).
- Asien. Schwächelt die Nachfrage vermögender Chinesen und Reisender länger, verlangsamt sich das Wachstum weiter.
- Konzentration. 44 % des Umsatzes kommen aus Lederwaren.
- Währung und Zölle. Der schwache Dollar kostete 2025 rund 254 Mio. € Umsatz; US-Zölle muss Hermès über Preise ausgleichen.
- Nachfolge. Ein Streit in der breit verzweigten Familie könnte die einheitliche Strategie gefährden.
Das letzte Halbjahr (H1 2026, veröffentlicht am 29.07.2026)
| Kennzahl | H1 2026 | Einordnung |
|---|---|---|
| Umsatz | 8,2 Mrd. € | +6 % bei konstanten Kursen, +2 % berichtet |
| Erstes Quartal | +5,6 % | unter der Erwartung von rund +7 % |
| Zweites Quartal | +7 % | wieder schneller |
| Nettofinanzposition | 12,9 Mrd. € | mehr Kasse als Schulden |
Halbjahresmitteilung vom 29.07.2026 (Angaben laut Analysevorlage, nicht eigens gegen den Bericht geprüft).
Das Wachstum ist intakt, aber ruhiger als in den Boomjahren 2021 bis 2023. Belastet haben weniger Einkäufe von Reisenden aus dem Nahen Osten, die anhaltende Zurückhaltung in China und der schwache US-Dollar, der die Umsätze in Euro schmälert. Die Nachfrage in den USA und in Japan blieb robust.
Für die Börse war das zu wenig: Hermès verfehlte die sehr hohen Erwartungen wiederholt knapp, die Aktie verlor 2026 rund 40 %. Am Geschäftsmodell hat sich dabei nichts geändert – der Markt rechnet nur nicht mehr mit dem Tempo der Nach-Corona-Jahre.
Qualitatives Gesamtfazit
- Einer der stärksten Burggräben der Welt
- Operative Marge über 40 %
- Praktisch schuldenfrei, 12,9 Mrd. € Nettokasse
- Wachstum aus eigener Kraft, keine Verwässerung
- Familie denkt in Generationen
- Selbst in Krisen kaum Umsatzrückgang
- Strukturell sehr hohe Bewertung
- Abhängig von Lederwaren und Asien
- Wachstum langsamer als 2021–2023
- Gewinn 2025 durch Steuern gedrückt
- Wenig Einfluss für Minderheitsaktionäre
- Kursrückgang 2026: rund 40 %
Fairer Wert
Wir rechnen bei ValueForge immer nach derselben Methode, damit die Analysen untereinander vergleichbar bleiben. Sie ist bewusst einfach und bewusst streng:
In Worten: Wir schreiben den heutigen Gewinn je Aktie zehn Jahre lang mit einer realistischen Wachstumsrate fort, bewerten das Ergebnis mit dem KGV, das der Markt diesem Unternehmen historisch zugestanden hat, und zinsen den so ermittelten künftigen Kurs mit 15 % pro Jahr auf heute ab. Die 15 % sind unsere Renditeforderung: Was mehr kostet als der so errechnete Wert, verspricht uns keine 15 % pro Jahr.
Das KGV. Der Zehnjahresschnitt von 47,39 spiegelt eine Zeit, in der der Markt Hermès eine sehr hohe Prämie zahlte. Heute liegt das KGV bei rund 29,8. Fast die gesamte errechnete Unterbewertung hängt an der Annahme, dass der Markt in zehn Jahren wieder zu diesem Schnitt zurückkehrt. Was passiert, wenn nicht, zeigt das Szenario „KGV wie heute“.
Der Gewinn. Der Gewinn je Aktie sank 2025 leicht auf 43,15 € (2024: 43,93 €), obwohl das operative Ergebnis um 7 % auf 6,57 Mrd. € stieg. Der Grund ist die Steuer: Hermès zahlte 2,26 Mrd. € Ertragsteuern nach 1,85 Mrd. € im Vorjahr – unter anderem wegen einer befristeten Sonderabgabe, die Frankreich großen Unternehmen auferlegt hat. Wir rechnen trotzdem mit den ausgewiesenen 43,15 € – das ist eher vorsichtig.
| Parameter | Wert | Herleitung |
|---|---|---|
| Zeitraum | 10 Jahre | feste Regel |
| Diskontsatz | 15 % p. a. | feste Regel – unsere Renditeforderung |
| Historisches KGV | 47,39 | Durchschnitt 2016–2025, Median 45,7 |
| Wachstum | 12 % p. a. | Der Nettogewinn wuchs seit 2016 um rund 15 % pro Jahr. Analysten erwarten für die nächsten Jahre 8 bis 13 %. Wir setzen 12 % an – innerhalb dieser Spanne und unter dem Deckel unserer Methode von 15 % |
| Gewinn je Aktie | 43,15 € | Geschäftsjahr 2025, unverwässert, laut Jahresabschluss |
| Kurs | 1 283,00 € | Kurs vom 10.10.2026 |
Die Rechnung im Basisfall
| Schritt | Ergebnis |
|---|---|
| Gewinn je Aktie heute (2025) | 43,15 € |
| Gewinn je Aktie in zehn Jahren bei 12 % Wachstum | 134,02 € |
| Kurs in zehn Jahren bei einem KGV von 47,39 | 6 351,08 € |
| Abzinsungsfaktor bei 15 % über zehn Jahre | 4,046 |
| Fairer Wert heute | 1 569,89 € |
Kaufziel mit 15 % Sicherheitsmarge: 1 334,41 €.
