Amazon Aktie (AMZN) – Analyse & fairer Wert
Ticker: AMZN ISIN: US0231351067 WKN: 906866
Amazon ist der größte Online-Händler der westlichen Welt und zugleich der größte Anbieter von Cloud-Rechenleistung. Auf dem Marktplatz verkaufen Amazon selbst und Millionen Drittanbieter, ausgeliefert über ein eigenes Logistiknetz. Mit Amazon Web Services (AWS) mietet der Konzern Rechenzentren an Unternehmen, Behörden und KI-Entwickler. Dazu kommen Werbung, das Prime-Abo, Streaming und eigene Geräte.
Fakten (Stand: 11. Oktober 2026):
- Gründung: 5. Juli 1994 durch Jeff Bezos, zunächst als „Cadabra“
- Börsengang: 15. Mai 1997
- CEO: Andrew R. Jassy (seit Juli 2021, zuvor Aufbau von AWS); Jeff Bezos ist Executive Chairman
- Hauptsitz: Seattle, Washington, USA
- Mitarbeiter: rund 1,58 Millionen
- Branche/Sektor: Online-Handel, Cloud-Computing, Werbung
- Marktkapitalisierung: ca. 2,82 Bio. USD
- Kurs: 262,43 USD (09.10.2026)
- Dividende: keine – alle Mittel fließen in Wachstum
Zyklik: Teils zyklisch. Der Handel hängt am Konsum, das Werbegeschäft an den Budgets der Händler. AWS ist stabiler, weil Unternehmen ihre Infrastruktur nicht monatlich wechseln – aber auch AWS wuchs 2023 deutlich langsamer, als Kunden Kosten sparten.
| Geschäft | Online-Handel mit eigenem Logistiknetz, Cloud (AWS), Werbung und Prime – AWS liefert 57 % des operativen Gewinns |
| Charakter | Wachstumskonzern · Umsatz je Aktie +18,7 % pro Jahr seit 2016 · operative Marge von 3 auf 11 % gestiegen · keine Dividende |
| Besonderheit | Gewinn 2025 enthält Buchgewinne aus Anthropic – ohne sie 6,16 USD statt 7,29 USD je Aktie |
| Lage 2026 | AWS wächst mit KI-Rückenwind um 37 %; dafür investiert Amazon rund 220 Mrd. USD und finanziert das erstmals auch mit neuen Schulden |
| Einordnung | Herausragendes Geschäft, nach unserer Methode überbewertet – fairer Wert im Basisfall 202,14 USD, 23 % unter dem Kurs |
Podcast zur Analyse
Die Amazon-Analyse zum Hören (ca. 24 Min.): warum die Pakete nur die Fassade sind und AWS und Werbung das Geld verdienen, wohin die rund 220 Mrd. USD Investitionen 2026 fließen, wie die Anthropic-Buchgewinne das KGV schönen – und warum der Kurs keinen Puffer für Fehler lässt.
Zur Einordnung: Der Gewinn je Aktie 2025 beträgt 7,29 US-Dollar, ohne die Anthropic-Buchgewinne 6,16 US-Dollar – nicht Euro, wie es einmal heißt; die 6,16 Dollar sind der Gewinn ohne Buchgewinne, nicht das operative Ergebnis. Der Kurs am Stichtag lag bei 262,43 Dollar. Amazon entwirft seine Chips selbst, baut aber keine Chipfabriken; der Großteil der Investitionen fließt in Rechenzentren und Server, auch mit Nvidia-Chips. Die Aufspaltung des Konzerns ist ein Gedankenspiel der Folge – die FTC-Klage ist nicht entschieden.
Geschäftsmodell
Amazon besteht aus drei Geschäften, die eng ineinandergreifen:
- Handel (eigene Ware und Marktplatz): Amazon kauft Ware ein und verkauft sie selbst („1st Party“), vor allem aber stellt es seinen Marktplatz Drittanbietern zur Verfügung („3rd Party“). Die Händler zahlen Verkaufsprovisionen und oft auch für Lagerung und Versand über Amazons Logistik („Fulfillment by Amazon“). Drittanbieter machen inzwischen mehr als die Hälfte der verkauften Stückzahl aus.
- AWS (Amazon Web Services): Seit 2006 vermietet Amazon Rechenleistung, Speicher, Datenbanken und KI-Dienste. Kunden zahlen nach Verbrauch. AWS ist der größte Cloud-Anbieter der Welt und mit Abstand der profitabelste Teil des Konzerns.
- Werbung und Abos: Händler bezahlen dafür, in den Suchergebnissen oben zu stehen – Werbung direkt am Kaufknopf. Das Prime-Abo bündelt schnellen Versand, Prime Video und Musik und bindet Kunden an den Marktplatz.
