So bewerten wir Aktien
Jede Analyse auf valueforge.de folgt denselben Regeln. Hier stehen alle an einem Ort: woher die Annahmen kommen, wie die Qualitätspunkte vergeben werden, warum wir mit 15 % rechnen – und was sich wann an der Methode geändert hat.
Stand: 7. November 2026 · Keine Anlageberatung – ein fairer Wert ist eine begründete Schätzung, keine Vorhersage.
| Gewinn je Aktie (letzte vier Quartale, bereinigt) | 17,77 USD |
| Wachstum g pro Jahr (zwischen Konsens und eigenen Bausteinen) | 16 % |
| End-KGV (2 × g, höchstens Zehnjahresschnitt) | 29,9 |
| Abgezinster Kurs in zehn Jahren (15 % pro Jahr) | 579,38 USD |
| + Dividenden der zehn Jahre (D = 3,64 USD) | 38,19 USD |
| + Nettokasse je Aktie (K) | −5,65 USD |
| Fairer Wert nach valueforge-Standard | 611,91 USD |
Das Zinsergebnis liegt bei Microsoft weit unter 5 % des Gewinns, deshalb rechnen wir mit dem normalen Gewinn je Aktie (Regel 2.5a greift nicht). Zahlen aus der Microsoft-Analyse vom 30.10.2026 (Standard 2.5 seit 31.10.).
Auf einen Blick
In vier Schritten vom Geschäftsbericht zum Kaufziel
Die Grundidee stammt aus dem klassischen Value-Investing: Was ist ein Unternehmen wert, wenn es so weiterwächst, wie es Zahlen und Analysten nahelegen – und welchen Preis darf man heute zahlen, um damit 15 % im Jahr zu verdienen?
Qualität prüfen
14 Punkte aus sieben Kennzahlen über zehn Jahre, danach eine Gegenprüfung. Bei „schwach“ (0–5 Punkte) gibt es kein Kaufziel und keine Kaufzone – egal wie günstig die Aktie ist.
Annahmen festlegen
Wachstum aus dem Analystenkonsens der nächsten zwei bis drei Jahre, abgeglichen mit unseren eigenen Bausteinen; End-KGV nach fester Regel. Keine Annahme ohne Quelle.
Wert rechnen
Gewinn zehn Jahre hochrechnen, mal End-KGV, auf heute abzinsen, plus Dividenden und Nettokasse. Dazu vier Fälle und eine Gegenrechnung über den freien Cashflow.
Sicherheitsmarge abziehen
Kaufziel = fairer Wert minus 20 bis 30 % je nach Qualitätsstufe, bei Zyklikern 10 Punkte mehr. Erst darunter sprechen wir von der Kaufzone.
Die Stellschrauben
Fünf Annahmen tragen jeden Wert – so legen wir sie fest
Ein fairer Wert hängt an wenigen Zahlen. Damit er nicht davon abhängt, wer gerade rechnet, folgen alle Annahmen festen Regeln. In jeder Analyse steht oben eine Wertbrücke, die jede Stellschraube mit einem Satz begründet.