Szenarien
Jede Zeile verwendet dieselbe Formel und denselben Diskontsatz; unterschiedlich sind Wachstum und KGV-Anker.
Fairer Wert je Szenario gegen den aktuellen Kurs. Grün: über dem Kurs. Orange: darunter. Diskontsatz jeweils 15 %.
| Szenario | Gewinnbasis | Wachstum | KGV-Anker | Fairer Wert | gegen den Kurs |
|---|---|---|---|---|---|
| KGV bleibt auf dem heutigen Niveau | 43,15 | 12 % | 29,8 | 987,19 € | -23,1 % |
| Pessimistisch – unteres Ende der Schätzungen | 43,15 | 8 % | 47,39 | 1 091,26 € | -14,9 % |
| Basisfall | 43,15 | 12 % | 47,39 | 1 569,89 € | +22,4 % |
| Optimistisch – Wachstum wie bisher | 43,15 | 15 % | 47,39 | 2 044,88 € | +59,4 % |
Gewinnbasis in Euro je Aktie. 15 % ist zugleich der Deckel unserer Methode und etwa das Gewinnwachstum, das Hermès seit 2016 geliefert hat.
Bewertungsband vom pessimistischen bis zum optimistischen Szenario gegen den aktuellen Kurs.
Beim historischen KGV liegt schon ein Gewinnwachstum von rund 9,8 % pro Jahr über dem Kurs – deutlich weniger, als Hermès in den letzten zehn Jahren geschafft hat. In diesem Sinn ist die Aktie so günstig wie selten.
Die Gegenrechnung: Bei 12 % Wachstum geht der Kurs nur auf, wenn der Markt in zehn Jahren mindestens ein KGV von rund 39 zahlt. Bleibt es beim heutigen KGV von 29,8, ergäben sich nur 987,19 € – die Aktie wäre dann trotz des Kursrückgangs zu teuer.
Anders gesagt: Wer heute kauft, setzt darauf, dass Hermès seine Bewertungsprämie zumindest teilweise zurückgewinnt. Das ist bei einem Unternehmen dieser Qualität plausibel, aber nicht sicher – die ganze Luxusbranche wird derzeit niedriger bewertet.
Sensitivität
Was passiert, wenn Wachstum und Ziel-KGV anders ausfallen? Zeilen: jährliches Gewinnwachstum. Spalten: KGV, mit dem der Gewinn in zehn Jahren bewertet wird. Gewinnbasis 43,15 € (2025), Diskontsatz 15 %, alle Werte in Euro je Aktie.
| Wachstum | 29,8 | 40,0 | 47,39 | 55,0 |
|---|---|---|---|---|
| 8 % | 686,21 | 921,09 | 1 091,26 | 1 266,49 |
| 10 % | 824,41 | 1 106,60 | 1 311,04 | 1 521,57 |
| 12 % | 987,19 | 1 325,08 | 1 569,89 | 1 821,99 |
| 15 % | 1 285,87 | 1 726,00 | 2 044,88 | 2 373,25 |
Grün hinterlegt: fairer Wert über dem aktuellen Kurs von 1 283,00 €. Orange: innerhalb von 20 % darunter. Spalten: heutiges KGV, ein KGV von 40, der Zehnjahresschnitt (hervorgehoben) und 55. Der Schnittpunkt mit der Zeile 12 % ist unser Basisfall.
Value-Rechner – drei Szenarien selbst einstellen
Unsere Annahmen sind nicht die einzig möglichen. Der Rechner ist mit den drei Szenarien vorbelegt; Gewinn je Aktie, Wachstum, KGV und Rendite lassen sich in jeder Spalte frei verstellen. Der Kurs kommt live aus unserer Watchlist.
Fairer Wert von Hermès in drei Szenarien
Erfüllt die Aktie die Value-Kriterien?