Forschung und Entwicklung: Amazon gibt für Technik und Infrastruktur mehr aus als jedes andere Unternehmen – Rechenzentren, eigene Chips (Graviton für allgemeine Rechenlast, Trainium für das Training von KI-Modellen), Logistik-Roboter und das Satelliten-Internet Project Kuiper. Dazu kommt eine Beteiligung an Anthropic, dem Entwickler des KI-Modells Claude, das auch über AWS angeboten wird.
Vertrieb: Den Handel verkauft Amazon direkt über Website und App. AWS gewinnt Großkunden über eigene Vertriebsteams und Partner, kleine Kunden buchen selbst online.
Umsatzverteilung
Umsatz je Segment im Geschäftsjahr 2025 in Mrd. USD (Quelle: Geschäftsbericht 10-K).
Operatives Ergebnis je Segment im Geschäftsjahr 2025 in Mrd. USD.
| Segment | Umsatz 2025 | Anteil | Wachstum | Operatives Ergebnis | Marge |
|---|---|---|---|---|---|
| Nordamerika (Handel, Werbung, Abos) | 426,3 Mrd. USD | 59 % | +10 % | 29,6 Mrd. USD | 6,9 % |
| International | 161,9 Mrd. USD | 23 % | +13 % | 4,7 Mrd. USD | 2,9 % |
| AWS (Cloud) | 128,7 Mrd. USD | 18 % | +20 % | 45,6 Mrd. USD | 35,4 % |
| Konzern | 716,9 Mrd. USD | 100 % | +12 % | 80,0 Mrd. USD | 11,2 % |
Werbung und Prime-Abos stecken in den Segmenten Nordamerika und International; Amazon weist sie nur als Umsatzart aus, nicht mit eigenem Ergebnis.
Nach Umsatz ist Amazon ein Händler: Mehr als vier von fünf Dollar kommen aus dem Online-Handel in Nordamerika und im Rest der Welt – eigene Ware, Gebühren von Drittanbietern, Versand, Prime-Abos und Werbung. Nach Gewinn ist Amazon ein Cloud-Konzern: AWS erzielt 18 % des Umsatzes, aber 57 % des operativen Ergebnisses.
Die Margen zeigen den Unterschied. Im Handel bleiben in Nordamerika knapp 7 Cent von jedem Dollar, international knapp 3. Bei AWS sind es 35 Cent. Dazwischen liegt das Werbegeschäft, das Amazon nicht getrennt ausweist, das aber mit hohen Margen einen wachsenden Teil des Handelsgewinns liefern dürfte.
Burggraben
Amazon hat nach unserer Einschätzung einen breiten Burggraben – und zwar gleich mehrere, die sich gegenseitig stützen. Im Handel schützt die Größe des Logistiknetzes, bei AWS schützen hohe Wechselkosten.
- Logistik in eigener Hand: Ein globales Netz aus Lagern, Sortierzentren, Flugzeugen und Lieferwagen, das Lieferungen am selben oder nächsten Tag möglich macht – über Jahrzehnte für dreistellige Milliardenbeträge aufgebaut
- Netzwerkeffekt des Marktplatzes: Mehr Käufer locken mehr Händler, mehr Händler bringen mehr Auswahl und bessere Preise – das zieht wieder Käufer an
- Wechselkosten bei AWS: Wer seine IT auf AWS aufgebaut hat, zieht nur mit großem Aufwand um
- Prime: Das Abo bindet Kunden; wer schon bezahlt hat, kauft zuerst bei Amazon
- Daten: Kaufdaten verbessern Lagerplanung, Empfehlungen und die Zielgenauigkeit der Werbung
- Billig-Konkurrenz: Temu und Shein liefern günstige Ware direkt aus China
- Cloud-Wettbewerb: Microsoft Azure und Google Cloud wachsen prozentual schneller als AWS
- Kartellrecht: Die US-Handelsbehörde FTC und die EU prüfen, ob Amazon seine Stellung gegenüber Händlern ausnutzt
- Kapitalbedarf: Der Graben muss ständig mit neuen Milliarden verteidigt werden – 2025 flossen 94 % des operativen Cashflows in Investitionen
- Abhängigkeit: Ein großer Teil des Gewinns hängt an einem einzigen Segment, AWS
Der Beleg in Zahlen: Die operative Marge stieg von rund 3 % (2016) auf 11 % (2025), die Kapitalrendite lag 2024 und 2025 bei 16 und 13 % (siehe Kennzahlen). Ein Unternehmen ohne Graben könnte seine Margen bei dieser Größe nicht ausweiten.