| Stellschraube | Regel | Begründung und Gegenstück |
|---|---|---|
| Zielrendite 15 % | Unsere persönliche Hürde: Wir kaufen nur, wenn auch bei Fehlern in den Annahmen noch eine gute Rendite bleibt. Das ist strenger als die üblichen Kapitalkosten. Genau genommen ist unser fairer Wert also der Preis, zu dem bei unseren Annahmen 15 % Rendite im Jahr drin sind. Am Kaufziel (20 bis 30 % darunter) wären es rund 18 bis 19 %. | Daneben steht in jeder Analyse der Profi-Wert mit 9 % – die implizite erwartete Marktrendite nach Aswath Damodaran (NYU Stern): 8,8 % am 1. September, 9,0 % am 1. Oktober 2026. |
| Wachstum g | Analystenkonsens für den Gewinn je Aktie der nächsten zwei bis drei Jahre (mit Quelle und Datum), abgeglichen mit eigenen Bausteinen: Umsatzwachstum + Rückkäufe aus der eigenen Historie + Margenentwicklung. | Gedeckelt durch das tatsächliche Gewinnwachstum der letzten zehn Jahre. Weichen Konsens und Bausteine ab, entscheiden wir mit Begründung auf der Seite, im Zweifel für das vorsichtigere Ende. |
| End-KGV | 2 × Wachstum in Prozent, mindestens 12, höchstens der eigene Zehnjahresschnitt des KGV. Bei 16 % Wachstum also höchstens 32 – Microsoft liegt mit 29,9 am Zehnjahresschnitt. | Die Regel stammt aus der Rule-#1-Methode von Phil Town. Im Profi-Wert höchstens 18 (Gordon-Formel: 85 % Ausschüttung, 4 % Dauerwachstum, 9 % Kapitalkosten). |
| Dividenden und Kasse | Seit Standard 2.5 zählen die abgezinsten Dividenden der zehn Jahre und die Nettokasse je Aktie (Barmittel minus Finanzschulden) zum Wert; Nettoschulden ziehen ab. | Warum das so ist, erklärt der nächste Abschnitt „Was du als Aktionär außer dem Kurs bekommst“. |
| Gewinn je Aktie | Letzte vier Quartale, um Einmaleffekte bereinigt (Steuersondereffekte, Abschreibungen, Rechtsstreit, Beteiligungsgewinne). GAAP-Wert und bereinigter Wert stehen nebeneinander. | Nach Aktiensplits prüfen wir jede Zehnjahresreihe nach – Datenanbieter rechnen dort oft falsch. |
Dividenden und Kasse (seit Standard 2.5)
Was du als Aktionär außer dem Kurs bekommst
Das Gewinnmodell beantwortet eine Frage: Was ist die Aktie in zehn Jahren wert? Wer die Aktie zehn Jahre hält, bekommt aber mehr als den Kurs am Ende – nämlich die Dividenden unterwegs und von Anfang an seinen Anteil an der Kasse der Firma. Bis Ende Oktober 2026 fehlten beide Teile in unserer Rechnung. Das traf Firmen mit hohen Ausschüttungen oder viel Geld auf dem Konto: Sie erschienen zu teuer.
Dividenden unterwegs
Was eine Firma in den zehn Jahren ausschüttet, landet auf deinem Konto – und steckt damit nicht mehr im Kurs am Ende. Ohne diesen Schritt bekäme eine Firma, die viel ausschüttet, für das ausgeschüttete Geld keinen Cent angerechnet. Wir rechnen mit der Dividende der letzten zwölf Monate, lassen sie mit dem Gewinn wachsen und zinsen jede Zahlung mit 15 % ab: Ein Dollar in acht Jahren ist heute nur gut 30 Cent wert.
Kasse und Schulden heute
Mit der Aktie kaufst du deinen Anteil am Bankkonto der Firma – und an ihren Krediten. Das Gewinnmodell bewertet nur das laufende Geschäft. Ein Laden, dessen Geschäft 100.000 € wert ist und der 30.000 € auf dem Konto hat, ist 130.000 € wert; hat er stattdessen 30.000 € Kredit, nur 70.000 €. Darum zählt die Nettokasse (Barmittel minus Finanzschulden) je Aktie dazu, Nettoschulden ziehen ab.