- ✓✓Umsatz wächst mindestens 7 % pro Jahr20,2 % p. a. · stark
- ✓✓Gewinn je Aktie wächst mindestens 7 % pro Jahr26,7 % p. a. · stark
- ✓✓Free Cashflow wächst mindestens 7 % pro Jahr28,7 % p. a. · stark
- ✓✓Eigenkapital je Aktie wächst20,6 % p. a. · stark
- ✓✓Kapitalrendite (ROIC) im Schnitt über 10 %51,7 % im Schnitt · stark
- ✓Bruttomarge stabil oder steigend71,2 % (3 J.) zu 70,5 % · erfüllt
- ✓✓Schulden in unter 3 Jahren aus dem Free Cashflow tilgbar0,0 Jahre FCF · stark
- –Kurs liegt unter dem fairen Wert
Ergebnis und Sicherheitsmarge
Fairer Wert im Basisfall: 1 569,89 €
Aktueller Kurs: 1 283,00 €
Der Kurs liegt rund 18 % unter dem fairen Wert – nach unserer Systematik (mehr als 10 %) unterbewertet.
Spanne der Szenarien: 1 091,26 bis 2 044,88 €; mit dem heutigen KGV 987,19 €.
Mit 15 % Sicherheitsmarge liegt das Kaufziel bei 1 334,41 €. Der Kurs liegt knapp darunter – im Kaufbereich.
Die Marge schützt vor Fehlern beim Wachstum, nicht aber vor einem dauerhaft niedrigeren KGV der ganzen Branche.
Das ist kein Kursziel und keine Prognose, sondern die Schwelle, ab der die geforderten 15 % Jahresrendite auch mit einem Puffer erreichbar wären.
Was diese Methode nicht leistet. Sie ist kein vollständiger Unternehmens-DCF. Bei Hermès hängt das Ergebnis stärker am KGV als am Wachstum – wer glaubt, dass Luxus dauerhaft niedriger bewertet wird, sollte im Rechner ein KGV um 30 bis 40 einsetzen.
Fazit
Hermès ist eines der besten Unternehmen der Welt: eine Marke, die Knappheit in Preissetzungsmacht verwandelt, über 40 % operative Marge, eine Kapitalrendite von meist über 20 %, keine Schulden und eine Familie, die in Generationen denkt. Selbst die Pandemie hat das Geschäft kaum erschüttert.
2026 wächst Hermès langsamer als in den Ausnahmejahren nach Corona – mit 6 % bei konstanten Wechselkursen aber weiter schneller als der Luxusmarkt. Die Börse hat darauf mit einem Kursrückgang von rund 40 % reagiert. Dadurch ist das KGV auf rund 30 gefallen.
Mit dem Gewinn 2025 (43,15 €), 12 % Wachstum und dem historischen KGV von 47,39 kommen wir auf 1 569,89 €. Beim Kurs von 1 283,00 € ist Hermès nach unserer Methode unterbewertet. Die wichtigste Einschränkung: Dieses Ergebnis setzt voraus, dass der Markt Hermès wieder eine deutlich höhere Bewertung zugesteht als heute.
Vier Punkte würden wir im Blick behalten:
- Kommt das Wachstum bei Lederwaren über 10 % zurück?
- Wie entwickelt sich die Nachfrage in China und von Reisenden?
- Fällt die französische Sonderabgabe weg – und steigt der Gewinn je Aktie damit wieder?
- Bleiben die Preiserhöhungen ohne Nachfrageverlust durchsetzbar?
Unsere Einordnung: außergewöhnliches Unternehmen, nach unserer Methode unterbewertet – mit dem Vorbehalt, dass die Rechnung an der Rückkehr zu einem höheren KGV hängt.
Quellen
Quellen & Referenzen:
- Kennzahlen 2016–2025: roic.ai (Datenstand 10.10.2026)
- Jahresabschluss 2025 im europäischen Einheitsformat ESEF: filings.xbrl.org – Umsatz, operatives Ergebnis, Gewinn je Aktie, Steuern, Eigenkapital (abgerufen 11.10.2026)
- Jahresergebnis 2025 vom 12.02.2026 und Halbjahresergebnis 2026 vom 29.07.2026: Hermès Finance
- KGV 2021–2025 und KGV der letzten zwölf Monate: stockanalysis.com; KGV 2016–2020 aus Jahresschlusskursen (companiesmarketcap.com) und Gewinn je Aktie berechnet
- Wachstumsschätzungen: Simply Wall St (nicht eigens geprüft)
- Burggraben-Einstufung: eigene Einschätzung in Anlehnung an die Morningstar-Systematik
- Kurs- und Chartdaten: TradingView (EURONEXT:RMS)
Stand der Analyse: 11. Oktober 2026. Datenstand der Kennzahlen: 10.10.2026. Kurs: 1 283,00 € vom 10.10.2026.
Haftungsausschluss
Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere bergen Risiken, einschließlich des möglichen Totalverlusts des eingesetzten Kapitals. Valueforge verwendet ausschließlich vertrauenswürdige Quellen. Für die Richtigkeit wird keine Gewähr übernommen. Die Analysen spiegeln unsere aktuelle Meinung wider und sind keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Dieser Haftungsausschluss ist rechtlich verbindlich.