Quantitative Faktoren
Alle Reihen umfassen die Geschäftsjahre 2016 bis 2025. Datenquelle der Kennzahlen ist roic.ai (Datenstand 10.10.2026); Gewinn je Aktie, Cashflow, Investitionen, Aktienzahl und operative Marge haben wir mit den Geschäftsberichten bei der SEC abgeglichen. Der Aktiensplit 20:1 vom Juni 2022 ist in allen Werten berücksichtigt.
1. Umsatz je Aktie
Umsatz je Aktie in USD, Geschäftsjahre 2016–2025.
Von 14,34 auf 67,28 USD – fast das Fünffache, 18,7 % pro Jahr, in keinem Jahr rückläufig. Den größten Sprung brachte 2020, als die Pandemie den Online-Handel um Jahre nach vorn zog. Seitdem wächst der Umsatz langsamer, aber stetig um 9 bis 12 % pro Jahr.
Im ersten Halbjahr 2026 beschleunigte sich das Wachstum wieder – im zweiten Quartal auf 19,6 %, vor allem dank AWS.
2. Operative Marge
Operatives Ergebnis geteilt durch den Umsatz, in Prozent (SEC 10-K).
Bis 2022 lag die Marge zwischen 2 und 6 % – Amazon investierte jeden verdienten Dollar sofort wieder. 2022 fiel sie auf 2,4 %, weil das während der Pandemie aufgebaute Logistiknetz zu groß geworden war. Danach folgte die Wende: 6,4 % (2023), 10,8 % (2024) und 11,2 % (2025).
Zwei Dinge treiben das: der wachsende Anteil von AWS und Werbung am Gewinn und die Kostendisziplin unter Andy Jassy, die das Logistiknetz in regionale Einheiten umgebaut hat. Im zweiten Quartal 2026 lag die Marge bei 13,7 %.
3. Gewinn je Aktie
Gewinn je Aktie (unverwässert, GAAP) in USD. Das letzte Jahr ist hervorgehoben.
Von 0,25 auf 7,29 USD, unterbrochen vom Verlustjahr 2022 (−0,27 USD). Damals belasteten die Überkapazitäten in der Logistik und vor allem ein Buchverlust von 12,7 Mrd. USD auf die Beteiligung am Elektroautobauer Rivian.
Genau dieser Mechanismus wirkt inzwischen in die andere Richtung. In den 7,29 USD Gewinn je Aktie für 2025 stecken 15,2 Mrd. USD sonstige nicht-operative Erträge – überwiegend Buchgewinne aus der Neubewertung der Beteiligung am KI-Unternehmen Anthropic, allein 10,2 Mrd. USD im dritten Quartal. Das ist kein Geld aus dem laufenden Geschäft. Nach Steuern (21 %) sind es rund 1,13 USD je Aktie. Ohne diese Erträge lag der Gewinn je Aktie 2025 bei rund 6,16 USD. Das operative Geschäft ist trotzdem stark gewachsen – aber nicht ganz so stark, wie der ausgewiesene Gewinn nahelegt.
4. Operativer Cashflow und Investitionen
Operativer Cashflow (orange) und Sachinvestitionen (blau) in Mrd. USD (SEC 10-K).
Dieses Bild erklärt Amazon besser als jede andere Kennzahl. Der operative Cashflow stieg von 17 auf 140 Mrd. USD. Die Investitionen in Sachanlagen stiegen mit: erst für Lager und Sortierzentren (Höhepunkt 2021/2022), seit 2024 für Rechenzentren und KI-Chips.
2025 flossen 131,8 von 139,5 Mrd. USD zurück in Sachanlagen – 94 %. Für 2026 plant Amazon rund 220 Mrd. USD, mehr als der erwartete operative Cashflow. Ob sich das auszahlt, ist die wichtigste Frage für die Aktie.
5. Freier Cashflow je Aktie
Freier Cashflow je Aktie in USD. Das letzte Jahr ist hervorgehoben.
Der freie Cashflow – operativer Cashflow minus Investitionen – schwankt stark. 2021 und 2022 war er negativ, 2023 und 2024 lag er bei gut 3 USD je Aktie, 2025 nur noch bei 0,72 USD.
Das ist keine operative Schwäche, sondern eine Entscheidung: Amazon steckt das Geld in den Ausbau von AWS. Für Anleger heißt es aber auch, dass der heutige Börsenwert von rund 2,8 Bio. USD derzeit kaum durch freien Cashflow gedeckt ist. Bei 220 Mrd. USD Investitionen dürfte er 2026 negativ werden.
6. Buchwert je Aktie
Buchwert (Eigenkapital) je Aktie in USD.
Von 2,02 auf 38,31 USD, 38,7 % pro Jahr. Da Amazon weder Dividenden zahlt noch nennenswert Aktien zurückkauft, bleibt jeder Gewinn im Unternehmen. Der Sprung seit 2023 folgt den steigenden Gewinnen.