Zinsen nicht doppelt zählen
Liegt viel Geld auf dem Konto, bringt es Zinsen – und die stecken schon im Gewinn je Aktie, den wir zehn Jahre hochrechnen. Zählten wir zusätzlich die Kasse, wäre dasselbe Geld zweimal im Wert. Machen die Zinsen mehr als 5 % des Gewinns aus, rechnen wir deshalb mit dem Gewinn ohne sie (bei Veeva waren es 23 %). Bei Schulden umgekehrt: Wir ziehen sie ab und rechnen mit dem Gewinn vor ihren Zinsen, sonst belasten sie den Wert zweimal.
| Abgezinster Kurs in zehn Jahren | 579,38 USD |
| + abgezinste Dividenden der zehn Jahre | 38,19 USD |
| + Nettokasse je Aktie (Microsoft hat etwas mehr Finanzschulden als Barmittel) | −5,65 USD |
| = fairer Wert nach valueforge-Standard | 611,91 USD |
Microsoft zahlt eine Dividende, die über zehn Jahre abgezinst rund 38 USD je Aktie ausmacht. Die Finanzschulden liegen knapp über den Barmitteln, das kostet 5,65 USD. Zusammen hebt Standard 2.5 den Wert um 32,54 USD oder gut 5 %.
Ehrlich zur Unsicherheit
Wie stark der Wert an den Annahmen hängt
Das Modell reagiert empfindlich: Weil das End-KGV dem Wachstum folgt, verschieben schon zwei Prozentpunkte Wachstum den Wert um ein Drittel und mehr. Ein Beispiel mit runden Zahlen (Gewinn je Aktie 10 USD, ohne Dividenden und Kasse):
| Annahme | Wert bei 15 % | Abstand zum Ausgangsfall |
|---|---|---|
| 8 % Wachstum, End-KGV 16 | 85,38 USD | −33 % |
| 10 % Wachstum, End-KGV 20 | 128,23 USD | Ausgangsfall |
| 12 % Wachstum, End-KGV 24 | 184,25 USD | +44 % |
| Zielrendite | Wert bei 10 % / KGV 20 |
|---|---|
| 15 % (valueforge) | 128,23 USD |
| 12 % | 167,02 USD |
| 10 % | 200,00 USD |
| 9 % (Profi) | 219,12 USD |
Spanne statt Punktwert
Vier Fälle, feste Gewichte, vier Kurszonen
Die Gewichte sind eine Setzung, keine Statistik: Sie sagen, wie wir die Fälle gegeneinander abwägen, und gelten für alle Analysen gleich. Abweichungen nur mit Begründung für die einzelne Firma. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, sondern ordnen den Kurs einer von vier Zonen zu.
| Fall | Gewicht | Was er bedeutet |
|---|---|---|
| Stress | 10 % | Extremverlauf, wenn mehrere Risiken der Gegenthese zugleich eintreten. Ein Fall kann nicht unter null fallen. |
| schwach | 20 % | Ein Teil der Risiken tritt ein, das Geschäft wächst deutlich langsamer. |
| Basis | 50 % | Unsere Annahmen wie oben. Watchlist und Value-Rechner führen diesen Wert. |
| stark | 20 % | Die Chancen der Firma gehen auf, mit Wachstum über dem Konsens. |
| Kurszone | Bedingung |
|---|---|
| Kaufzone | Kurs unter dem Kaufziel (valueforge-Wert minus Sicherheitsmarge) |
| beobachten | Kurs zwischen Kaufziel und valueforge-Wert |
| für 15-%-Anleger zu teuer | Kurs zwischen valueforge-Wert und Profi-Wert |
| überbewertet | Kurs über beiden Werten |
Qualitätsprüfung
14 Punkte – und eine Gegenprüfung, die nur abziehen kann
Sieben Kennzahlen aus den Jahresabschlüssen der letzten zehn Jahre, je 0, 1 oder 2 Punkte. Die Schwellen sind dieselben wie in der Watchlist und im Value-Rechner. Weist eine Firma eine Kennzahl nicht aus (etwa Visa die Bruttomarge), rechnen wir die übrigen auf 14 Punkte hoch.