Bis Mitte 2026 wuchs das Eigenkapital weiter auf 551,6 Mrd. USD (Ende 2025: 411,1 Mrd. USD) – zu einem großen Teil allerdings durch die Buchgewinne aus Anthropic.
7. Kapitalrendite (ROIC)
Return on Invested Capital in Prozent; 2022 kein Wert (Verlustjahr).
Zwischen 7 und 16 %, ohne klaren Trend bis 2023 – solide, aber für ein Unternehmen mit diesem Burggraben nicht überragend. Der Grund ist das enorme eingesetzte Kapital: Lager, Rechenzentren, Lieferflotte. 2024 und 2025 lag die Rendite bei 15,8 und 13,2 %.
Der Rückgang 2025 trotz höherem Gewinn zeigt, dass die neuen Rechenzentren schon in der Bilanz stehen, ihre Erträge aber erst kommen. 2022 gibt es wegen des Verlusts keinen sinnvollen Wert.
8. Aktienanzahl
Durchschnittliche Aktienanzahl (Basic Weighted Average) in Millionen Stück. Die Achse beginnt bei 9.000 Mio.
Von 9,48 auf 10,66 Mrd. Stück, ein Plus von 12,4 % in zehn Jahren oder rund 1,2 % pro Jahr. Die Verwässerung kommt aus der Aktienvergütung der Mitarbeiter; Rückkäufe gibt es praktisch nicht.
Das ist moderat, aber nicht nichts: Jedes Jahr wächst der Gewinn je Aktie um gut einen Prozentpunkt langsamer als der Gewinn selbst.
9. Kurs-Gewinn-Verhältnis
Kurs-Gewinn-Verhältnis je Geschäftsjahr (GAAP); 2022 kein Wert (Verlustjahr).
Von 151 und 186 in den Jahren 2016/2017 auf 31,8 im Jahr 2025. Früher bezahlte der Markt fast nur Wachstum, weil Amazon kaum Gewinn auswies. Mit steigenden Gewinnen ist das KGV kräftig gesunken.
Der Zehnjahresschnitt von 82,2 ist deshalb als Anker unbrauchbar. Wir verwenden den Schnitt der vier Gewinnjahre 2021, 2023, 2024 und 2025: 43,25. Das aktuell oft genannte KGV von rund 21 auf die letzten zwölf Monate ist durch die Anthropic-Buchgewinne verzerrt: Ohne sie läge es bei rund 39.
Live-Finanzdaten von TradingView
Qualitative Faktoren
Wettbewerbsumfeld
| Wettbewerber | Wo er Amazon trifft |
|---|---|
| Walmart | Größter Händler der USA, baut Online-Handel, Marktplatz und Werbung mit Tempo aus |
| Temu, Shein, Alibaba | Billigware direkt aus China – Preisdruck im Marktplatz-Geschäft |
| Microsoft Azure | Nummer zwei im Cloud-Markt, wächst prozentual schneller, stark durch die Partnerschaft mit OpenAI |
| Google Cloud | Nummer drei, wächst am schnellsten, eigene KI-Chips und -Modelle |
| Google, Meta | Die beiden größeren Werbekonzerne – Amazon ist die Nummer drei, mit dem Vorteil, direkt am Kaufknopf zu werben |
Position: Im westlichen Online-Handel ist Amazon klar führend, bei der Cloud der größte Anbieter nach Umsatz. Microsoft und Google holen prozentual auf; AWS hält sich im zweiten Quartal 2026 mit 37 % Wachstum aber gut. Einordnung: führend in beiden Kernmärkten, mit wachsendem Druck vor allem in der Cloud.
Management und Kapitalallokation
Andy Jassy führt Amazon seit Juli 2021. Er hat AWS ab 2003 aufgebaut und zwei Jahrzehnte geleitet. Gründer Jeff Bezos ist Executive Chairman und mit knapp 9 % größter Einzelaktionär, operativ aber nicht mehr tätig. Amazon hat nur eine Aktiengattung – jede Aktie hat eine Stimme.
Kurs: Strenge Kosten im Handel – Stellenabbau 2023 und im Oktober 2025 mit zusammen mehr als 30.000 Stellen in der Verwaltung, Umbau des Logistiknetzes – und gleichzeitig maximale Investitionen in AWS und KI.
Einordnung: Die Margenwende seit 2023 ist Jassys Verdienst. Die Kapitalallokation ist für ein Unternehmen dieser Größe ungewöhnlich: keine Dividende, keine Rückkäufe, fast alles wird reinvestiert. Das ist richtig, solange die Investitionen hohe Renditen bringen. Mit 220 Mrd. USD Investitionen 2026 und neuen Schulden setzt Jassy darauf, dass die KI-Nachfrage anhält.