Woher die Kriterien stammen: Fünf davon gehen auf die „Big Five“ von Phil Town (Rule #1) zurück – Kapitalrendite sowie Wachstum von Umsatz, Gewinn je Aktie, Eigenkapital und Cashflow, dort jeweils mindestens 10 % im Jahr. Wir vergeben abgestuft 1 Punkt ab 7 % und 2 Punkte ab 12 % und haben Bruttomarge und Schulden ergänzt. Die Schwellen sind eine Setzung, keine statistische Herleitung. Weil vier der sieben Kriterien Wachstum messen, schneiden reife Firmen mit hoher Marge, aber wenig Wachstum schwächer ab.
| Kriterium | 1 Punkt | 2 Punkte |
|---|---|---|
| Umsatzwachstum | ab 7 % pro Jahr | ab 12 % |
| Gewinnwachstum je Aktie | ab 7 % pro Jahr | ab 12 % |
| Free-Cashflow-Wachstum | ab 7 % pro Jahr | ab 12 % |
| Eigenkapital je Aktie | wächst überhaupt | ab 7 % pro Jahr |
| Kapitalrendite (ROIC) | ab 10 % im Schnitt | ab 20 % |
| Bruttomarge | letzte drei Jahre höchstens 3 Punkte unter dem Zehnjahresschnitt | mindestens 1 Punkt darüber |
| Schulden | aus weniger als 3 Jahren Free Cashflow tilgbar | unter 1 Jahr oder schuldenfrei |
Die Gegenprüfung
Zehnjahreswerte können täuschen. Deshalb vergeben wir jeden Punkt ein zweites Mal:
- Beruht ein Punkt auf Zukäufen, Rückkäufen, Kapitalerhöhungen oder alten Wachstumsjahren, gibt es 1 statt 2 – gilt er heute nicht mehr, 0.
- Bei den Wachstumskriterien zählen zusätzlich das zuletzt abgeschlossene Jahr und der aktuelle Stand (letzte vier Quartale bzw. Prognose): beide über der Schwelle = 2, nur das Vorjahr = 1, keins = 0.
- Nach einem schwachen Vorjahr gibt es 1 Punkt, wenn die letzten vier Quartale und der Ausblick die Schwelle wieder erreichen – höchstens so viele Punkte wie nach den Zehnjahreswerten.
Die Stufe nach der Gegenprüfung bestimmt die Sicherheitsmarge. Für Zykliker (Hausbau, Rohstoffe, Chips, Autos) steigt die Sicherheitsmarge um 10 Prozentpunkte.
| Stufe | Punkte | Sicherheitsmarge |
|---|---|---|
| Spitze | 12–14 | 20 % |
| stark | 9–11 | 25 % |
| solide | 6–8 | 30 % |
| schwach | 0–5 | kein Kaufziel, keine Kaufzone |
Wenn die Formel nicht passt
Methode nach Firmentyp
Die Standardformel gilt nur, wo sie passt. Bei Banken, Beteiligungsgesellschaften oder Zyklikern führt sie in die Irre. Dann wechseln wir die Methode – und sagen auf der Seite in einem eigenen Kasten, warum.
| Firmentyp | Ausgangsgröße | Bewertungsanker |
|---|---|---|
| Wachstum und Qualität | Gewinn je Aktie, bereinigt | Formel oben + Gegenrechnung über den freien Cashflow |
| Zykliker | Gewinn über den Zyklus (Zehnjahres-Marge × heutiger Umsatz je Aktie) | Zyklus-KGV, dazu Kurs/Buchwert |
| Banken und Versicherer | Buchwert, Eigenkapitalrendite | Kurs/Buchwert gegen Eigenkapitalrendite, keine Verrechnung von Kasse und Schulden |
| BDCs (Beteiligungsgesellschaften) | Nettoanlageertrag (NII) je Aktie | Zehnjahresschnitt Kurs/NII statt 2 × g, Kurs/NAV als Anker |
| Verlust- und Frühphasenfirmen | Umsatz, Reichweite der Kasse | Szenario-Umsatz × Zielmarge, ausdrücklich spekulativ |
| Euro-Werte | wie der jeweilige Typ | Währung durchgängig, Hinweis auf den Wechselkurs |
Mehr als eine Zahl
Was jede Analyse außerdem enthält
Burggraben mit Belegen
Art des Vorteils, mindestens drei Belege aus den Zahlen, wer ihn angreifen kann, Urteil breit / schmal / keiner.