Verschuldung
Ende 2025 hatte Amazon 68,8 Mrd. USD langfristige Finanzschulden (roic.ai weist inklusive Leasingverbindlichkeiten 153 Mrd. USD aus). Gemessen am fast verschwundenen freien Cashflow wirkt das hoch: roic.ai kommt auf ein Verhältnis von Schulden zu freiem Cashflow von 20 Jahren. Gemessen am operativen Cashflow von 140 Mrd. USD ist die Verschuldung dagegen gering.
Neu ist die Richtung: Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die langfristigen Finanzschulden auf 133,0 Mrd. USD – Amazon finanziert die Rechenzentren inzwischen auch über Anleihen. Das Eigenkapital von 551,6 Mrd. USD trägt das problemlos.
Rechtliche Lage
- USA: Die Kartellklage der Handelsbehörde FTC aus dem Jahr 2023 wirft Amazon vor, Händler mit Gebühren und Bedingungen an die eigene Logistik zu binden und Preissenkungen auf anderen Plattformen zu bestrafen.
- EU: Amazon gilt unter dem Digital Markets Act als „Gatekeeper“ und muss eigene Angebote und die von Händlern gleich behandeln.
- Arbeitsbedingungen: Gewerkschaftsbestrebungen und Kritik an den Bedingungen in den Logistikzentren bleiben ein Thema.
Wachstumstreiber
- KI bei AWS: Das KI-Geschäft von AWS lag Mitte 2026 bereits bei mehr als 25 Mrd. USD Jahresumsatz, mit dreistelligen Wachstumsraten
- Eigene Chips: Trainium und Graviton senken die Kosten gegenüber zugekauften Prozessoren
- Werbung: +26 % im zweiten Quartal 2026, mit hohen Margen
- International: Das Segment ist erst seit Kurzem profitabel – hier ist der größte Hebel für die Handelsmarge
- Project Kuiper: Satelliten-Internet als mögliche neue Sparte
Einordnung: An Wachstum mangelt es nicht. Entscheidend ist, wie viel davon nach den Investitionen als freier Cashflow bei den Aktionären ankommt.
Risiken
- Überinvestition. 220 Mrd. USD in einem Jahr lohnen sich nur, wenn die KI-Nachfrage über Jahre anhält. Bricht sie ein, bleiben teure Rechenzentren und hohe Abschreibungen.
- Abhängigkeit von AWS. 57 % des operativen Gewinns kommen aus einem Segment. Verliert AWS Marktanteile, trifft das den ganzen Konzern.
- Gewinnqualität. Die Buchgewinne aus Anthropic schwanken mit dessen Bewertung. Sie können genauso schnell in Verluste umschlagen, wie es 2022 bei Rivian geschah.
- Margendruck im Handel. Billig-Konkurrenz, Logistikkosten und Löhne drücken auf das ohnehin schmale Handelsgeschäft.
- Regulierung. Ein Urteil in der FTC-Klage oder strengere EU-Regeln könnten das Zusammenspiel von Marktplatz, Logistik und Werbung einschränken.
Das letzte Quartal (Q2 2026, veröffentlicht am 30.07.2026)
| Kennzahl | Q2 2026 | Q2 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Umsatz | 200,6 Mrd. USD | 167,7 Mrd. USD | +19,6 % |
| Operatives Ergebnis | 27,5 Mrd. USD | 19,2 Mrd. USD | +43 % |
| Operative Marge | 13,7 % | 11,4 % | +2,3 Prozentpunkte |
| Sonstige nicht-operative Erträge | 53,4 Mrd. USD | 1,1 Mrd. USD | Anthropic-Neubewertung |
| Nettogewinn | 62,6 Mrd. USD | 18,2 Mrd. USD | +245 % |
| Gewinn je Aktie (verwässert) | 5,75 USD | 1,68 USD | durch Buchgewinn verzerrt |
| AWS: Wachstum / operative Marge | +37 % / 39,4 % | – / 32,9 % | schnellstes Wachstum seit 18 Quartalen |
| Werbung | 19,8 Mrd. USD | – | +26 % |
Umsatz, Ergebnis, nicht-operative Erträge, Nettogewinn und Gewinn je Aktie laut 10-Q bei der SEC; AWS- und Werbezahlen laut Quartalsmitteilung vom 30.07.2026. Ausblick Q3 2026: Umsatz 197–202 Mrd. USD (+9 bis 12 %), operatives Ergebnis 22,5–26,5 Mrd. USD. Investitionen 2026: rund 220 Mrd. USD (zuvor 200 Mrd. USD).
Operativ war das zweite Quartal das stärkste der Firmengeschichte: erstmals mehr als 200 Mrd. USD Umsatz in drei Monaten, ein operatives Ergebnis 43 % über dem Vorjahr und eine Marge von 13,7 %. Den größten Anteil daran hat AWS, das mit 37 % so schnell wuchs wie seit über vier Jahren nicht mehr – getragen von der Nachfrage nach Rechenleistung für künstliche Intelligenz.
Der ausgewiesene Nettogewinn von 62,6 Mrd. USD ist dagegen kein Maßstab. 53,4 Mrd. USD davon sind ein Buchgewinn aus der Neubewertung der Anthropic-Beteiligung – Amazon hat dafür kein Geld erhalten. Wer das Kurs-Gewinn-Verhältnis mit diesem Gewinn rechnet, macht die Aktie billiger, als sie ist. Die zweite Einschränkung: Für 2026 plant Amazon rund 220 Mrd. USD Investitionen, mehr als den gesamten operativen Cashflow.
Qualitatives Gesamtfazit
- Führend im Online-Handel und in der Cloud
- AWS wächst mit 37 % bei 39 % Marge
- Werbegeschäft +26 %, hochprofitabel
- Operative Marge seit 2022 von 2,4 auf 11 % (Q2 2026: 13,7 %)
- Mehrere sich stützende Burggräben
- Kaum Verwässerung, solides Eigenkapital
- Freier Cashflow durch Investitionen fast aufgezehrt
- Gewinn durch Anthropic-Buchgewinne aufgebläht
- Schulden 2026 fast verdoppelt
- Mehr als die Hälfte des Gewinns aus AWS
- Kartellverfahren in den USA und der EU
- Keine Dividende, keine Rückkäufe
Fairer Wert
Wir rechnen bei ValueForge immer nach derselben Methode, damit die Analysen untereinander vergleichbar bleiben. Sie ist bewusst einfach und bewusst streng:
In Worten: Wir schreiben den heutigen Gewinn je Aktie zehn Jahre lang mit einer realistischen Wachstumsrate fort, bewerten das Ergebnis mit dem KGV, das der Markt diesem Unternehmen historisch zugestanden hat, und zinsen den so ermittelten künftigen Kurs mit 15 % pro Jahr auf heute ab. Die 15 % sind unsere Renditeforderung: Was mehr kostet als der so errechnete Wert, verspricht uns keine 15 % pro Jahr.
Das KGV. Der Zehnjahresschnitt liegt bei 82,2 – geprägt von den Jahren 2016 bis 2020, als Amazon bewusst kaum Gewinn auswies und KGVs von 75 bis 186 entstanden. Damit käme ein fairer Wert von weit über 300 USD heraus, der die heutige, viel profitablere Amazon ignoriert. Wir verwenden deshalb den Durchschnitt der vier Gewinnjahre 2021, 2023, 2024 und 2025 (50,7 / 51,6 / 38,9 / 31,8): 43,25. 2022 fehlt, weil es ein Verlustjahr ohne KGV war.
Der Gewinn. In den 7,29 USD Gewinn je Aktie für 2025 stecken 15,2 Mrd. USD sonstige nicht-operative Erträge – überwiegend Buchgewinne aus der Neubewertung der Beteiligung am KI-Unternehmen Anthropic, allein 10,2 Mrd. USD im dritten Quartal. Das ist kein Geld aus dem laufenden Geschäft. Nach Steuern (21 %) sind es rund 1,13 USD je Aktie. Im Basisfall rechnen wir trotzdem mit den ausgewiesenen 7,29 USD, weil Amazon regelmäßig solche Beteiligungserträge (und 2022 auch -verluste) verbucht. Das pessimistische Szenario zeigt, was ohne sie bleibt: 6,16 USD.
| Parameter | Wert | Herleitung |
|---|---|---|
| Zeitraum | 10 Jahre | feste Regel |
| Diskontsatz | 15 % p. a. | feste Regel – unsere Renditeforderung |
| Historisches KGV | 43,25 | Durchschnitt der Gewinnjahre 2021, 2023–2025; voller Zehnjahresschnitt 82,2 |
| Wachstum | 10 % p. a. | Der kurzfristige Analystenkonsens für das Gewinnwachstum liegt bei rund 9 %, Mehrjahresschätzungen bei 15 bis 25 %. Wir setzen 10 % an – bewusst vorsichtig, weil der Investitionszyklus den Gewinn der nächsten Jahre mit hohen Abschreibungen belasten wird |
| Gewinn je Aktie | 7,29 USD | Geschäftsjahr 2025, unverwässert, GAAP (SEC 10-K); ohne Anthropic-Buchgewinne 6,16 USD |
| Kurs | 262,43 USD | Kurs vom 09.10.2026 |
Die Rechnung im Basisfall
| Schritt | Ergebnis |
|---|---|
| Gewinn je Aktie heute (2025) | 7,29 USD |
| Gewinn je Aktie in zehn Jahren bei 10 % Wachstum | 18,91 USD |
| Kurs in zehn Jahren bei einem KGV von 43,25 | 817,79 USD |
| Abzinsungsfaktor bei 15 % über zehn Jahre | 4,046 |
| Fairer Wert heute | 202,14 USD |
Die ValueForge-Watchlist führt Amazon mit genau diesem fairen Wert (202,14 USD).