Kapitalrendite zerlegt
ROIC = Marge × Kapitalumschlag, mit und ohne Goodwill, dazu die Rendite auf neu investiertes Kapital.
Kapitalverwendung
Wohin das Geld floss – und ob Rückkäufe unter oder über dem damaligen fairen Wert stattfanden.
Gegenthese
„Die Aktie hat sich halbiert – warum?“: drei plausible Gründe und messbare Abbruchkriterien.
Konsens und Wettbewerber
Unsere Zahlen neben den Analystenschätzungen, drei bis fünf Vergleichsfirmen.
Vergütung
Woran der Vorstandsbonus hängt und ob Rückkäufe ihn treiben.
So sichern wir die Zahlen ab
Primärquellen zuerst
Jahres- und Quartalsberichte (10-K, 10-Q, 20-F, Geschäftsberichte), Daten der US-Börsenaufsicht SEC. Analystenschätzungen und Presse nur ergänzend, mit Quelle und Datum an der Zahl; Unbestätigtes ist markiert.
Eine Zahl an drei Orten
Analyse, Value-Rechner und Watchlist zeigen denselben fairen Wert. Ein Prüfskript vergleicht alle drei vor jeder Veröffentlichung.
Gegenprüfung vor der Veröffentlichung
Ein getrennter Prüflauf sucht Rechenfehler, Widersprüche und zu positive Formulierungen; die Befunde werden vor dem Veröffentlichen abgearbeitet.
Monatlicher Aktualitätscheck
Jeden Monat prüfen wir alle Analysen auf Kurssprünge, neue Quartalszahlen, Meldungen an die SEC und widersprüchliche Angaben auf der Seite.
Änderungsprotokoll
Ab der zweiten Fassung nach Standard 2.0 steht jede Änderung eines Werts mit Datum, altem und neuem Wert und Grund in der Analyse.
Trefferbilanz
Seit 7. November 2026 halten wir jeden fairen Wert und jedes Kaufziel mit Datum, Kurs und S&P-500-Stand fest. Nach 6, 12 und 24 Monaten rechnen wir ab: Hat die Aktie den Index geschlagen, hat sich der Kurs dem Wert genähert? Erste Auswertung im Mai 2027.
Offenlegung
Eigene Positionen nennen wir in der Analyse und auf Mein Depot.
Rückblick-Test (November 2026)
Hätte die Formel früher funktioniert? Ein ehrlicher Test
Wir haben die Kernregeln auf die Vergangenheit angewendet: an jedem 1. April von 2013 bis 2021, jeweils nur mit den Zahlen, die damals schon bei der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet waren. Einbezogen waren alle US-Firmen mit mehr als 10 Milliarden Dollar Aktien im Streubesitz – je Jahr 270 bis 470 Firmen, zusammen rund 2.500 Bewertungen. Danach haben wir gemessen, wie sich die Aktien über ein, drei und fünf Jahre gegen den S&P 500 mit Dividenden entwickelt haben. Die Regeln standen fest, bevor wir das erste Ergebnis gesehen haben.
Getestet ist das Gerüst, nicht die ganze Analyse. Analystenschätzungen von damals gibt es nicht frei. Das Wachstum haben wir deshalb aus den fünf Jahren davor genommen – einmal aus dem Gewinn, einmal aus dem Umsatz, höchstens 20 % im Jahr. Gerechnet wurde mit dem Gewinn laut Bilanz, ohne Bereinigung, ohne Gegenprüfung und ohne Blick auf Burggraben oder Ausblick.
Die Qualitätsnote ordnet richtig
Je besser die Stufe, desto besser liefen die Aktien danach. Spitze und stark lagen in sechs bis sieben von neun Jahrgängen vor schwach – das ist mehr als Zufall.