Szenarien
Jede Zeile verwendet dieselbe Formel und denselben Diskontsatz; unterschiedlich sind Gewinnbasis, Wachstum und KGV-Anker.
Fairer Wert je Szenario gegen den aktuellen Kurs. Grün: über dem Kurs. Orange: darunter. Diskontsatz jeweils 15 %.
| Szenario | Gewinnbasis | Wachstum | KGV-Anker | Fairer Wert | gegen den Kurs |
|---|---|---|---|---|---|
| KGV bleibt auf dem Niveau von 2025 | 7,29 | 10 % | 31,80 | 148,63 USD | -43,4 % |
| Pessimistisch – ohne Anthropic-Buchgewinne | 6,16 | 10 % | 43,25 | 170,81 USD | -34,9 % |
| Basisfall | 7,29 | 10 % | 43,25 | 202,14 USD | -23,0 % |
| Optimistisch – Wachstum am Deckel | 7,29 | 15 % | 43,25 | 315,29 USD | +20,1 % |
Gewinnbasis in USD je Aktie. 15 % Wachstum ist der Deckel unserer Methode; Mehrjahresschätzungen von Analysten liegen bei 15 bis 25 %.
Bewertungsband vom pessimistischen bis zum optimistischen Szenario gegen den aktuellen Kurs.
Der Kurs von 262,43 USD liegt über allen Szenarien bis auf das optimistische. Damit die Rechnung aufgeht, muss der Gewinn je Aktie zehn Jahre lang um rund 12,9 % pro Jahr wachsen – beim KGV-Anker von 43,25. Bleibt es bei 10 % Wachstum, müsste der Markt Amazon in zehn Jahren ein KGV von rund 56 zubilligen.
Das optimistische Szenario (315,29 USD) liegt fast genau im Bereich der Analysten-Kursziele von rund 280 bis 330 USD. Der Unterschied zu unserem Basisfall ist also keine Frage der Methode, sondern der Annahme: Analysten rechnen mit 15 % und mehr Gewinnwachstum, wir im Basisfall mit 10 %.
Anders gesagt: Wer heute kauft, setzt darauf, dass sich der KI-Investitionszyklus voll auszahlt – und hat dafür keine Sicherheitsmarge.
Sensitivität
Was passiert, wenn Wachstum und Ziel-KGV anders ausfallen? Zeilen: jährliches Gewinnwachstum. Spalten: KGV, mit dem der Gewinn in zehn Jahren bewertet wird. Gewinnbasis 7,29 USD (2025), Diskontsatz 15 %, alle Werte in USD je Aktie.
| Wachstum | 31,80 | 38,90 | 43,25 | 50,00 |
|---|---|---|---|---|
| 8 % | 123,71 | 151,33 | 168,26 | 194,52 |
| 10 % | 148,63 | 181,81 | 202,14 | 233,69 |
| 12 % | 177,97 | 217,71 | 242,06 | 279,83 |
| 15 % | 231,82 | 283,58 | 315,29 | 364,50 |
Grün hinterlegt: fairer Wert über dem aktuellen Kurs von 262,43 USD. Orange: innerhalb von 20 % darunter. Spalten: KGV 2025, KGV 2024, unser Anker (hervorgehoben) und ein KGV von 50. Der Schnittpunkt mit der Zeile 10 % ist unser Basisfall.
Value-Rechner – drei Szenarien selbst einstellen
Unsere Annahmen sind nicht die einzig möglichen. Der Rechner ist mit den drei Szenarien vorbelegt; Gewinn je Aktie, Wachstum, KGV und Rendite lassen sich in jeder Spalte frei verstellen. Der Kurs kommt live aus unserer Watchlist.
Fairer Wert von Amazon in drei Szenarien
Erfüllt die Aktie die Value-Kriterien?