Die Kaufzone bringt kaum Vorsprung
Über den ganzen Markt lag sie leicht vorn. Unter Qualitätsaktien – also dort, wo wir wirklich suchen – gewann sie nur in vier bis fünf von neun Jahrgängen. Das lässt sich vom Zufall nicht unterscheiden.
Das Wachstum hält oft nicht
In zwei Dritteln der Kaufzonen-Fälle kam später nicht einmal die Hälfte des angenommenen Wachstums. Diese Aktien lagen rund 8 Prozentpunkte im Jahr hinter dem Index – die Sicherheitsmarge fängt das nicht ab.
Die Zahlen
Durchschnittliche Rendite pro Jahr mit Dividenden, wenn man jede Aktie fünf Jahre gehalten hätte. Alle Gruppen haben Geld verdient – die Frage ist, welche mehr. Kaufzone sind die Aktien, deren Kurs am Stichtag unter unserem Kaufziel lag; übrige alle anderen derselben Gruppe. Die letzte Spalte zählt, in wie vielen der neun Jahrgänge die Kaufzone vor den übrigen lag – fünf von neun ist Münzwurf.
| Qualitätsstufe | Rendite pro Jahr | S&P 500 zum Vergleich |
|---|---|---|
| Spitze | 11,4 % | 13,8 % |
| stark | 10,8 % | 14,0 % |
| solide | 10,4 % | 13,8 % |
| schwach | 9,3 % | 13,5 % |
| Gruppe | Kaufzone | übrige | S&P 500 | Kaufzone vorn in … Jahrgängen |
|---|---|---|---|---|
| ganzer Markt, Wachstum aus dem Gewinn | 11,1 % | 10,0 % | ≈ 14 % | 5 von 9 |
| ganzer Markt, Wachstum aus dem Umsatz | 13,4 % | 9,8 % | ≈ 14 % | 7 von 9 |
| nur Qualitätsaktien (Spitze/stark), Gewinn | 11,4 % | 10,9 % | ≈ 14 % | 4 von 9 |
| nur Qualitätsaktien (Spitze/stark), Umsatz | 12,8 % | 10,6 % | ≈ 14 % | 5 von 9 |
Zur Einordnung: Das war eine außergewöhnlich gute Börsenzeit. Langfristig bringt der S&P 500 mit Dividenden rund 10 % im Jahr, nach Inflation rund 7 %. In den Testjahren waren es je nach Jahrgang zwischen 5,8 % (2015 bis 2020) und 19,8 % (2020 bis 2025, Start im Corona-Tief).
Was der Test nicht kann
- Übernommene Firmen fehlen. Rund 630 Bewertungen betreffen Firmen, die es heute nicht mehr gibt – fast alle wurden übernommen. Ihre alten Kurse sind nicht frei verfügbar. Das Ergebnis ist deshalb vorläufig.
- Gleiche Regeln für alle. Banken, Versicherer und Immobilienfirmen liefen mit derselben Formel, für die sie in unseren Analysen nicht gilt.
- Abhängige Beobachtungen. Dieselbe Firma kommt in mehreren Jahrgängen vor, die Halteräume überlappen sich. Wir zählen deshalb, in wie vielen Jahrgängen ein Ergebnis hält, statt nur Durchschnitte zu zeigen.
Was wir daraus machen
- Die Qualitätsnote bleibt der Hauptfilter – sie hat sich im Rückblick am besten bewährt.
- Die Kaufzone verstehen wir als Einstiegshilfe für ohnehin gute Firmen, nicht als Renditeversprechen.
- Die Wachstumsannahme ist die größte Fehlerquelle. Vorschläge, sie strenger zu prüfen, sammeln wir für die nächste Überarbeitung (der Standard ist bis 31. März 2027 eingefroren).
- Ob unsere vollständigen Analysen mit Konsens und Gegenprüfung besser treffen als das Gerüst, zeigt die Trefferbilanz ab Mai 2027.
Versionsgeschichte
Was sich an der Methode geändert hat – und warum Werte springen
Ändert sich eine Regel, gilt sie für alle Analysen. Ein neuer fairer Wert kann deshalb zwei Ursachen haben: neue Zahlen der Firma oder eine geänderte Regel. Das Änderungsprotokoll jeder Analyse sagt, welche es war. Ältere Videos und Podcasts bleiben online und tragen einen Hinweis auf den damaligen Wert.
- 07.11.2026Standard 2.5c: Erholung nach einem schwachen Vorjahr ergibt 1 Punkt (höchstens der Zehnjahreswert); eigene Fassung für Beteiligungsgesellschaften (BDCs).
- 01.11.2026Standard 2.5a/b: Zinsen auf mitgezählte Kasse nicht doppelt zählen (seit 03.11. auch für Schulden); Gegenprüfung der Wachstumskriterien für alle Analysen einheitlich.
- 31.10.2026Standard 2.5: Abgezinste Dividenden und Nettokasse zählen zum Wert. Firmen mit hohen Ausschüttungen oder viel Kasse waren vorher zu niedrig bewertet; alle Analysen nach 2.4 wurden am selben Tag umgestellt, ältere bei ihrer Überarbeitung.
- 22.10.2026Standard 2.4: Wachstum aus dem Analystenkonsens ohne zusätzliches Abbremsen, End-KGV nach der Regel 2 × g. Vorher war das Modell dreifach vorsichtig und hätte kaum je „günstig“ gesagt – viele Werte stiegen deshalb.
- 22.10.2026Standard 2.3: Zwei Blickwinkel (Profi 9 %, valueforge 15 %), vier Fälle mit Gewichten 10/20/50/20, Sicherheitsmarge nach Qualitätsstufe, Kurszonen statt Empfehlung.
- 22.10.2026Standard 2.2: Wertbrücke Schritt für Schritt, Stressfall, Abschnitt zur Vorstandsvergütung.
- 22.10.2026Standard 2.1: Die Rechnung steht oben auf der Seite; Wert bei 10 % Zielrendite daneben; Gegenprüfung der Qualitätspunkte; Quellen direkt an der Zahl.
- 22.10.2026Standard 2.0: Grundgerüst: Gewinn-Multiplikator-Modell mit Gegenrechnung über den freien Cashflow, Burggraben mit Belegen, Kapitalrendite zerlegt, Kapitalverwendung, Gegenthese und Abbruchkriterien, Qualitätsprüfung vor der Bewertung.
Fazit
Vorteile und Nachteile unserer Methode
Keine Bewertungsmethode ist richtig, sie kann nur nachvollziehbar und ehrlich sein. Die meisten Nachteile unten treffen jede Bewertung, die in die Zukunft rechnet – entscheidend ist, ob man sie offenlegt und abfedert. Darum steht bei jedem Nachteil, was wir dagegen tun.
Vorteile
- Nachvollziehbar. Eine Formel, wenige Zahlen, jede mit Quelle. Jeder Wert lässt sich mit dem Taschenrechner oder im Value-Rechner nachrechnen.
- Wenige Stellschrauben. Gewinn, Wachstum, End-KGV – mehr braucht der Kern nicht. Eine volle Cashflow-Rechnung hat Dutzende Annahmen und damit viel mehr Spielraum, sich etwas schönzurechnen.
- Vergleichbar. Alle Analysen folgen denselben Regeln. Ein Wert für Apple und einer für Ferrari sind deshalb direkt vergleichbar.
- Wenig Bauchgefühl. Wachstum, End-KGV, Gewichte und Sicherheitsmarge folgen festen Regeln, nicht der Stimmung des Tages.
- Qualität vor Preis. Die Qualitätsprüfung kommt vor der Bewertung. Eine billige, aber schwache Firma bekommt kein Kaufziel – das soll vor der klassischen Value-Falle schützen; im Rückblick-Test hat die Qualitätsnote die Firmen richtig geordnet.
- Mehrfach vorsichtig. 15 % Zielrendite und eine Sicherheitsmarge nach Qualität: Ein Kauf braucht Puffer für eigene Fehler.