- ✓✓Umsatz wächst mindestens 7 % pro Jahr21,0 % p. a. · stark
- ✓✓Gewinn je Aktie wächst mindestens 7 % pro Jahr60,7 % p. a. · stark
- ✕Free Cashflow wächst mindestens 7 % pro Jahr0,3 % p. a. · verfehlt
- ✓✓Eigenkapital je Aktie wächst39,1 % p. a. · stark
- ✓Kapitalrendite (ROIC) im Schnitt über 10 %13,5 % im Schnitt · erfüllt
- ✓✓Bruttomarge stabil oder steigend48,7 % (3 J.) zu 42,5 % · stark
- ✕Schulden in unter 3 Jahren aus dem Free Cashflow tilgbar8,5 Jahre FCF · verfehlt
- –Kurs liegt unter dem fairen Wert
Ergebnis und Sicherheitsmarge
Fairer Wert im Basisfall: 202,14 USD
Aktueller Kurs: 262,43 USD
Der Kurs liegt rund 30 % über dem fairen Wert – nach unserer Systematik (mehr als 10 %) überbewertet.
Spanne der Szenarien: 170,81 bis 315,29 USD.
Nach diesem Modell besteht derzeit keine Sicherheitsmarge.
Bei einer Marge von 20 % auf den Basisfall läge die Schwelle bei rund 162 USD – das ist auch das Kaufziel in unserer Watchlist.
Das ist kein Kursziel und keine Prognose, sondern die Schwelle, ab der die geforderten 15 % Jahresrendite auch mit einem Puffer für Fehler in unseren Annahmen erreichbar wären.
Was diese Methode nicht leistet. Sie ist kein vollständiger Unternehmens-DCF. Bei Amazon unterschätzt sie womöglich, was ein reifer Investitionszyklus an freiem Cashflow freisetzen kann – und sie überschätzt den Wert, wenn die heutigen Investitionen keine Rendite bringen. Wer anders gewichtet, kann im Rechner eigene Werte einsetzen.
Fazit
Amazon ist in den letzten drei Jahren ein anderes Unternehmen geworden. Die operative Marge stieg von 2,4 % (2022) auf 11,2 % (2025) und im zweiten Quartal 2026 auf 13,7 %. AWS wächst mit KI-Rückenwind wieder um 37 % bei fast 40 % Marge, das Werbegeschäft um 26 %. Der Burggraben ist breit, das Management liefert.
Die Kehrseite: Fast jeder verdiente Dollar fließt in Rechenzentren. 2025 blieben nach Investitionen nur 0,72 USD freier Cashflow je Aktie, 2026 plant Amazon rund 220 Mrd. USD und nimmt dafür neue Schulden auf. Und ein wachsender Teil des ausgewiesenen Gewinns sind Buchgewinne aus der Anthropic-Beteiligung – das macht das KGV niedriger, als es ist.
Mit dem Gewinn 2025 (7,29 USD), 10 % Wachstum und dem KGV-Anker von 43,25 kommen wir auf 202,14 USD – den Wert unserer Watchlist. Beim Kurs von 262,43 USD ist Amazon nach unserer Methode überbewertet. Nur das optimistische Szenario mit 15 % Gewinnwachstum über zehn Jahre (315,29 USD) liegt über dem Kurs.
Vier Punkte würden wir im Blick behalten:
- Hält das AWS-Wachstum über 30 % – und steigt die Marge trotz höherer Abschreibungen?
- Wann dreht der freie Cashflow nach dem Investitionsgipfel wieder ins Plus?
- Wie viel des Gewinns stammt weiter aus Beteiligungen statt aus dem Geschäft?
- Was wird aus der Kartellklage der FTC?
Unsere Einordnung: herausragendes Geschäft, nach unserer Methode überbewertet. Für einen Einstieg mit Sicherheitsmarge wäre ein Kurs um 162 USD nötig.
Quellen
Quellen & Referenzen:
- Kennzahlen 2016–2025: roic.ai (Datenstand 10.10.2026)
- Geschäftsbericht 2025 (10-K) und Quartalsbericht Q2 2026 (10-Q): SEC EDGAR – Umsatz, operatives Ergebnis, Gewinn je Aktie, nicht-operative Erträge, Cashflow, Investitionen, Aktienzahl, Schulden (abgerufen 11.10.2026)
- Quartalsmitteilung Q2 2026 vom 30.07.2026 (Segmentzahlen AWS und Werbung, Ausblick): Amazon Investor Relations
- KGV der letzten zwölf Monate und Forward-KGV: stockanalysis.com
- Wachstumsschätzungen und Kursziele: Simply Wall St, TIKR, 24/7 Wall St (nicht eigens geprüft)
- Burggraben-Einstufung: eigene Einschätzung in Anlehnung an die Morningstar-Systematik
- Kurs- und Chartdaten: TradingView (NASDAQ:AMZN)
Stand der Analyse: 11. Oktober 2026. Datenstand der Kennzahlen: 10.10.2026. Kurs: 262,43 USD vom 09.10.2026.
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