- Klare Entscheidungsregel. Kaufziel und Kurszonen sagen vorher, ab welchem Kurs eine Aktie interessant wird. Das hilft gegen Kaufen aus Begeisterung und Verkaufen aus Angst.
- Langfristiger Blick. Gerechnet wird über zehn Jahre Geschäftsentwicklung, nicht über Quartalsrauschen oder Kursmomentum.
- Gegenproben eingebaut. Profi-Wert mit 9 %, Gegenrechnung über den freien Cashflow und Konsensvergleich prüfen jeden Wert aus einem zweiten Blickwinkel.
- Ganzer Ertrag. Kurs am Ende, Dividenden unterwegs und die Kasse von heute – alles, was du als Aktionär bekommst, zählt mit.
- Laufend überprüft. Jeden Monat prüfen wir alle Analysen auf neue Zahlen, Kurssprünge und Widersprüche; jede Wertänderung steht mit Datum im Protokoll.
Nachteile
- Empfindlich. Jeder Prozentpunkt Wachstum wirkt doppelt, weil das End-KGV ihm folgt; zwei Punkte weniger kosten ein Drittel des Werts.Dagegen: vier Fälle, Sensitivitätstabelle und Kipppunkte zeigen die Spanne offen.
- Abhängig vom Konsens. Analystenschätzungen für zwei bis drei Jahre werden auf zehn übertragen, und Analysten liegen oft zu optimistisch.Dagegen: Abgleich mit eigenen Bausteinen und Deckel durch das tatsächliche Wachstum der letzten zehn Jahre.
- Gleichförmiges Wachstum. Die Formel rechnet zehn Jahre mit derselben Rate; echte Firmen wachsen in Schüben und werden langsamer.Dagegen: Stress- und schwacher Fall rechnen mit deutlich weniger Wachstum.
- Faustregel beim KGV. „2 × Wachstum“ ist eine Daumenregel, keine Herleitung.Dagegen: gedeckelt durch den eigenen Zehnjahresschnitt, im Profi-Wert zusätzlich durch die Gordon-Formel.
- Streng gegenüber Qualität. Mit 15 % wirken viele sehr gute Firmen dauerhaft zu teuer.Dagegen: der Profi-Wert steht immer daneben.
- Blick zurück. Zehnjahreswerte sagen nicht, ob ein Burggraben auch die nächsten zehn Jahre hält.Dagegen: Gegenprüfung mit dem letzten Jahr und dem Ausblick, Angriffsprüfung beim Burggraben, Gegenthese.
- Passt nicht überall. Banken, Beteiligungsgesellschaften, Zykliker und Verlustfirmen sprengen die Standardformel.Dagegen: eigene Methode je Firmentyp, auf der Seite erklärt.
- Qualität heißt vor allem Wachstum. Vier der sieben Qualitätskriterien messen Wachstum; reife, sehr profitable Firmen bekommen weniger Punkte.Dagegen: Kapitalrendite, Marge und Schulden zählen mit, und die Qualitätsstufe wirkt auf Sicherheitsmarge und Kaufziel, nicht auf den fairen Wert.
- Regeln oft geändert. Die Methode wurde im Oktober und November 2026 mehrfach angepasst, einige Änderungen erhöhten die Werte.Dagegen: Standard 2.5 ist bis 31. März 2027 eingefroren – bis dahin nur Fehlerkorrekturen; jede Änderung steht mit Datum und Grund in der Versionsgeschichte.
- Noch keine Trefferquote. Ob unsere Werte gut treffen, zeigt sich erst über Jahre.Dagegen: seit 7. November 2026 halten wir jede Bewertung in einer Trefferbilanz fest und vergleichen sie nach 6, 12 und 24 Monaten mit dem S&P 500 – die erste Auswertung erscheint im Mai 2027 hier. Der Rückblick-Test oben zeigt, was das Gerüst der Formel 2013–2021 geleistet hätte.
